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“Bei mir hat noch keiner kontrolliert“

Von Martin

Ergänzung vom 28. November / 14:01 Uhr
Die Tourismusbranche befindet sich seit Längerem im Wandel. Wer in diesem Zusammenhang nicht bereit ist, sich den Marktgegebenheiten anzupassen, wird in naher Zukunft keine Daseinsberechtigung mehr haben.

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Davon ist Frank Ebert, seit 2009 selbstständiger Vermittler und Betreuer mehrerer Ferienwohnungen am Tegernsee, überzeugt. Im Interview erzählt Ebert was er von den Meldekontrollen (siehe ursprünglicher Artikel) am Tegernsee hält. Und wieso seiner Meinung nach die Strafen spürbar sein müssen.

Tegernseer Stimme: Die Tourismusbranche insgesamt hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Gilt das auch für das Tegernseer Tal?

Ebert: Klar. Speziell der ganzjährige Gesundheitstourismus ist immer stärker im Kommen. Mein persönlicher Eindruck ist auch, dass das Durchschnittsalter der Gäste und Touristen am Tegernsee etwas sinkt. Im Segment der Altersgruppe 40+ gibt es verstärkt Anfragen. Darauf sollte sich die Branche einstellen. Denn hier hat das Tal sehr gute Kompetenzen.

Tegernseer Stimme: Wie sind Ihre Erfahrungen in den Bereichen Kontrolle und elektronisches Meldescheinverfahren? Wurden “ihre” Ferienwohnungen schon überprüft?

Ebert: Zum einen muss ich betonen, dass ich es gutheiße, dass neuerdings verstärkt kontrolliert wird. Bei mir war allerdings noch nie ein Kontrolleur.

In der Branche gibt es einige schwarze Schafe. Da sind Kontrollen mehr als gerechtfertigt. Vor allem, dass diese von externem Personal durchgeführt werden, ist unbezahlbar.

Die Umstellung auf das neue Meldescheinsystem ist eine tolle Sache und hat deutlich mehr Vorteile als Nachteile. Beispielsweise erkennt das System von selbst anhand des eingegebenen Geburtsdatums, ob bei einem Gast der volle Kurtaxenbetrag oder wie bei Jugendlichen nur ein verminderter Betrag zu entrichten ist.

Darüber hinaus können sämtliche Kundendaten mit einem Klick sortiert und auch exportiert werden. Ich persönlich organisiere so zum Beispiel Rundschreiben an Weihnachten. Klar, man muss sich die Zeit nehmen und sich mit dem elektronischen Meldescheinverfahren einmal auseinandersetzen. Dann ist es aber ein Kinderspiel.

Tegernseer Stimme: Bei Ihnen war noch kein Kontrolleur? Das widerspricht den Aussagen von Tegernsees Bürgermeister Peter Janssen, dass alle Beherbergungsbetriebe – also eigentlich auch die von Ihnen betreuten Ferienwohnungen – schon mindestens zwei Mal aufgesucht wurden.

Ebert: Das kann ich nicht bestätigen. Auch von anderen Hotels und Gästehäusern weiß ich, dass seit Längerem keine Kontrollen in Bezug auf die korrekte Anmeldung von Gästen durchgeführt wurden.

So oder so: Das Nicht-Anmelden von Gästen als schlechte Meldemoral zu bezeichnen und als kleine Ordnungswidrigkeit durchgehen zu lassen, ist meiner Meinung nach schlichtweg nicht akzeptabel. Das ist glatter Betrug, und wenn ein Betrieb auffällig wird, sollte es nicht nur zu Bußgeldern kommen, sondern die Vergehen müssen sofort an die zuständigen Ämter weitergeleitet werden.

Tegernseer Stimme: Um einer „schlechten Meldemoral“ entgegenzuwirken, hoffen die Gemeinde wie auch die TTT, dass Gäste verstärkt nach der Gästecard fragen. Damit wäre eine Anmeldung im System garantiert. Kann dies das Problem lösen?

Ebert: Mit der Karte kann rund um den See der Bus umsonst genutzt werden, und Gäste erhalten viele weitere Vergünstigungen. Immer mehr Urlauber fragen nach der Gästecard. Diesen Eindruck habe ich schon.

Die Vorzüge und dass es die „Gästecard“ überhaupt gibt, wird aber meiner Meinung nach noch zu wenig kommuniziert. Ob so dauerhaft der Nichtanmeldung von Gästen Einhalt geboten werden kann, weiß ich nicht.

Herr Ebert, vielen Dank für Ihre Einschätzung.

Ursprünglicher Artikel vom 22. November:

“Die Meldemoral lässt zu wünschen übrig,” sagt TTT-Geschäftsführer Georg Overs zur Situation im Tegernseer Tal, und auch Brancheninsider sind sicher: „Ja, es wird beschissen.“

Die Talgemeinden haben die Angelegenheit längst auf dem Schirm und lassen seit Ende 2010 alle Hotels und Gästehäuser durch eine Firma aus Mühldorf am Inn „verstärkt kontrollieren“, so Overs weiter.

Dabei sind die Kontrollen kein Selbstzweck. Für die Entwicklung im Tegernseer Tal sind die aktuellen Übernachtungszahlen wichtig zur Erfolgsmessung: Die Dauer der Aufenthalte, der Trend im Vergleich zu den Vorjahren und der Erfolg von Werbung und Investitionen in Infrastrukturprojekte können so kontrolliert werden.

Positive Zahlen in 2011 – aber was davon ist echter Wachstum?

Sobald die Zahlen verfälscht sind, weil Beherbergungsbetriebe die angereisten Gäste und Touristen nicht melden, sind realistische Rückschlüsse für den Tourismussektor und damit einem der wichtigsten Jobmotoren am Tegernsee nicht möglich. Laut den Statistiken der TTT sanken beispielsweise 2010 die Übernachtungszahlen am Tegernsee um 7% im Vergleich zum Vorjahr.

Bisher stieg im Jahr 2011 die Gesamtzahl von 178.730 auf 202.072 angemeldete Gäste. Ein Wachstum von 13 % und eigentlich ein Grund zum Jubeln (Stand: Ende August 2011). Die Realität sieht aber vielleicht ganz anders aus: Von Januar bis November 2010 sind Beherbergungsbetriebe „nur wenig kontrolliert worden“, so Overs. In diesem Zeitraum rüsteten viele Hotels und Gästehäuser noch auf das elektronische Meldescheinwesen um, das eigentlich seit Anfang letzten Jahres für alle verpflichtend war.

Der positive Trend für 2011 liegt also weniger am „kleinen“ touristischen Auf- schwung, sondern vor allem am neuen Meldescheinverfahren und stärkeren Kontrollen. „Die Statistiken von 2010 und 2011 lassen sich eigentlich nicht vergleichen”, sagt selbst Georg Overs.

Wie die angesprochenen Kontrollen genau funktionieren, erläutert Tegernsees Bürgermeister Peter Janssen folgendermaßen: „Die Kontrolleure der Firma K&B haben das Recht, sich alle freien Zimmer zeigen zu lassen und damit im Umkehrschluss festzustellen, wie viele Zimmer belegt sind.

Widersprüche zum Umfang der Kontrollen

Anhand der ihnen vorliegenden Anmeldungen über das Meldescheinprogramm und den vorzulegenden Zimmerbelegungsplan können sie dann sehen, ob für alle belegten Zimmer Anmeldungen vorliegen“. Seit Ende 2010 wurde jeder Betrieb mindestens zwei Mal kontrolliert. Einige Bußgeldverfahren seien bereits eingeleitet worden, so Janssen weiter.

Scheinbar betroffene Insider, wie Frank Ebert (im Interview morgen), können das jedoch nicht bestätigen. Und auch die mit den Kontrollen beauftragte Firma K&B Kommunale Dienstleistungsgesellschaft mbH wusste von mehrfachen Kontrollen aller Häuser erstmal nichts.

Zu der Aussage von Peter Janssen und den damit verbundenen Diskrepanzen wollte K&B-Geschäftsführer Manfred Berghofer jedoch auch nach mehrmaligen Nachfragen keine Stellung beziehen. Und auch Janssen, Sprachrohr der Tal-Bürgermeister beim Thema Meldekontrollen, war dazu plötzlich nicht mehr erreichbar.

Die Widersprüche stehen somit weiterhin im Raum. Denn wofür die Gemeinden genau bezahlen und vor allem wieviel, bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Dabei ist die Höhe der verhängten Busgelder nicht ohne, umfangreiche Kontrollen vorausgesetzt. Zwischen 100 und 500 Euro kommen auf die erwischten Betriebe zu. In der Regel wird die Strafe als Ordnungswidrigkeit eingestuft.

„(…) alle werden gleichermaßen unter die Lupe genommen“

Die Talgemeinden entsenden nicht zuletzt deshalb Kontrolleure in die Beherbergungsbetriebe, die unangekündigt und zu unüblichen Tageszeiten und Wochentagen Stippvisiten durchführen. Janssen: “Egal, ob Kleinst-Gästehaus oder großer Hotelbetrieb – alle werden gleichermaßen unter die Lupe genommen.”

Für Georg Overs sind aber auch die Gäste und Touristen selbst in der Pflicht: Wer bei seinem Gastgeber nach Angeboten wie der Tegernsee-Card fragt und diese von Hotels und Gaststätten verlangt, löst das Problem von selbst. „Dann müssen die Beherbergungsbetriebe die Anreisenden anmelden“, wirbt Overs für das einzig positive Druckmittel.

Sollte dies zuverlässig klappen, muss sich keine der fünf Talgemeinden mehr Gedanken darüber machen, ob für Leistungen bezahlt wird, die man nicht bekommt. Und zwar mit Geld, das den Bürgern gehört.

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