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Kommentar zu den Millionen-Forderungen an Kreidl und Bromme

Miesbacher Götterdämmerung

Lange Zeit konnten Ex-Landrat Jakob Kreidl und der ehemalige Sparkassenvorstand Georg Bromme tun und lassen, was sie wollten. Das Geld anderer nach dem Gießkannenprinzip verteilen.

Jetzt holt sie ihr Handeln auch finanziell ein. Sie sollen Schadensersatz in Millionenhöhe zahlen. Die Götterdämmerung hat begonnen.

Drei selbsternannte Götter unter sich. Georg Bromme, Horst Seehofer und Jakob Kreidl. Archivbild.
Georg Bromme, Horst Seehofer und Jakob Kreidl / Archivbild

Ein Kommentar von Christopher Horn
Ach, wie muss es schön gewesen sein, als Ex-Landrat Jakob Kreidl und der frühere Sparkassenvorstand Georg Bromme noch in Amt und Würden waren. Wie im Paradies müssen sie sich vorgekommen sein. Ein Himmel auf Erden eben. Eine Papstaudienz in Rom mit der ganzen Familie. Per Business Class nach Rom und zurück, und das natürlich auf Kosten des Landratsamtes. Oder ein Trip nach Israel, als Botschafter für den Landkreis. Jakob Kreidl war wahrlich ein Globetrotter. Ein echter Kosmopolit.

Auch der andere „König“ des Landkreises, Georg Bromme, will dem natürlich in nichts nachstehen. Da kauft die Sparkasse auf Anweisung Brommes für 1,6 Millionen Euro die Geitauer Almen, um der finanziell klammen Gemeinde Bayrischzell unter die Arme zu greifen. Was für eine großmütige Geste. Wen kümmert es da, dass so etwas nicht in den Aufgabenbereich einer Sparkasse gehört und einen groben Pflichtverstoß darstellt?

Bromme, der Gönner

Doch weil es so schön ist, Freunden und Notleidenden zu helfen, unterstützt die Sparkasse auch den Tiroler Jagdverband großzügig. Insgesamt 50.000 Euro wandern so von Miesbach nach Österreich. Jagdfreunde helfen sich eben, so könnte das Motto des passionierten Jägers Georg Bromme gelautet haben. Und die Österreicher danken es ihrem noblen Gönner und überhäufen ihn mit Ehrungen wegen seiner „besonderen Dienste um das Jagdwesen.“

Bei all dem Großmut muss der damalige Sparkassen-Chef gelegentlich natürlich auch an sich selbst denken. Also verkauft er Bilder aus seinem Privatbesitz an die Sparkasse und wird so um knapp 45.000 Euro reicher. Dass die Bank gar keine wirkliche Verwendung für die Gemälde hat oder dass keiner von dem Kauf weiß, ist nur eine Randnotiz.

Dabei zeigen sich Kreidl und Bromme ihre Wertschätzung oft auch gegenseitig. Da steuert die Sparkasse 55.000 Euro zum 60. Geburtstag des Landrats bei. Für insgesamt fast 300.000 Euro renoviert das Institut, in dem der Kreidl qua Amt den Vorsitz im Verwaltungsrat hat, sein Büro sowie das Vorzimmer. Ein König wie er braucht schließlich angemessene Räumlichkeiten, um seine Untertanen empfangen zu können. „Das sollte man nicht so eng sehen, wer soll uns schon aufhalten?“, werden sich Landrat und Sparkassen-Chef damals wohl gedacht haben.

Aufseher als „Ja-Sager“

Und sie sollten lange Recht behalten. Denn dass etwas nicht stimmte im Geschäftsgebaren des Instituts, wussten viele Menschen im Umfeld der „Macher“. Doch etwas gegen das selbstherrliche Wirken des Duos zu unternehmen, das wollte lange Zeit niemand. Zu groß die Abhängigkeiten – teure Bürgermeisterfahrten oder finanzielle Unterstützung für die Lieblingsprojekte inklusive. Zu selten echte Kontrolle. Und die kam auch nicht von den Mitgliedern des Verwaltungsrates.

All die Lokalpolitiker und Unternehmer, die dort mit dem Landrat und dem Sparkassen-Chef an einem Tisch saßen, wurden mit üppigen Apanagen und teuren Gaben überhäuft. Der aktuelle Bericht des Innenministeriums taxiert den Wert der unzulässigen Geschenke auf insgesamt 121.255 Euro. Die Kontrolleure traten somit eher als Hofstaat, als notorische „Ja-Sager“ auf, denn als als Mahner und Aufseher. Auch sie tragen mit ihrem Verhalten die Verantwortung dafür, dass die Sparkasse sukzessive heruntergewirtschaftet wurde. Daher ist es nur fair, dass auch die früheren Verwaltungsräte ein nicht unerheblicher Teil der nun einsetzenden Götterdämmerung sind.

Denn nicht nur auf Georg Bromme und Jakob Kreidl warten Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe. Auch die Aufseher der Bank sollen für ihr konsequentes Wegschauen zur Kasse gebeten werden. Und das mit Recht. Jetzt muss es darum gehen, die geforderten Schadensersatzsummen mit aller Konsequenz einzutreiben. Und somit ein echtes Exempel zu statuieren, damit sich so etwas im Landkreis Miesbach niemals wiederholt.


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