Trotz schwieriger Lage bei den Sparkassen
Mihalovits will keine Stellen streichen

von Christopher Horn

Sponsoring-Affäre, schlechte Geschäftszahlen, Kritik von höchster Stelle. Die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee hat in den vergangenen drei Jahren für reichlich negative Schlagzeilen gesorgt. Nun warnt Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon vor „schweren Zeiten für alle Sparkassen“ und fordert drastische Sparmaßnahmen. In Miesbach sieht man das jedoch gelassen.

Georg Fahrenschon warnt vor der ernsten Lage einiger Sparkassen.
Georg Fahrenschon warnt vor der ernsten Lage einiger Sparkassen.

„Die Lage ist ernst“, betonte Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands vor kurzem bei der Jahrestagung des Verbandes. Dabei warnte der frühere bayerische Finanzminister vor der Schieflage einiger Institute, die dem ganzen Verbund Probleme bereiten könnten.

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Für unsere Gruppe wird es schwierig, wenn eine signifikante Anzahl von Instituten in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät.

Vor allem das niedrige Zinsniveau macht den Bankern derzeit zu schaffen. Fahrenschon forderte die Vorstände der Sparkassen daher zu drastischen Sparmaßnahmen auf. Auch die Schließung von Geschäftsstellen und ein massiver Stellenabbau sind vorgesehen. Die Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg machte nun den Anfang und kündigte an, 20 ihrer insgesamt 75 Filialen zu streichen und zudem 225 der insgesamt 1.800 Arbeitsplätze abzubauen.

Steigt auch der Druck auf Miesbach?

Droht ein solches Szenario nun auch den Mitarbeitern und Kunden der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee? Nicht, wenn es nach dem Vorstandsvorsitzenden Martin Mihalovits geht. Natürlich belaste das niedrige Zinsniveau auch die Ertragslage der hiesigen Sparkasse, “aber wir haben bereits seit 2012 Maßnahmen eingeleitet, damit wir auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich arbeiten können“, so Mihalovits gegenüber der Tegernseer Stimme.

Und diese Maßnahmen waren auch bitter nötig. Im Jahr 2012 hatte die heimische Sparkasse bei einer Bilanzsumme von 1,61 Milliarden Euro nur einen Gewinn von 509.000 Euro erwirtschaftet. Gemessen am Ertrag war Miesbach damit das bayernweite Schlusslicht.

Damals machten sich die ersten Ausläufe der Sponsoring-Affäre um dem damaligen Landrat Jakob Kreidl und den Sparkassenvorstand Georg Bromme in den Bilanzen der Bank bemerkbar, das wahre Ausmaß des „Systems Miesbachs“ wurde erst in den Folgejahren deutlich und erschütterte die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee bis auf ihre Grundpfeiler.

Mihalovits schließt Entlassungen aus

Mit der Aufarbeitung der Verfehlungen seines Vorgängers Georg Bromme ist der heutige Vorstand noch immer beschäftigt. Jüngst verkündete die Kreissparkasse, dass man sich mit einer Versicherung auf eine Entschädigungszahlung von zwei Millionen Euro geeinigt habe.

Schon unmittelbar nach seinem Amtsantritt vor mehr als drei Jahren hatte Mihalovits damit begonnen aufzuräumen. „Wir sind seit 2012 in einem Umgestaltungsprozess. Ziel ist es, effizienter zu werden und Potentiale zu nutzen. Vereinfacht heißt das, auf der einen Seite Kosten sparen und auf der anderen Seite noch stärker auf den Kunden zugehen und mit ihm besprechen, was er braucht“, betont Mihalovits.

Schließungen von Geschäftsstellen oder eine Entlassung von Mitarbeitern zur Reduzierung der laufenden Kosten schließt er dabei aber weiterhin aus:

Schließungen oder Entlassungen nein, Anpassungen ja. Wir bleiben vor Ort, werden die Öffnungszeiten jedoch dem Kundenverhalten anpassen. Wir wollen mehr Geschäfte machen, also brauchen wir unsere Mitarbeiter. Es wäre kontraproduktiv, an dieser Stelle zu sparen. Die Mitarbeiter und unsere Kunden sind unser größtes Kapital. Damit muss man sorgsam umgehen.

Insgesamt hat die Bank seit dem 1. Januar 2012 zwar 20 Mitarbeiter weniger. Allerdings nicht aufgrund von Sparmaßnahmen, sondern der natürlichen Fluktuation. So wurden einige Stellen nach dem Gang in die Pension oder dem Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber nicht mehr neu besetzt. Umstrukturierungen haben hier die Vereinfachung von Strukturen und die Vermeidung von Doppelarbeit ergeben.

Denn die Verantwortlichen wollen die Abläufe einfacher und kundenfreundlicher gestalten und den Digitalisierungsgrad der Bank stärken. „Die Kunden kommen schon heute 200 mal häufiger über die SparkassenApp zu uns, als über die Geschäftsstelle. Daraus ziehen wir Konsequenzen und passen auch das Geschäftsstellennetz den neuen Bedürfnissen an.”

Beratungen fänden in jeder Geschäftsstelle nach Vereinbarung statt, egal ob der Schalter geöffnet sei oder nicht. Außerdem bleibe man auch für diejenigen erreichbar, die nicht so mobil sind und den persönlichen Kontakt wünschen. Diesen Service werde man sich weiterhin leisten, versichert Mihalovits.

Sparkassen Vorstand Martin Mihalovits
Martin Mihalovits ist seit April 2012 der Vorstand der KSK Miesbach-Tegernsee.

Auch die unter seinem Vorgänger enorm hohen Sponsoring-Ausgaben wurden Schritt für Schritt runter gefahren. Gab die Sparkasse hier 2011 noch 2,1 Millionen Euro aus, war es 2014 noch knapp eine Million Euro. Immer noch zu viel für eine Sparkasse dieser Größenordnung. Für eine Sparkasse von vergleichbarer Größe seinen etwa 500.000 Euro üblich, betonte Mihalovits im August 2014.

Daher will er in diesem Bereich zwar weiter sparen, den rigorosen Rotstift aber nicht ansetzen. Man werde auch zukünftig im angemessenen Rahmen die Vereine, die kulturellen und sozialen Einrichtungen im Landkreis unterstützen. Aber eben nicht mehr alles, was gewünscht sei, betont der Vorstandsvorsitzende gegenüber der Tegernseer Stimme.

Sparkasse kann Gewinn steigern

Die aktuellen Geschäftszahlen bestätigen Mihalovits indes in seinem Kurs. Die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Überschuss von 2,7 Millionen Euro. Auch die Bilanzsumme wuchs um fünf Prozent auf 1,74 Milliarden Euro, das Eigenkapital stieg auf 129 Millionen Euro.

Das macht sich auch im aktuellen bayernweiten Sparkassenranking bemerkbar. Die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee hat die rote Laterne abgegeben und rangiert mittlerweile auf Rang 41 von insgesamt 71 bayerischen Sparkassen. So scheint sich das Unternehmen demnach dem allgemeinen Negativtrend derzeit widersetzen zu können. Die Gründe sieht Mihalovits in den Einschnitten der vergangenen Jahre:

Natürlich beeinflusst uns die allgemeine Entwicklung. Aber wir erledigen eben unsere Hausaufgaben. Bezüglich unseres Geschäftsstellennetzes sind wir weiter, als andere Sparkassen, die erst jetzt damit beginnen. Das gilt auch für die Umstrukturierung im internen Bereich. Aber auch wir dürfen uns nicht ausruhen. Wir alle müssen in diesen Zeiten noch mehr und effizienter arbeiten.

Auch für das laufende Geschäftsjahr erwartet er Positives. Man erwarte 2015, sofern keine unerwarteten Belastungen eintreten, ein ähnliches Ergebnis wie 2014. Eine Fusion mit einer anderen Sparkasse schließt Mihalovits jedoch aus und macht abschließend klar: “Das ist kein Thema. Ziel ist weiterhin die Selbstständigkeit.”

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