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Millionen in Rottach vergraben

Mit 43 Millionen Euro anderer lässt sich’s gut leben. Ein Schneeballsystem beförderte den Rottacher Daniel Uckermann kurzzeitig in den Jetset. Ein ehemaliger Geschäftspartner erzählt nun über das Leben des mutmaßlichen Millionen-Betrügers und warum dieser bündelweise Bargeld im Garten seines Rottacher Anwesens vergrub.

Daniel Uckermann hatte offensichtlich Anleger betrogen und sich kurzzeitig ins Ausland abgesetzt.
Daniel Uckermann hatte offensichtlich Anleger betrogen und sich kurzzeitig ins Ausland abgesetzt.

Wie berichtet, soll der früher in Rottach-Egern lebende Daniel Uckermann über 3.000 Anleger mit dubiosen Finanzgeschäften um ihr Erspartes gebracht haben. Deren Schaden beziffert der Insolvenzverwalter seiner Firma „Premium Safe Ltd.“ auf 43 Millionen Euro. Sein Ex-Freund und einstiger Geschäftspartner spricht dagegen von 68 Millionen Euro.

Viel dürfte von diesen horrenden Summen nicht mehr aufzufinden sein, denn der 34-jährige Uckermann hatte die Millionen offensichtlich mit vollen Händen ausgegeben. Der Finanzjongleur logierte in einer Villa mit 200 Quadratmetern in bester Wohnlage Rottach-Egerns.

Davor hatte Uckermann unzählige Nobelkarossen geparkt. „Insgesamt besaß er 21 Autos. Bis auf eines, einen Aston Martin, waren alle anderen Nobelmarken Firmenfahrzeuge seiner Premium Safe“, weiß sein Ex-Freund zu berichten, der anonym bleiben will.

Sehr viel Geld verschlang Uckermanns Hobby, der Rennsport. Gerne ließ sich der „schnelle Daniel“ als erfolgreicher Hobbyrennfahrer ablichten. Nicht ohne Grund: Im August 2015 schaffte er noch den Gesamtsieg der sogenannten GT4-Serie mit seinem ZaWotec-Team auf dem Nürburgring. „Mit seinem Geld hat er entsprechend auf den Putz gehauen“, erinnert sich sein Ex-Partner.

Er hat sich oft im Winter in Dubai Rennstrecken gemietet, um den Rennsport ausleben zu können. Immerhin kostete das Dubai Autodrome, eine der modernsten Rennstrecken der Welt, für vier Stunden jeweils an zwei Tagen zusammen 250.000 Euro. Einen gebrauchten Aston Martin für 76.000 Euro zahlte er bar und schenkte ihn seiner Frau.

Seine spätere zweite Frau lernte der Lebemann in einer Münchner Tabledance Bar kennen. „Eine attraktive Rumänin“, so der Informant, „die von der Freizügigkeit ihres Galans sehr angetan war“. Damit soll er – so die Interpretation des Kompagnongs – seine Minderwertigkeitskomplexe kompensiert haben, denn seine Angebetete überragte ihn um einen Kopf.

Hochzeitsfeiern in Tegernsee und Schliersee

Nach einer Pleite mit einer Bar in Augsburg soll sich die „nette und intelligente Frau“ in ihrem neuen Job in den schnellen Daniel verliebt haben. „Die standesamtliche Trauung fand in Rottach-Egern statt und gefeiert wurde standesgemäß im nobelsten Hotel von Tegernsee“. Auch bei der kirchlichen Hochzeit ein Jahr später ließen „es beide in Schliersee krachen, mit einer pompösen Feier auf der Insel im See. Ein Jahr später kam ihre Tochter zur Welt“, so der Ex-Freund als Hochzeitsgast.

Als viele der Anleger dann ihre Einlagen samt versprochenen Renditen von bis zu 40 Prozent sehen wollten, war Uckermann im vergangenen Jahr längst über alle Berge. „Mit insgesamt 43 Millionen Euro ist er nach Botosani in Rumänien geflohen. Für die Barauszahlungen der Millionen hatte er Helfershelfer in den Balkanstaaten.

Dorthin war er immer wieder mit seinem schwarzen Maserati unterwegs und hat seinen Kofferraum voll mit Scheinen gestopft“, erzählt der Ex-Freund. „Da Uckermann einen Diplomatenpass der Republik Kongo mit dem entsprechenden Kennzeichen 0 151-15 hatte, war er vor Grenzkontrollen sicher. Ein Fahrzeug mit Diplomaten-Kennzeichen darf weder geöffnet noch beschlagnahmt werden“.

Freie Fahrt für den Diplomaten

Der berühmt-berüchtigte Consul Hans-Herrmann Weyer, eine schillernde Figur des Jet-Sets, soll ihm den Kontakt zur Deutschen Botschaft des Kongo in Berlin vermittelt haben. „Uckermann bekam in Kinshasa den Status eines Präsidentenberaters. Dies ist alles beurkundet worden. Da Uckermann aber vom Auswärtigen Amt eine Akkreditierung verweigert wurde, kam er nicht in den Genuss der Immunität“, berichtet dessen Ex-Geschäftspartner.

Dieser versalzte Uckermann die „Suppe“ durch einen Anruf in Berlin mit Hinweis auf den Betrugsverdacht. „Uckermann wollte auch Honorarkonsul des Kongo in München werden und suchte dafür den Draht zur Staatskanzlei“, so sein Hauptbelastungszeuge. Doch dort bekam man offenbar rechtzeitig Wind vom umtriebigen Millionär.

Uckermanns rumänische Frau Georgina am Gardasee.
Uckermanns rumänische Frau am Gardasee: Lifestyle mit Schampus

Da Uckermann sich offensichtlich nicht vor seinen Häschern sicher fühlte, soll er Bares gern im Garten vergraben haben. „Eine Million hat er in seinem Rottacher Grundstück in gut einem Meter Tiefe verbuddelt. Damit die Scheine keinen Schaden erleiden, hatte Uckermann im Keller auch ein Vakuumiermaschine“. Damit seien die Banknoten in Plastikfolien eingeschweißt worden. Jetzt sei kein Geld mehr in Rottach vergraben, davon habe sich sein Ex-Partner selbst überzeugt.

Ich war der Erste im Garten, der nachgeschaut hat, nachdem er abtauchte.

Seit 7. Oktober sitzt der einstige Millionär nun in der JVA Stadelheim in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen dürften sich noch hinziehen, denn die Steuerfahnder beschlagnahmten umfangreiches Beweismaterial.


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