Mit dem Schiff-Taxi in die Schule?

von Simon Haslauer

Touristen mit der TegernseeCard dürfen zweimal pro Tag kostenlos mit dem Schiff über den Tegernsee tuckern. Jetzt wurde dieses Angebot auf unbefristete Zeit verlängert. Einheimische gingen bislang leer aus. Doch wie gratis ist „gratis“ eigentlich?

Zwei Gratisfahrten gibt es mit der TegernseeCard pro Tag.

Ermäßigungen in Museen und Freibädern, gratis Busfahrten rund um den Tegernsee und durch den Landkreis – mit der „TegernseeCard“ der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) erfahren Touristen im Tal einige Vorteile, jedenfalls in teilnehmenden Betrieben. Eine der größten Leistungen sind vermutlich die gratis Schiffsfahrten für Besitzer der Karte. Seit 2017 erlaubt einem die Karte, zweimal pro Tag gratis an Bord zu gehen.

Augenscheinlich findet dieses Angebot viel Zuspruch. Denn während die kostenlosen Schiffsfahrten in den vergangenen Jahren nur für jeweils zwei Jahre verlängert wurden, soll die Aktion nun unbefristet gelten. Die Unterzeichnung des Kooperationsvertrags zwischen der Bayerischen Seenschifffahrt mit der TTT wurde am 04. Oktober in Tegernsee gefeiert. Mit dabei die Tal-Bürgermeister und Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker.

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Wer bezahlt das alles?

Wie TTT-Chef Christian Kausch erklärt, nutzen rund 80.000 Personen das Angebot der gratis Schiffsfahrten pro Jahr. Die Kosten für die Angebote der TegernseeCard tragen übrigens die Touristen selbst. Sie seien bereits im Zimmerpreis einberechnet. Kausch weiß:

Die teilnehmenden Gastgeber kalkulieren den Umlagebetrag pro Nacht und Gast in den Zimmerpreis ein.

Den genauen Betrag, wie viel Mehrkosten Touristen für die Karte zahlen, will Kausch jedoch nicht verraten. Aus Wettbewerbsgründen, argumentiert der TTT-Chef und erklärt: „Insofern handelt es sich nicht um eine Gratisfahrt, auch wenn dies auf den ersten Blick den Anschein haben mag.“ Kein Grund also, als Einheimischer eifersüchtig zu werden.

Schiffsbusse am Tegernsee?

Ein Argument für die fast-gratis Schiffsfahrten ist auch die Entlastung der Straßen im Tal und die Vermeidung von Autofahrten. Aktuell gebe es jedoch keine Pläne, das Angebot auszubauen oder breiter aufzustellen. Kausch meldet: „Das Angebot der Schifffahrt funktioniert sehr gut wie es ist“ und kündigt an: „Das Ticketing wird weiter vereinfacht werden.”

Währenddessen gibt es seit Längerem schon die Idee, die Schiffsfahrt in anderen Bereichen einzusetzen. So hat Christian Köck, Bürgermeister von Rottach-Egern, vor Kurzem abermals für die Einbeziehung der Schifffahrt in den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und den Einsatz von Schiff-Taxis geworben. Laut Köck handle es sich dabei absolut um eine Alternative für die Zukunft, die den Verkehr weiter entlasten könne.

Damit steht der Rottacher Bürgermeister nicht alleine da. Es gab bereits Gespräche unter den Tal-Bürgermeistern. Auch erinnert sich Köck, wie in seiner Jugend die Wiesseer oft mit dem Schiff in die Schule kamen. Aktuell bestehen jedoch noch einige Probleme. Unter anderem müsse die nötige Infrastruktur zuerst geschaffen werden.

Laut Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn sei die Finanzierung für ein solches Projekt sehr schwer. Auch, so Hagn, weil nicht klar ist, wie stark so ein Angebot im Endeffekt genutzt wird. Er erklärt: “Das ist ein Thema, das weiterhin verfolgt wird. Es muss aber auch zwischen anderen Themen einsortiert werden.” Es bleibt spannend. Die Tal-Bürgermeister bleiben eigenen Angaben nach dran.

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