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Ex-Vorstand von Tegernseer Firma muss ins Gefängnis

Mit „krimineller Energie“ Kunden getäuscht

Trotz eines Geständnisses wurde ein Tegernseer Anlageberater heute zu einer empfindlichen Haftstrafe verurteilt. Das Landgericht München II sprach den ehemaligen Chef der Capital-Forum AG der Untreue in sechs Fällen für schuldig. Der Schaden liegt im Millionenbereich.

Wegen Untreue vor dem Landgericht München II: Dieter R. auf der Anklagebank.

Es ist ein Kriminalfall aus der Welt der Multimillionäre, die manchmal blind ihren Anlageberatern vertrauen. Am Montag begann der Prozess gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Tegernseer Capital Forum AG. Doch der Fall, der in dieser Woche vor Gericht verhandelt wurde, beginnt bereits vor der Finanzkrise 2008, als noch traumhafte Gewinne mit Fonds und Geldanlagen möglich waren.

Irgendwann in dieser Zeit rät der Zeuge Professor Michael S. seinem Freund Dr. Stephan G., Mitglied einer der reichsten Familien Deutschlands, wie es im Gericht hieß, sein Geld einem „tollen Vermögensverwalter“ am Tegernsee anzuvertrauen. „Zunächst aber kam das für mich nicht in Frage“, so der 60-jährige Stephan G. bei seiner Aussage vor dem Münchner Landgericht. Doch dann sei für ihn ein Luxemburger Fonds wegen der „steuerlichen Konstruktion“ interessant geworden. Der Angeklagte Dieter R. (55) habe sich ihm als Anlageberater aus dem „Tegernseer Tal“ vorgestellt, dem auch der reichste Unternehmer von Tegernsee sein Geld anvertraue.

Geld von einem Topf in den anderen

In der Folge kaufte Stephan G. und seine Familie auf Vermittlung von R. für rund 4,3 Millionen Euro Anteile am Fonds CF Spezial FIS One. Die Idee des Anlageberaters Dieter R. sei es gewesen, sich wegen der Strategie „regelmäßig“ zu treffen. „Dazu kam es aber nach meiner einmaligen Einzahlung nicht mehr“. Denn Stephan G. habe zwar R. nicht für den „erfahrensten Anlageberater“ gehalten, aber keinesfalls für einen Kriminellen, wie sich Jahre später herausgestellt habe. Damals sei ihm von seinem Hamburger Vermögensverwalter aber geraten worden:

Schmeißen sie die Fonds raus, der kommt nicht mehr hoch.

Damit begann das Verhängnis für den Angeklagten R. „Als ich den Fonds von Dr. Stephan G. mit ihren Wertverlusten von etwa 2 Millionen Euro verkaufen wollte, hatte ich keine Chance mehr, da meine Manipulation aufgeflogen wäre“. Daher habe er den Fonds für knapp 4 Millionen Euro aufgekauft.

Das Geld dafür nahm R. aus einem Vermögen in der Schweiz, das ihm als damaliger Vorstandsvorsitzender der Capital-Forum AG von einem älteren Ehepaar anvertraut wurde. Sie sind die eigentlich Geschädigten in diesem Verfahren, denn Siegfried und Eva S. vertrauten ihrem Tegernseer Anlageberater. Erst als sie auf ihrem Konto 2014 bemerkten, dass es von R. leergeräumt worden war, flog der Betrug auf. „Ich wollte das Ehepaar S. nie schädigen“, so R. reumütig heute in seinem Schlusswort.

Vermögensverwalter in der „Bredouille“

Er verwies darauf, „dass wir mit Spekulationen sehr große Gewinne gemacht haben. Damals verwaltete ich ein Vermögen der Kunden von etwa 60 Millionen Euro“. Seinen Vorstandskollegen bei der Capital-Forum erzählte er von dem Flop mit dem Fonds nichts, so der Angeklagte, weil er die Tegernseer Firma nicht in den Fall reinziehen wollte. „Ich wollte es alleine schaffen“.

Richterin Michaela Welnhofer-Zeitler „fiel es schwer“, das Verhalten des Angeklagten nachzuvollziehen. Schließlich habe R. bei dem älteren Ehepaar, mit dem er jahrelang zusammengearbeitet habe, einen solchen Vertrauensbruch begangen. Es war wohl eine „sehr enge Beziehung“, so die Richterin. Die Übereinkunft von R. und seinen Mandanten in den USA soll sehr eng gewesen sein.

Seit Jahren leben die geschädigten Eheleute S. bereits am Lake Michigan in den USA. Vor etwa zwei Jahren hatten sie auch ihr Haus in Tegernsee am Leeberg verkauft. Deutlich wurde in dem Verfahren auch, dass R. nicht in Unkenntnis der Capital Forum für die Eheleute tätig war. Beispielsweise waren deren Vermögensaufstellungen der Liechtensteiner LTG Bank an den Tegernseer Firmensitz adressiert.

Für den Staatsanwalt kam der Angeklagte, „der für die Capital-Forum für mehrere Kunden tätig war“, dann 2014 in die „Bredouille“, als sich der Wert des aufgelegten Fonds mit der Finanzkrise halbierte.„Dieser Wertverlust wurde nicht wieder aufgeholt“. Als Dr. Richard G. aus dem Fonds aussteigen wollte, kaufte ihm R. für die geschädigten Eheleute S. die Fondsanteile zu weit überhöhten Preisen ab, „um den tatsächlichen Wert nicht offenbaren zu müssen“, so der Anklagevertreter.

Kein „typischer Wirtschaftsstraftäter“

Nach dem frühen Geständnis ihres Mandanten versuchte seine Verteidigerin Regina Rick noch zu retten, was zu retten war. R. habe nie gemauert und sich auch nicht persönlich bereichert. „Das Gericht brauchte auch keine lange Beweisaufnahme, weil er die Karten sofort auf den Tisch legte“. Er sei kein „typischer Wirtschaftsstraftäter“. Richterin Welnhofer-Zeitler konnte dem so nicht folgen. Schließlich habe er seine Kunden „mit krimineller Energie“ getäuscht. Der Beschuldigte R. befürchtete, so die Richterin in ihrem Urteilsspruch, dass dessen Ruf und der der Capital-Forum leiden würde.

Schließlich habe R. die Depotauszüge „manipuliert“. Strafmildernd seien das frühe Geständnis des Angeklagten und die Tatsache, dass er sich „definitiv um Schadensbegrenzung bemüht hat“. Dennoch aber bleibe, dass R. mit „krimineller Energie“ seine Kunden getäuscht habe. Schließlich sei dies der Vertrauensbruch einer langjährigen Geschäftsbeziehung. Da dies in sechs Fällen geschehen sei, verurteilte das Gericht R. zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Eine Woche hat R. Bedenkzeit, ob er das Urteil annimmt.

Doch es droht ihm weiteres Unheil. Inzwischen läuft vor dem Landgericht auch eine Schadensersatzklage der geschädigten Eheleute. Sie wollen ihr Geld zurück, von den Gesamtschuldnern Capital-Forum und deren Ex-Vorstand Dieter R., wie Christian Slota, Rechtsanwalt der Geschädigten, gegenüber der TS erklärte. Damit geht der Fall in die nächste Runde.


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