Mitfahrzentrale – und keiner fährt mit

von Alexander Bronisch

Seit zehn Jahren zahlen Gemeinden im Landkreis jährlich einen Betrag, damit die Bürger den Service einer Internet-Mitfahrzentrale kostenlos nutzen können. Auch Holzkirchen ist Mitglied. Eine gute Idee, möchte man meinen. Aber nur Wenige scheinen das Angebot zu nutzen. 

Zwei Angebote finden sich derzeit auf der Internetseite der MiFaZ.

Der Geschäftsführer der Gemeinde Rottach-Egern, Gerhard Hofmann, hat das Thema „Mitfahrzentrale“ schon fast vergessen. „Seit 2007 gibt es diese Kooperation“ der fünf Talgemeinden, erinnert er sich. Als Geschäftsleiter hat er das Projekt von seinem Vorgänger übernommen.

677 Landkreise und Gemeinden in ganz Deutschland gehören nach den Angaben des Anbieters aus Adendorf in Niedersachen zu den Kunden der Mitfahrzentrale. Auch die Marktgemeinde Holzkirchen ist Mitglied. Bundesweit würde man so 11.245.349 Menschen mit diesem Angebot erreichen. Rund 595 Euro, 119 Euro pro Gemeinde, kostet die Beteiligung jedes Jahr, damit der Service für die Einheimischen verfügbar ist. Rund 6.000 Euro zuzüglich der Startkosten sind in den Jahren insgesamt angefallen. Die Frage ist nur, für was?

Im Grunde eine gute Idee

Es wurde eine spezielle Bildschirmmaske erstellt. Auf der Internetseite der Marktgemeinde gibt es einen Hinweis mit Link auf die Webseite. Das Konzept: Über die MiFaZ können sich Holzkirchner und Einheimische aus dem Landkreis finden, um gemeinsam regelmäßig zur Arbeit und wieder nach Hause zu fahren oder um größere private Fahrten zu unternehmen. Das spart Geld und Ressourcen.

Die Statistik aber zeichnet ein eher dürftiges Bild: Seit 2007 waren es 5062 Zugriffe, das heißt rund 500 pro Jahr. Aber nicht jeder Klick auf die Seite bedeutet eine aktive Suche nach einer Mitfahrgelegenheit. Die vielen Neugierigen, die sich die Seite nur einmal ansehen wollten, muss man von dieser Zahl abziehen. Im Jahr 2016 haben aber nur 155 Personen die regionale Internetseite der „MiFaZ“ besucht. Offenbar hat die Zahl der Interessenten im Vergleich zu früheren Jahren stark nachgelassen.

14 mal pro Jahr wird eine Mitfahrgelegenheit angeboten oder gesucht

„Aktuell gibt es vier Einträge im Portal und darüber hinaus zwei weitere, die aber über ein anderes MiFaZ-Portal getätigt wurden, zum Beispiel von einem Nutzer in einer Nachbar-Region“, erklärt Nora Boschatzke vom MiFaZ-Team in Adendorf auf Nachfrage.

Insgesamt hat es seit Bestehen der MiFaZ 134 Einträge gegeben, also statistisch gesehen rund 14 pro Jahr. Wie viele Fahrgemeinschaften am Ende entstehen, beziehungsweise wie viele Mitfahrer einen Fahrer finden, könne aber leider nicht erfasst werden. Doch eine andere Zahl lässt Rückschlüsse zu: Zurzeit gibt es 37 über das Portal registrierte Personen; aber das bedeutet nicht, dass diese 37 Personen den Dienst der MiFaZ auch aktiv nutzen.

Holzkirchen setzt lieber auf Mobilitätskonzept

Bei der MiFaZ hat man das Problem erkannt. „Wir arbeiten derzeit daran, mehr Daten über die Kontaktaufnahme zähl- und auswertbar zu machen“, so die MiFaZ-Sprecherin. Außerdem wird in wenigen Wochen eine komplett überarbeitete Version des Services online gehen. Sowohl Design, Struktur und Layout als auch die Technik im Hintergrund sind modernisiert. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Abfrage “erfolgsrelevanter” Informationen, zum Beispiel, ob Nutzer auf ihre Kontaktanfrage eine Antwort erhalten haben, und vor allem, ob sie eine Fahrgemeinschaft bilden konnten. Noch ist diese Rückmeldung für den Nutzer nicht verpflichtend.

Gerhard Hofmann sieht diesen Befund durchaus kritisch. „Man kann die Beteiligung an der MiFaZ hinterfragen“, sagt er und kündigt an, seinem Bürgermeister vorzuschlagen, das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Bürgermeister-Dienstbesprechung zu setzen.

In Holzkirchen setzt man indes andere Prioritäten. Ewgenia Boger von der Gemeindeverwaltung erklärt auf Nachfrage: “Unser vordringliches Interesse ist es, den Bürgerinnen und Bürgern von Holzkirchen ein gut ausgebautes ÖPNV-Angebot im Ort im Bereich Bus und Bahn zur Verfügung zu stellen.” Hier sei man, so Boger nach eigener Aussage, bereits gut aufgestellt und bemühe sich mit Projekten wie beispielsweise dem Mobilitätskonzept “um eine weitere Optimierung.”


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