Die Konsequenz aus vier Euro Parkgebühr
Münchnerin mosert, Wiesseer wiegeln ab

von Nicole Kleim

Eine Münchnerin kommt ins Tal. Sie parkt am Sonnenbichl – und kassiert ein Knöllchen. Einen Gast als goldenes Kalb behandeln? Geht in ihren Augen gar nicht. Entrüstet schreibt sie an Bürgermeister Peter Höß. Dessen “Adlatus” hat eine Antwort parat.

Das Parken am Sonnenbichl kostet vier Euro. Das Dilemma: Der Parkautomat wechselt keine Geldscheine.

Der Brief einer Münchnerin:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Peter Höß,

gerade habe ich meinen Verwarnungsgeldbetrag an die Gemeinde Bad Wiessee überwiesen.

Nun zu meiner Geschichte und meinem Vergehen: Ich habe heute wie viele Münchner das wunderbare Wochenendwetter genutzt und die Wandersachen gepackt. Am Wanderparkplatz Sonnenbichl in Bad Wiessee ist das Parken nicht kostenfrei. So weit, so gut. Dafür habe ich Verständnis, schließlich nutze ich die bereitgestellte Infrastruktur.

Kostenpunkt für ein Tagesticket: sage und schreibe vier Euro. Ich wandere viel und oft und bin gern bereit, hierfür auch meinen finanziellen Beitrag an die Gastgeber zu leisten. Aber Parkgebühren in dieser Höhe sind mir in der Tat noch nicht begegnet. Ich tanke in der Gegend, schließlich muss ich auch wieder nach Hause kommen. Ich esse und trinke auf den Hütten – auch der Almwirt soll seinen Teil abbekommen. Und wenn ich nach dem Wandern in der Wirtschaft im Ort oder der Käserei einkehre, gebe ich auch dort Geld aus.

Wandern ist kein Wettrennen, Gäste keine goldenen Kälber

Wenn man schon so viel Geld für Parken verlangt, sollte wenigstens der Automat die Möglichkeit bieten, mit Geldscheinen zu bezahlen. Oder aber, die Gemeinde investiert in Automaten, die eine Bezahlung per Smartphone ermöglichen wie beispielsweise in Magdeburg der Fall. So viel Münzen muss ein Wandergast erst mal in der Tasche haben. Im Gasthof Sonnenbichl war man nicht bereit, mir meinen 5-Euro-Schein zu wechseln. Ich wurde unfreundlich abgebügelt.

Was war die Alternative? An der Straße parken und die Anwohner zu verärgern, das kam nicht in Frage. Ich habe also den Automaten gefüttert mit allem, was mir an Münzen zur Verfügung stand und hoffte, es vor Ablauf der Parkzeit zu schaffen. Das war mir leider nicht gelungen und ich habe – zugegebenermaßen zurecht – ein Ticket kassiert. Aber Wandern ist nun mal kein Wettrennen und die Mahlzeit auf der Aueralm wollte ich mir nicht durch Stress, rechtzeitig wieder abzusteigen verderben lassen.

Mein Tipp an die Gemeinde: Wenn Sie schon die Touristen, die immerhin die größte Einnahmequelle der Region sind, als goldene Kälber behandeln, dann doch bitte wenigstens mit passenden Bezahlmöglichkeiten. Ich persönliche ziehe meine Konsequenzen und werde in Zukunft gerne meine Freizeit in Regionen verbringen, die mich willkommen heißen.

Auch Wanderer bilden eine Community und teilen Ihre Erfahrungen – gute und schlechte. Ich teile mit diesem Schreiben meine schlechte Erfahrung und meine Konsequenz mit den Redakteuren der Fachpresse für diese Community.

Mit freundlichen Grüßen
Stefanie P.

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Die Antwort der Gemeinde Bad Wiessee:

Sehr geehrte Frau P.,

vielen Dank für Ihre ausführliche Stellungnahme.

Wir bedauern sehr, dass Ihr sicherlich schöner Aufenthalt in Bad Wiessee durch den Ärger mit dem Verwarngeld getrübt wurde. Lassen Sie mich aber bitte kurz zu den von Ihnen aufgeworfenen Punkten Stellung nehmen:

Parkgebühren werden von der Gemeinde nicht zum Füllen der Gemeindekasse erhoben. Die Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung fließen nahezu vollständig in die Bereitstellung der Infrastruktur. Die Besucher und Wanderer sind der Gemeinde sehr wichtig, weshalb die entsprechenden Parkflächen, in erster Linie durch Tagesausflügler genutzt, zur Verfügung gestellt werden.

Teilweise befinden sich die Parkflächen nicht auf Gemeindegrund, das heißt die Gemeinde muss die Flächen von den Grundstückseigentümern anpachten und baulich in geeignete Flächen umbauen. Gleiches gilt für die von der Gemeinde angebotene Rodelbahn.

Vier Euro? In München ein Stundenpreis

Unser weitverzweigtes Netz an Berg- und Wanderwegen, welches vom Angebot und Zustand seines Gleichen sucht, wird von der Gemeinde das ganze Jahr über gepflegt. Allein schon aufgrund der leider stetig zunehmenden Unwetter-Ereignisse ist dieser Aufwand zeitlich und finanziell in den letzten Jahren enorm gestiegen und stellt eine zusätzliche Belastung für die Gemeindekasse dar.

Der Preis des Tagestickets von € 4,00 (Sie als Münchnerin bezahlen diesen Preis in der Stadt inzwischen wohl in der Stunde) ist ein kalkulierter Wert aus vorgenannten Parametern sowie der Kosten für Anschaffung und Unterhalt der Automaten. Zudem befinden wir uns im Verhältnis mit den benachbarten Wanderregionen, auch in Österreich, absolut im durchschnittlichen Rahmen.

Sie haben die fehlenden alternativen Bezahlmethoden angesprochen. Dieses Problem ist uns bekannt und wurde eingehend geprüft, leider aber mit negativem Ergebnis. Parkautomaten haben grundsätzlich keine Bezahlfunktion mit Scheinen. Hier muss man abgrenzen zwischen einer Schrankenanlage und Parkuhren wie Sie überall auf den Wanderparkplätzen vorzufinden sind, so auch bei uns.

Bad Wiessee – im Outback

Wenn Sie die Parkangebote in München beobachten, können Sie die Thematik leicht erkennen, auch hier ist eine Bezahlfunktion mit Scheinen ausschließlich in den Parkhäusern möglich. Die Bezahlfunktion via Handy wäre sicherlich eine interessante Alternative. Allerdings scheitert es hier an der Lage unserer Wanderparkplätze. Die Flächen befinden sich bereits am Eingang unserer Bergwelt im „Outback“.

In diesen Bereichen ist das Handynetz leider bereits nicht mehr so stabil wie es für eine sichere Datenübertragung und Bezahlung sein müsste. Zudem werden unsere Parkuhren umweltfreundlich mit Solar betrieben, jede Anlage verfügt über ein autarkes Panel. Die Energie die daraus gewonnen wird reicht für weitere Funktionen nicht aus.

Unsere Kollegin vom Außendienst ist in den Stoßzeiten nahezu immer vor Ort. Ihre primäre Aufgabe ist es nicht, Tickets zu verteilen, sondern den Gästen helfend zur Seite zu stehen. So führt unsere Mitarbeiterin auch immer einen bestimmten Betrag an Kleingeld mit, um den Wanderern Wechselgeld anzubieten. Sie sehen, dass diese Thematik uns sehr am Herzen liegt und eine Optimierung der Abläufe stets geprüft und umgesetzt wird.

Wir würden uns sehr freuen, Sie auch künftig als Wanderer und Gast in Bad Wiessee begrüßen zu dürfen und hoffen mit unseren Erläuterungen etwas Aufklärung geschaffen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Herrmann
Geschäftsleiter


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