Auch Tegernsee will neu verhandeln

von Christopher Horn

Aktualisierung vom 2. Oktober / 11:50 Uhr
Wie geht es weiter in Sachen Tourismusfusion? Diese Frage beschäftigt nach dem Schlierseer Nein die Verantwortlichen der Steuerungsgruppe Tourismus, aber auch die Gemeinderäte im Tegernseer Tal.

Nachdem bereits einige der Wiesseer und Kreuther Räte auf Distanz zum im Juli gefassten Grundsatzbeschluss gegangen sind, kommen nun auch aus Tegernsee skeptische Töne.

Auch aus dem Tegernseer Rathaus kommen skeptische Töne zur Tourismusfusion.
Auch aus dem Tegernseer Rathaus kommen skeptische Töne zur Tourismusfusion / Bild: Sebastian Scholz

Am 11. Juli fiel das Votum im Tegernseer Stadtrat noch eindeutig aus. Einstimmig sprach man sich für die geplante Fusion von TTT und ATS zu einer gemeinsamen Tourismusorganisation für den Landkreis aus und verabschiedete den Grundsatzbeschluss.

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Nichts desto trotz erwarteten sich auch die Tegernseer Räte weitere Antworten was die Detailplanung der “ATS neu” angeht. „Es gibt viele Menschen, die befürchten, dass die Organisation sehr groß wird. Da muss man für mehr Transparenz sorgen. Wer arbeitet für wen? Wie sind die Gewichtungen? Da muss man einfach wissen, was passiert“, so Andreas Obermüller (Freie Wähler) in der Sitzung im Juli.

Tegernsee will erneut abstimmen

Doch daraus wird nun bekanntlich erstmal nichts. Seit sich die Schlierseer vor einigen Wochen gegen die Fusion in der beschlossenen Form aussprachen, steht das ganze Projekt auf der Kippe. Dabei hatten zuvor bereits 16 der 17 Landkreisgemeinden den ausgehandelten Grundsatzbeschluss zum großen Zusammenschluss verabschiedet.

Nach dem Schliersseer Nein stellen zunehmend Gemeinderäte diesen in Frage. Nach Wiessee und Kreuth kommen nun auch aus Tegernsee kritische Töne. Dazu Bürgermeister Peter Janssen bei der gestrigen Stadtratssitzung:

Wenn eine Gemeinde nicht zustimmt, sind alle Grundsatzbeschlüsse aus unserer Sicht hinfällig.

Sowohl das Finanzierungskonzept als auch der Name stimmen nun nicht mehr, so Janssen weiter. Mit Schliersee hat sich nicht nur einen der Namensgeber der „neuen Alpenregion Tegernsee Schliersee“, sondern auch die Gemeinde, die nach Bad Wiessee die zweit höchsten Summen in die neue Organisation hätte einzahlen müssen, vorerst verabschiedet.

Bisher kein Plan B für die große Lösung

Die Steuerungsgruppe Tourismus ist nun dabei die Lage zu analysieren und einen Lösungsansatz zu präsentieren. Dieser könnte sowohl die Neuauflage des gesamten Fusionsprozesses, aber auch das endgültige Aus für den Zusammenschluss bedeuten.

Josef Bierschneider, Kreuther Bürgermeister und selbst Mitglied der Steuerungsgruppe betonte vor zwei Wochen, dass es bislang noch keinen Plan B gäbe. TTT-Geschäftsführer Georg Overs mahnte im Interview mit der Tegernseer Stimme vergangene Woche allerdings an, dass man einen solchen bis Mitte Oktober präsentieren sollte.

Für das Tegernseer Tal sieht Overs durch die derzeit ungeklärte Situation aber momentan keine negativen Auswirkungen. Dazu der TTT-Chef:

Am Tegernsee haben wir ja einen Plan B. Der heißt: wir vermarkten uns selber. Die TTT besteht und funktioniert recht gut. Warum sollen wir also nicht alleine gehen.

Ursprünglicher Artikel vom 20. September mit der Überschrift: Muss die Fusion jetzt neu verhandelt werden
Das Schlierseer Nein zur geplanten Tourismusfusion war ein echter Paukenschlag, der nun nach und nach auch in den anderen Gemeinden im Landkreis wirkt.

Auch einige Kreuther Gemeinderäte gehen auf Distanz zu dem im Juli mit knapper Mehrheit gefassten Grundsatzbeschluss. Da es keinen Plan B gibt, scheint nun alles offen.

Nach dem Schlierseer Nein stellen nun auch einige Kreuhther Gemeinderäte die Tourismusfusion grundsätzlich infrage / Quelle: Archiv
Nach dem Nein in Schliersee stellen nun auch einige Kreuther Gemeinderäte die Fusion grundsätzlich infrage / Bild: Archiv

Nachdem bereits am Mittwoch im Kreisausschuss beispielsweise Wiessees Zweiter Bürgermeister Robert Huber auf Abstand zu einer schnellen Fusion der beiden großen Tourismusorganisationen ging, wollen nun erwartungsgemäß auch einige Kreuther Gemeinderäte die Grundzüge der geplanten Tourismusfusion noch einmal auf den Prüfstand stellen.

“Jetzt muss wieder alles aufs Tablett”, meinte beispielsweise Gemeinderat Martin Walch (SPD) auf der gestrigen Kreuther Gemeinderatssitzung. Und auch Walchs Fraktionskollegin Evi Baumgartner fand gestern Abend klare Worte.

Von Anfang an hieß es, wenn eine Gemeinde dagegen stimmt, ist die Fusion geplatzt. Für mich ist das also jetzt der Fall.

Eine Auffassung, die Markus Wrba von den Freien Wählern zwar nicht in der gleichen Endgültigkeit vertrat, dennoch sei auch in seinen Augen durch das Nein der Schlierseer eine völlig neue Ausgangslage entstanden. Dabei spielt Wrba vor allem auf den ausgehandelten Finanzierungsschlüssel an. Dieser richtet sich nach den Übernachtungszahlen der einzelnen Gemeinden. Je mehr Übernachtungen eine Kommune im Jahr hat, desto mehr zahlt sie auch in das gemeinsame Budget der neuen Tourismusorganisation ein.

Mit Schliersee hat sich nun aber die Gemeinde mit den zweithöchsten Übernachtungszahlen zuerst einmal von einer Fusion verabschiedet. Damit muss der Schlüssel in den Augen Wrbas auch wieder neu verhandelt werden. Auch Kreuth hätte nach dem ausgehandelten Schlüssel künftig mehr zahlen müssen als bisher.

Es gibt keinen Plan B

Einige Kreuther Gemeinderäte wünschten sich nun von Bürgermeister Josef Bierschneider eine Antwort auf die Frage, wie weiter verfahren wird. Bierschneider, der als Mitglied der Steuerungsgruppe die Eckpunkte des Zusammenschlusses mit ausgehandelt hatte, blieb die erhoffte Antwort allerdings schuldig.

Es gibt momentan keinen Plan B. Die Steuerungsgruppe wird in der kommenden Woche über das weitere Vorgehen beraten – was dabei rauskommt, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Auch ATS-Geschäftsführer Harald Gmeiner hatte sich am Montag ähnlich geäußert. Dass die Steuerungsgruppe nicht alleine über das Schicksal der Fusion entscheiden sollte, wurde gestern ebenfalls deutlich. Dazu Evi Baumgartner: “Dann müssen meines Erachtens in allen 17 Gemeinden des Landkreises neue Beschlüsse gefasst werden.”

Eine Auffassung, der auch Bierschneider indirekt zustimmte. Bis Oktober werde man einen Vorschlag unterbreiten, über den man dann sicher nicht im kleinen Kreis entscheiden werde.

Welche Auswirkungen die momentan ungeklärte Situation auf die touristischen Strukturen im Tegernseer Tal haben wird, ist derzeit noch unklar. Geht es nach Markus Wrba, dürfte man diese zumindest kurzfristig nicht spüren.

Die Tegernseer Tal Tourismus GmbH leistet momentan gute Arbeit. Diese sollte sie bis auf Weiteres auch in der jetzigen Form weiterführen.

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