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Einfamilienhaus statt Traditionsgaststätte in Rottach-Egern

Nach dem Glasl nun das Kreuz

Fast 150 Jahre gab es das traditionsreiche Café Kreuz im Rottacher Ortsteil Berg. Die Gaststätte ist seit Herbst geschlossen. Inzwischen gehört das Anwesen einem Münchner Bauherrn, der dort ein Einfamilienhaus errichten will. Doch die Gemeinde lehnt das Vorhaben ab – und das hat einen Grund.

Das ehemalige Cafe Kreuz steht heute leer.
Das ehemalige Cafe Kreuz steht heute leer.

1872 gründete Quirin Kreuz sein gleichnamiges „Kaffee“. Die Lüftlmalerei an der Hauswand stellt ihn als feschen Jager dar. Auch in den letzten Jahrzehnten war das Café Kreuz immer wieder Treffpunkt örtlicher Vereine, ob 1980 für die „Wallberger“ oder für den Drachen- und Gleitschirmfliegerclub Tegernseer Tal.

Die Hobbyflieger vom Wallberg nutzten gerne die Wiese vor dem Ausflugslokal unter der Baumgartenschneid. So wurde kürzlich noch dafür geworben: „Auf unserer Terrasse unter dem alten Walnussbaum oder im sonnigen Garten können Sie erholsame Ruhe weitab vom Straßenverkehr und einen freien Blick über die Wiesen auf die Berge des Tegernseer Tales genießen“.

Doch jetzt ist dies Geschichte, denn „die bisherigen Eigentümer des Cafes wollten sich im Alter einfach zurückziehen und die Kinder hätten kein Interesse gezeigt, das Geschäft weiterzuführen“, erzählt Wolfram Cerny, der für den neuen Eigentümer auf das Anwesen ein Auge wirft. Über ein halbes Jahr sei die Immobilie im Internet zum Kauf angeboten worden, aber kein Einheimischer habe es kaufen wollen. „So hat es eben dann die Münchner Firma erworben“.

„Im Außenbereich spiele ich nicht mit dem Feuer“

Die Kranich Objektgesellschaft Rottach-Egern GmbH & Co. KG stellte bei der letzten Sitzung des Rottacher Ortsplanungsausschusses den „Antrag auf Vorbescheid zum Abbruch des Sebaldanwesens und Neubau eines Einfamilienhauses mit Einliegerwohnung“.

Es soll ein „breiterer und gedrungenerer“ Neubau entstehen, so Bürgermeister Christian Köck (CSU) im Ratssaal. Dies komme für ihn allerdings nicht in Frage, stellte Köck klar.

Der Bauwerber verlangte von mir, dass sich die Gemeinde damit auseinandersetzt und einen solchen Sonderfall genehmigt und die Außenbereichssatzung in diesem Fall abändert. Hier im Außenbereich aber spielen wir nicht mit dem Feuer. Ich befürchte sonst Bezugsfälle.

Die ursprüngliche Planung des neuen Eigentümers sah zunächst vier Wohnungen im bestehenden Gebäude vor. Eine Planung, die auch ganz im Sinn der Gemeinde war, wie Köck betonte: „Wenn wir in dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen Wohneinheiten integrieren, aber den Bestand nicht ausdrücklich erweitern, dann ist dies eher wünschenswert, bevor das ungenutzte Gebäude irgendwann einmal zusammenfällt“, so der Bürgermeister. Jetzt aber etwas Neues im Außenbereich zu genehmigen, dafür sei er nicht zu haben.

Köck befürchtet Niederlagen vor Gericht

Zwar sage das Landratsamt, die Gemeinde hätte hier Planungshoheit. „Doch wenn ich realistisch bin, und wenn ich weiß, wie uns juristisch begegnet wird, dann stehen wir morgen wieder vor dem Verwaltungsgericht mit einem ganz wichtigen Vorhaben“. Wenn jemand die Mittel dazu habe, dann seien die Chancen 50 zu 50.

„Wenn wir uns hier etwas schnitzen und diesen Fall durchgehen lassen, dann befürchte ich für kommende Fälle, dass wir möglicherweise eine über die Rübe bekommen, weil wir vor Gericht unterliegen“. Deshalb wolle er dies nicht riskieren. Vor allem deshalb nicht, „weil wir in Rottach noch einige Ortsteile haben, die ähnlich geprägt sind und man dort mit ähnlichen Vorhaben einmal rechnen muss“, erläutert Köck seine ablehnende Haltung.

In das Anwesen wurden schon lange nicht mehr investiert.
In das Anwesen wurden schon lange nicht mehr investiert.

Eine Sichtweise, dem der Ausschuss einstimmig folgte. Schließlich habe der neue Bauherr das Anwesen mit dem Wissen gekauft, „was hier möglich ist und daran soll er sich halten“, ergänzte Rottachs Zweiter Bürgermeister Josef Lang (CSU).

Vermutlich droht nun ein weiterer Verfall des Gebäudes, der schon an der Rückseite erkennbar ist. Hier wurde offenbar schon viele Jahre nichts mehr investiert. Vorne prangt noch der Spruch: “Da oide Hof sagt jedem was, sei Fried und Hoamlichkeit is wia Gschenk von Gottes Hand an unsa hastige Zeit“.

Mit dem geplanten Abriss des Café Kreuz verschwindet nach dem Gasthof Glasl im Ortsteil Oberach eine weitere Traditionsgaststätte. Während sich damals heftiger Widerstand gegen den Abriss formierte, ist es beim gleichen Schicksal des Café Kreuz erstaunlich ruhig, obwohl beide Gebäude etwa zur gleichen Zeit entstanden. So verschwinden Zug um Zug historische Bauwerke von der Bildfläche.


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