Rottach-Raub: Ulbricht will mehr Sicherheit

von Robin Schenkewitz

Nach dem Raubüberfall am Mittwochabend hat die Kripo den gestohlenen Audi, mit dem die beiden Täter geflohen waren, in Tegernsee gefunden. Von den Männern fehlt aber weiterhin jede Spur.

Aufgeschreckt durch den erneuten Überfall in Rottach-Egern, fühlen sich die Anwohner nicht mehr sicher. Der Zweite Bürgermeister Hermann Ulbricht will nicht, dass das so bleibt, und erklärt: „Ich werde mich nächste Woche mit der Polizei zusammensetzen und nach einer Lösung suchen.“

Die Spurensicherung untersucht den Tatort auch weiterhin.
Die Spurensicherung untersucht den Tatort auch weiterhin.

Bereits am Mittwochabend gegen 20:15 Uhr drangen zwei maskierte Täter in das Haus der 71 und 74 Jahre alten Eheleute in der Dr.-Scheid-Straße in Rottach-Egern ein. Die beiden Männer fesselten das Ehepaar und schlugen den Mann zusammen. „Dieser erlitt nicht unerhebliche Gesichtsverletzungen“, teilte Polizeisprecher Stefan Sonntag heute mit.

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Im Anschluss entwendeten die Räuber Bargeld, Armbanduhren und andere Wertgegenstände aus dem Haus und flüchteten mit dem schwarzen Audi des Ehepaares. Das gefesselten Eheleute musste danach 16 Stunden lang im Haus verharren, ehe ein Anwohner die Hilfeschreie der beiden hörte und die Rettungskräfte alarmierte. Beide standen unter Schock und wurden ins Krankenhaus eingeliefert. „Zum Glück befinden sie sich jedoch wieder auf dem Weg der Besserung“, so Sonntag.

Fluchtfahrzeug gefunden

Mittlerweile hat die Polizei auch das Fluchtfahrzeug der Täter gefunden. Eine Politesse konnte sich erinnern, den Wagen bereits am Donnerstagvormittag in Tegernsee gesehen zu haben. Bei der Überprüfung fanden die Beamten den Wagen gestern Abend im hinteren Bereich des Zentralparkplatzes am Olaf-Gulbransson-Museum.

Die Polizei vermutet, dass die Täter am Tatabend das Fahrzeug dort abgestellt haben und die Beute in ein anderes Auto umluden. Unterdessen wurde bereits eine Ermittlungsgruppe mit dem Namen „Villa“ gegründet, die an der Aufklärung des Falls arbeitet. Mit „allen verfügbaren Kräften“, so der Polizeisprecher, wolle man unter anderem die Maßnahmen zur Spurensicherung rund um das Haus der Opfer weiter ausdehnen.

Die Ermittler hoffen allerdings auch auf weitere Hinweise aus der Bevölkerung. Bereits gestern hatte ein Anwohner von einem Mann berichtet, der sich einige Zeit vor dem Überfall zu Fuß in der Nachbarschaft umgesehen und alles genau inspiziert hatte. Nun hofft die Kripo, dass die Täter möglicherweise auch beim Umladen der Beute in Tegernsee beobachtet wurden.

Anwohner in Angst

Indes steigt auch die Verunsicherung der Rottacher Bürger durch den erneuten Überfall weiter an. „Meine Frau und ich waren schockiert. Solche Vorfälle nehmen in letzter Zeit schon deutlich zu“, so der 77-jährige Anrainer Jens Jacobsen. Die polizeilichen Erfolge in der letzten Zeit seien dazu ja nicht besonders überwältigend, so Jacobsen weiter.

Die Beobachtung des Anwohners lässt sich jedoch auch mit Zahlen belegen. Waren es im Jahr 2012 im Tegernseer Tal noch 17 Einbrüche in Geschäfte, Wohnhäuser und Gaststätten, stieg die Zahl 2013 bereits auf 34. Damit hat sich allein die Zahl der Einbrüche innerhalb eines Jahres verdoppelt.

Die Anwohner in der Dr.-Scheid-Straße sind durch den Überfall verunsichert und haben Angst
In der ruhigen Dr.-Scheid-Straße geht die Angst um. Anwohner sind durch den Raubüberfall stark verunsichert.

Auch andere Anwohner sind durch den Überfall in Rottach-Egern aufgeschreckt und machen sich Gedanken um ihre Sicherheit. „Ich denke schon darüber nach, die Sicherheitsvorkehrungen an meinem Haus zu verstärken. Gegen eine Brutalität wie in diesem Fall ist man aber wohl eh machtlos“, so ein 56-jähriger Anlieger, der nicht genannt werden möchte. Eine andere Nachbarin spricht davon, dass sie sich bereits an die Beratungsstelle der Polizei gewandt habe und sich Gedanken mache, wie sie sich und ihr Haus noch besser vor Einbrechern schützen könne.

Ulbricht will sich einsetzen

Die Sorgen der Rottacher will auch der Zweite Bürgermeister Hermann Ulbricht (FWG) ernst nehmen. In Vertretung von Franz Hafner, der derzeit im Urlaub weilt, will er sich nun um mehr Sicherheit im Ort kümmern. „Ich bekomme es ja bei der Feuerwehr immer mit“, so Ulbricht, der auch bei dem gestrigen Einsatz in der Dr.-Scheid-Straße zugegen war.

Solche Raubüberfälle passierten in letzter Zeit immer wieder, und das könne nicht sein, so der Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler. Daher werde er sich in der kommenden Woche auch persönlich mit dem Polizeichef in Bad Wiessee zusammensetzen und darüber sprechen, was man in diesem Fall tun könne. Die Leute, so Ulbricht, „müssen sich wieder sicher fühlen“.

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