Nachhaltig bauen: Alt und Neu verbinden

Von Rose-Marie

Nachhaltig bauen, nur wie?

Zweifelhafte Schönheiten gibt es genug am Tegernsee. Und oft scheint es, als ob eine positive Verbindung zwischen der Umgebung und einem neuen Haus nicht mehr erwünscht ist.

Dabei macht man es sich zu einfach, wenn man meint, früher war alles besser. Früher als die Bauernhäuser rund um den See für Generationen gebaut wurden. Häuser, die oft seit Jahrhunderten an derselben Stelle stehen.

Denn trotz des Eindrucks einer dauerhaften Kontinuität, die Höfe sind immer in Veränderung: Neues kommt hinzu. Altes weicht mit den Jahren. Das ist wie in der Natur. Blätter verwelken. Im Frühjahr kommt neues Grün.

Die Häuser mit der Landschaft bauen. Sie in die Kulturlandschaft integrieren, statt Fremdkörper schaffen. Das ist damals gelungen. Und kann heute genauso funktionieren.

„Alt und Neu verbinden.“ Das ist auch das Ziel von Josef Eham. Nachhaltigkeit beim Bauen steht bei ihm ganz oben auf der Liste. Am Eckart – zwischen Gmund und Hausham – hat der in Rottach aufgewachsene Schreinermeister den Holzhandel seiner Vorfahren zu einem großen Holzveredelungsbetrieb gewandelt. Eham hat sich dem Brückenschlag zwischen alter Tradition und modernem Wandel verschrieben.

Tradition und Moderne oder altes Holz in neuem Design

Nachhaltige Materialien, nachhaltiges Bauen – so die Devise von Eham. Modern muss für ihn nicht automatisch mit Traditionen brechen. Luxus nicht mit Gemütlichkeit und Generationswechsel nicht mit Vergessen.

Eine zeitlose, ansprechende und dem ortsüblichen Bild angepasste Gestaltung bedeutet vielmehr, dass sich das Gebäude optimal in die umliegende Kulturlandschaft einfügt. So wie die Werkstatt und der Hof von Eham. Alt und Neu: passend verbunden. Der 1590 erbaute Bauernhof steht da schon sehr lange, so als gehöre er zu Wald und Wiesen einfach dazu. Ein richtig altes Ding aber gepflegt und in Schuss.

„Ich wasche meinen Hof einmal im Jahr“, erzählt er. Dadurch werden Vergrauungen einfach entfernt. Und das Holz wird in seiner natürlichen Schönheit erhalten. Auch wenn es vielleicht ein paar Risse bekommt, halten tut es. Wenn Risse zu groß werden, wird lieber geflickt, statt neu gebaut. „Das ist wie bei uns Menschen, die verpflegt man auch mal mit einem Pflaster.“

Naturbelassene Fläche gibt es viel rund um den Hof. Auch ein Faktor für Nachhaltigkeit. Das Gebäude soll nur so viel Grund verbrauchen wie unbedingt notwendig. Lang, aber schmal ist er, der Hof. Und damit hat er genau so viel Funktionalität wie nötig. Vorne befinden sich die Wohnräume. Hinten kommen die Stallungen, die ebenfalls zu Wohnräumen umgewandelt wurden.

Der Umbau ist allerdings so unscheinbar, dass das Gebäude von außen kaum verändert scheint. Tradition und Zukunft. Hier stört die Verbindung nicht. Die zeitlose Gestaltung scheint durch das Hinzukommen neuer Materialien sogar aufgewertet. So entsteht ein Gebäude mit einer starken Ausstrahlung.

Denn nur Gebäude, die auch von der Allgemeinheit akzeptiert werden, haben die Chance, wirklich alt und so zu einem Teil der jeweiligen Kultur zu werden.

Alt und Neu, Innen und Außen

Auf 25 Jahre Firmentradition kann der Schreinerei-Inhaber Josef Eham inzwischen zurückblicken. Schreinerei ist aber eigentlich der falsche Ausdruck. Hier geht es nicht nur staubig und laut zu.

Inzwischen arbeiten 65 Mitarbeiter bei ihm, darunter auch ein Innenarchitekt. Denn Ehams eigentlicher Job für seine Kunden ist der Innenausbau. Bei äußeren Änderungen berät er aber natürlich mit. Innen und Außen müssen zueinander passen.

In Ehams Esszimmer sieht man, was er sich unter traditionellem, modernem Umbau vorstellt. Zum Beispiel an dem antiken, rissigen Scheunentor, das inzwischen Schiebetür zwischen Küche und Esszimmer ist. Versehen mit einer modernen LED-Beleuchtung. An der Eichen-Baumscheibe, die, mit einem schmiedeeisernen Fuß, als Tisch dient.

An den 40-Zentimeter-Dielen, die laut Eham in dieser Art ausschließlich in seiner Schreinerei gefertigt werden. Alles irgendwie ganz traditionell bayerisch. Und irgendwie aber doch auch modern und kein bisschen altbacken.

Schlicht, gemütlich und zukunftsträchtig

Das Team im Unternehmen stellt ausschließlich Einzelstücke nach Maß her, die auf individuelle Kundenwünsche abgestimmt werden. Eham reizt die Kombination aus Tradition, Schlichtheit, Gemütlichkeit und Materialvarianten. „Ich mag es nicht verschnörkelt“, sagt er.

Die Kunden kommen meist aus dem Voralpengebiet, aber auch die nationale und internationale Nachfrage ist inzwischen groß. Eham bietet Mobiliar und Designlösungen für alle Wohnbereiche.

Besonders Böden und Küchen haben es ihm angetan. Die unterscheiden sich in allem von den Fertigungsstandards der Massenproduktion und dem oft trostlosen Perfektionismus zeitgenössischen Wohnbaus. Das bei den Kunden stark nachgefragte alte Holz liefern Holzhändler aus der ganzen Alpenregion, wo es noch zahlreiche Almhütten und andere uralte Gebäude gibt, die abgebrochen werden.

Einzigartig werden die Kreationen durch alte, traditionelle Verarbeitungsmethoden. Eingestemmt, etwa mittels einer Stemm-Zapfen-Verbindung, die ohne Metall oder Klebstoff auskommen. Auch wenn das Holz vielleicht ein paar Risse bekommt ‒ halten tut es.

Viel wichtiger ist aber, dass Ehams Kunden verstehen, warum sie viel Geld dafür ausgeben, um sich den Luxus des alten Stils zu gönnen: Es geht ihnen um Nachhaltigkeit und vorsichtige Veränderung an und in ihren Häusern. Lang überlegte Schritte, die auch in vielen Generationen noch schön anzuschauen sind.

Keine kurzlebigen Trends und keine Gebäude für eine Generation.


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