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Aufnahmestopp bei Naturkäserei

Die schwierigen Zeiten liegen hinter den Machern. Bei der Naturkäserei TegernseerLand geht es auch im zehnten Jahr nach der Gründung aufwärts. Zum dritten Mal schrieb der Betrieb nun schwarze Zahlen. Am Freitag gab es trotzdem eine Überraschung.

Inzwischen kann Vorstandsvorsitzender Hans Leo nach einer längeren Durststrecke von schwarzen Zahlen berichten.

Zur 10. Genossenschaftsversammlung kamen weitaus mehr Mitglieder, als der große Saal im Rottacher Seeforum fassen konnte. Nur 370 Personen fanden einen Sitzplatz. „Mehr geht nicht aus Brandschutzgründen“, so der Aufsichtsratsvorsitzende Josef Bogner.

Mit Blick in die vollbesetzte Runde meint er: „Nach 10 Jahren Naturkäserei dürfen wir stolz sein“, da die Naturkäserei eine Erfolgsgeschichte sei. „Denn vor 10 Jahren war der Milchpreis noch im Keller war und viele Milchbauern dachten ans Aufgeben“. Die Gründungsidee war, so Bogner rückblickend, vor Ort ein regionales Produkt zu erzeugen und die Menschen dafür zu begeistern. Dies ist den Gründungsvätern gelungen.

Weitere Steigerung der Milchmengen

Inzwischen kann Vorstandsvorsitzender Hans Leo nach einer längeren Durststrecke von schwarzen Zahlen berichten und der Genossenschaftsbetrieb im Geschäftsjahr 2016/2017 erneut einen Gewinn ausweisen. Wenn auch mit 213.000 Euro etwas weniger als im Vorjahr, als der Gewinn noch 379.000 Euro betrug. Dies sei einem „historisch wirklich miserablen Milchwirtschaftsjahr“ geschuldet, erklärt Leo die Lage. „Mit diesem Ergebnis bin ich aber sehr zufrieden“, denn andere Molkereien müssten sich nach dem Preiseinbruch auf dem Milchmarkt wieder hocharbeiten und die Preise bei ihren Kunden durchsetzen.

„Wir brauchen das nicht“, lobt Leo die Bilanz. „Der positive Trend hält an“, freut er sich. „Unseren weiteren Ausbau der Qualität honoriert der Kunde“. Denn bei den 23 Milchlieferanten hätten die „Kühe Familienanschluss“. Diesen Unterschied zur Massentierhaltung schmecke man in der Heumilch auch, deren Produktion um weitere 200.000 auf jetzt 2,3 Millionen Liter gesteigert werden konnte.

„Mehr Natur geht nicht“

Zu verdanken sei die positive Entwicklung den Kunden und Gästen der Käserei, „die unseren Weg konsequent mit uns weitergegangen sind und den Heumilchprodukten die nötige Wertschätzung entgegenbrächten“, sagt Leo. „Mehr Natur geht nicht“, wirft Bogner ein. Denn ihre Bauern würden ganzheitlich denken. In allen Sortimentsbereichen konnte die Käserei im zurückliegenden Geschäftsjahr den Absatz erhöhen.

So wurde der Gesamtumsatz an Heumilch-Produkten von rund 4,6 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 4,7 Millionen Euro gesteigert. Und dies, obwohl „das Umfeld viel schwieriger“ geworden sei, so Leo, denn die Konkurrenz schlafe nicht und biete inzwischen auch Heumilchkäse an, auch sehr viel billigeren Käse. „Hier müssen wir uns behaupten“.

300.000 Euro für neuen Reifekeller

Entscheidend sei, so Leo, dass es beim Umsatz „keinen Einbruch“ gebe. Um die Erfolgsgeschichte fortschreiben zu können, will die Käserei auch in Zukunft kräftig in ihren Betrieb investieren. Zuletzt war es der Reifekeller. „Das war heuer unsere größte Investition“ sagt Leo. Insgesamt 300.000 Euro steckte das Unternehmen für 5.000 Käselaibe in die neue Lagerstätte. Sie entstand im Untergeschoss der ehemaligen Gsotthaber-Stuben in Rottach-Egern und kostet monatlich 1.400 Euro Miete. „Wir brauchen den Keller, um endlich übers ganze Jahr hinweg den alten Bergkäse anbieten zu können. Damit können wir eine Sortiments-Lücke schließen.“ Denn oberstes Ziel sei es, so Leo, die „Steigerung der Vertriebsleistung“.

Wo bleibt die Dividende?

Ein Teil des Erfolges sei für den Genossenschaftsbetrieb die Anzahl der Mitglieder. Von anfänglich knapp 500 haben sich die Anteilseigner mehr als verdreifacht. Inzwischen haben 1.594 Mitglieder ihr Geld der Naturkäserei anvertraut. Immerhin mehr als 5 Millionen Euro.

Dafür will ein Mitglied endlich mal eine Dividende sehen. „Dies aber lassen die wirtschaftlichen Verhältnisse noch nicht zu, da der Verlustvortrag noch nicht abgebaut ist“, so Leo, dem schon „oft diese Frage gestellt wurde“. Wenn die finanzielle Situation passe, so sein Credo, „beschließt die Mitgliederversammlung, ob und wie viel Dividende ausbezahlt wird“. Dennoch wurden Vorstand und Aufsichtsrat von den Mitglieder einstimmig entlastet.

Künftig soll es einen Aufnahmenstopp für neue Genossenschaftsmitglieder geben.

Die Katze aus dem Sack ließ ganz am Ende der Versammlung Aufsichtsrats-Chef Bogner: das Ende der Zeichnungsmöglichkeit am 30. Juni. Der Grund sei das nahende Ende der Durststrecke für die „Aktionäre“. Jetzt, wo man langsam in die Gewinnzone komme, tauche vermehrt der Wunsch nach Neuzeichnungen auf, der Kauf von Anteilen, um noch verstärkt auf den Zug aufspringen zu können.

„Diese Möglichkeit gibt es nur noch bis Ende des Monats“, so Bogner bestimmt. „Dann ist Schluss, um die Fairness gegenüber den treuen Mitgliedern zu wahren“. (Beifall) Im Klartext ist dies auch ein Aufnahmestopp von neuen Mitgliedern auf lange Zeit, wie Bogner auf Nachfrage bestätigt. „Wir wollen jetzt deckeln“.


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