Ächtung des Unkrautvernichters zieht Kreise

Naturkäserei strikt gegen Glyphosat

Die Großmolkerei Berchtesgadener Land war das erste Unternehmen in Deutschland, das im Oktober ihren Milchlieferanten den Einsatz des Pestizids Glyphosat verboten hatte. Nun zieht auch die Naturkäserei TegernseerLand nach.

Die Naturkäserei setzt auf “Natur” / Foto: Tobias Hase/StMELF

Das Herbizid Glyphosat ist sprichwörtlich in aller Munde. Derzeit vergeht kein Tag, an dem es nicht Meldungen über das umstrittene Herbizid gibt. Zuletzt war es CSU-Bundesagrarminister Christian Schmidt, der Ende November in Brüssel im Alleingang dafür stimmte, den Einsatz des umstrittenen Mittels in der EU weitere fünf Jahre zu erlauben. Ohne das deutsche Ja hätte es dafür nicht die nötige Mehrheit gegeben. Entsprechend groß war der Aufschrei.

Gestern nun meldete sich seine Noch-Kabinettskollegin von der SPD, Barbara Hendricks, zu Wort. Sie will eine Zulassung von Glyphosat „stark beschränken“. Ziel sei es, den Unkrautvernichter in absehbarer Zeit in Deutschland ganz zu verbieten. Schließlich geht es nicht nur Bienen an den Kragen, tonnenweise landet das Pestizid auch auf deutschen Äckern und bedroht die Artenvielfalt. Während Glyphosat zum Politikum zwischen den politischen Lagern wird, handeln milchverarbeitende Betriebe.

Am 26. Oktober war es die Molkerei Berchtesgadener Land, die ihren rund 1.800 Landwirten vom Watzmann bis zur Zugspitze den Einsatz des chemischen Unkrautvernichters ab sofort verbot. Die 500 Biobauern darunter hatten grundsätzlich auf Glyphosat verzichtet. Die Einhaltung soll nun „extrem überwacht werden“, so der Aufsichtsrat in einer Pressemeldung.

„Umweltgerechte Wirtschaftsweise“

Ähnlich will nun auch die Naturkäserei in Kreuth verfahren. „Alle unsere Zulieferer bestätigten uns schriftlich, dass sie dieses Totalherbizid auf ihren Betrieben nicht einsetzen“, heißt es aktuell vom Reißenbichlweg. Man wolle diese Verzichtserklärung zum festen Bestandteil der Milchlieferungen machen. Dies werde „ständig überprüft“. Die Kontrollen hierfür würden vom Milchring sowie einem externen und unabhängigen Untersuchungsinstitut wie der Lacon GmbH durchgeführt.

Nachdem die EU sich auf eine weitere Zulassung von Glyphosat geeinigt habe, beharre die Naturkäserei auf eine absolute Ablehnung „aller negativen Einflüsse auf die Bodenfruchtbarkeit“. Sie sei ausschlaggabend für die Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit. „Dies untermauern unsere Betriebe mit der gentechnikfreien Wirtschaftsweise und der Teilnahme am Kulturlandschaftsschutz-Programm“. Die Naturkäserei sei stolz, den Beweis führen zu können, dass Naturschutz auf Flächen möglich ist, die landwirtschaftlich genutzt würden. Die umweltgerechte Wirtschaftsweise sei „Verpflichtung für die Zukunft“.

Auch der Kreistag wird sich erneut mit der Chemiebombe Glyphosat befassen. Er hatte bereits Mitte des Jahres ein Zeichen gesetzt. Seitdem verzichtet der Landkreis auf eigenen Liegenschaften auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. „Wir werden auf allen Ebenen versuchen, dieses Gift zu verbieten“, verdeutlichte Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) nochmals vor zwei Wochen im Kreisausschuss. Heute will der „glyphosatfreie“ Landkreis seine Haltung wiederholt bekräftigen.


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