Leben und Arbeiten am Tegernsee

Neue Modelle braucht das Land

Von Steffen Greschner

Laut einer Umfrage des Branchenverbandes BitKom aus 2010 wollen knapp 40% der Menschen teilweise oder komplett von zu Hause aus arbeiten.

Technisch ist das heute eigentlich kein Problem mehr: Schnelles Internet, Notebook, ein Schreibtisch und fertig ist das Home-Office. Und seit kurzem hat man ja auch in Moosrain die Hürde „schnelles Netz“ im Griff.

Für Gegenden wie das Tegernseer Tal wäre es eine deutliche Verbesserung

Das der Trend zu flexibler Arbeit von zu Hause aus geht, zeigt auch das Beispiel Microsoft in der Schweiz: Kürzlich wurden dort die Büros aufgelöst. Gearbeitet wurde testweise im Homeoffice.

Die Möglichkeiten, die sich aus mehr Flexibilität im Arbeitsleben ergeben, betreffen nicht nur den Einzelnen, sondern erlauben eine komplett neue Organisationsform von Familie und Gesellschafft. Auch und gerade in Gegenden wie dem Tegernseer Tal. Für normal Berufstätige ist das Leben hier herausfordernd. Vor Ort sind nicht viele Jobs und die tägliche Pendelei nach München beispielsweise kostet viel Geld, Zeit und Nerven.

Familie und Beruf werden neu verknüpft

Für das Privatleben bleibt nicht mehr viel übrig. Zurück in klassische Rollenbilder – der Mann im Büro, die Frau bei der Familie – wollen aber gerade junge Paare nicht und können es oft auch nicht, da beide Elternteile berufstätig sind. In der Schweiz wird das Thema inzwischen stärker diskutiert, als bei uns noch:

Das Selbstverständnis eines jungen Menschen oder eines Paares ist heute ein verändertes.  Die frühere traditionelle Rollenteilung entspricht nicht mehr den Lebensvorstellungen einer sehr grossen Mehrheit der jungen Generation. Ihre Vorstellungen von Partnerschaft, Teilhabe am Familienleben, Alltagsgestaltung und der Erziehung sind Früchte der verbesserten Ausbildung der jungen Erwachsenen.

So tragen heute in 75% aller Familien beide Elternteile mit ihrer Erwerbstätigkeit zur wirtschaftlichen Sicherheit der Familie bei. Diese Familien passen sich den Anforderungen einer globaltägigen Wirtschaft an und sind mit neuen Zeit- und Arbeitsmustern in einer mobilen Arbeitswelt konfrontiert.

Sie stellen aber gleichzeitig fest, dass die Schule und die Gesellschaft hinterher hinken. Als Stichworte seien hier lediglich die Schulzeiten, die fehlenden Tagesschulen und fehlenden Betreuungsinstitutionen erwähnt. Nach wie vor werden die Alltagsrealitäten der arbeitnehmenden Eltern verkannt.

Diese Themen gehen auch uns am Tegernsee etwas an. Es wird in Zukunft nicht mehr reichen, nur geförderte Wohnungen und Bauplätze für Familien anzubieten. Wir sollten uns auch Gedanken machen, wie wir die Arbeit im und vor allem aus dem Tal heraus besser organisiert bekommen.

Ein sogenannter Co-Working-Space / Quelle: Deskmag

Gemeinschaftsbüros im Tegernseer Tal?

Nicht jeder kann oder will von zu Hause aus arbeiten. Im Gegenzug will man aber auch nicht gleich bis nach München. Einige Firmen erkennen den Trend und bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit in sogenannten CoWorking-Spaces in der Nähe des Wohnortes zu arbeiten. Ein CoWorking-Space ist eine Art WG für Berufstätige, die sich in vielen deutschen Städten im letzten Jahr etabliert haben:

Ein Coworking Space bietet Arbeitsplätze, Internet, Küche, Meetingräume, oft auch private Büros, einen Loungebereich, Bürogeräte, weitere Infrastruktur und mehr.

Coworking Spaces sind oft auch eine Alternative für Gründer oder eine neue Generation von “Freiangestellten”, die eine Alternative zur Arbeit in Cafés oder der Isolation im Homeoffice suchen.

Anders als in klassischen Bürogemeinschaften können die Arbeitsplätze flexibel und zu günstigen Preisen genutzt werden. Ein Tag pro Monat, zwei Tage die Woche. So, wie es gebraucht wird. In CoWorking-Spaces werden oft gemeinsame Veranstaltungen angeboten und eine Arbeits-Gemeinschaft gebildet. In einigen CoWorking-Spaces teilen sich die Kunden beispielsweise einen Steuerberater, der zu festen Terminen und günstigen Preisen Beratung vor Ort anbietet oder bauen eine gemeinsame Kinderbetreuung auf.

Warum nicht im Maximilian einige Arbeitsplätze anbieten?

Wir im Tal sind zwar manchmal etwas langsamer in der Umsetzung innovativer Modelle. Vorbei gehen die Themen aber auch an nicht. Vielleicht sollte man bei neuen Konzepten auch solche Gedanken im Hinterkopf behalten.

Das Maximilian zum Beispiel wäre für alle gut erreichbar. Eine Etage oder auch nur einige Räume in denen die Möglichkeit geboten wird schlichtweg zu arbeiten. Es werden sich welche finden, die das jetzt schon nutzen würden. Andere werden sich vielleicht aus dem Grund für den Tegernsee als Wohnort entscheiden, wenn Sie denn die richtige Infrastruktur vorfinden.

Wieder andere werden vielleicht den Münchner Chef davon überzeugen können, zwei, drei Tage pro Woche schon in Gmund am Ziel zu sein und sich den Stau zu sparen. Man könnte es einfach mal ausprobieren.


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