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Tegernseer Hotelpläne in der Kritik

Neuer Westerhof: Anlieger wollen klagen

Von Robin Schenkewitz

Laut Eigentümer Andreas Greither soll der Westerhof einmal so aussehen. Einigen Nachbarn geht das jedoch zu weit.

In Tegernsee formiert sich massiver Widerstand gegen den geplanten Neubau des Westerhofs. Zahlreiche Nachbarn stören sich an dem befürchteten Verkehrsaufkommen und dem „überdimensionierten Mega-Bau“. Kommende Woche wollen die Gegner bei einem Treffen das weitere Vorgehen besprechen. Doch klar scheint schon jetzt: Einige werden vor Gericht ziehen.

Bauprojekte, die polarisieren

Kontroverse Entscheidungen bei großen Bauprojekten dominierten in letzter Zeit die Lokalpolitik in Tegernsee. In der Bevölkerung werden diese dabei durchaus gemischt gesehen. Die einen befürworten die Entwicklung und sehen das Tal im Aufwind. Die anderen gehen gegen die Bauvorhaben, wie im Dezember geschehen, auf die Straße.

In Tegernsee sind es vor allem drei Bauprojekte, die polarisieren: die Erweiterung der Orthopädischen Klinik an der Point, das geplante Almdorf weit oberhalb der Stadt und eben der Neubau des Westerhofs.

Gegen letzteren schien die Aufregung in den vergangenen Monaten nicht ganz so groß wie gegen die anderen zwei Projekte. Doch das dürfte sich jetzt ändern. Denn die Anwohner sind sauer. „Wir Tegernseer freuen uns über ein anspruchsvolles Hotelinvestment. Aber die Westerhof-Baupläne sind an diesem Ort völlig überdimensioniert. Der Mega-Bau erschlägt das Ensemble der Kulturlandschaft mit Schloss, See, Stadt und Berg“, erklärt beispielsweise Christiane Goetz-Weimer.

Mehr Verkehr durch mehr Betten?

Der Plan der Westerhof-Eigentümer Dr. Andreas Greither sieht wie berichtet vor den derzeitigen Bestand abreißen zu lassen und bis 2017 an gleicher Stelle ein neues Hotel zu errichten. Die neuen Räume würden dann Platz für 136 Zimmer mit insgesamt bis zu 300 Betten bieten. Zum Vergleich: derzeit bietet das oberhalb von Tegernsee gelegene Hotel nur rund 100 Betten.

Vor allem der durch die steigenden Gästezahlen zu erwartende Verkehrszuwachs scheint die Nachbarn indes zu beschäftigen. Sie werfen Greither vor, kein schlüssiges Konzept für das Problem zu haben. Der „Riesenbau“ werde erheblichen Verkehr durch Tegernsee und vor allem auf dem Berg auslösen. Die extrem steile und schmale Neureuthstraße sei dafür – vor allem im Winter – überhaupt nicht ausgelegt, so Goetz-Weimer, die gleichzeitig warnt: „Hier werden sehenden Auges Unfallserien provoziert“.

Einige Anwohner sind der Meinung, dass die Straße zum Westerhof die zu erwartende Verkehrsbelastung nicht verträgt.
Einige Anwohner sind der Meinung, dass die Straße zum Westerhof die zu erwartende Verkehrsbelastung nicht verträgt.

Im Tegernseer Rathaus ist man indes davon überzeugt, dass die Zufahrt der zu erwartenden Mehrbelastung stand halten wird. „Das angeforderte Verkehrsgutachten hat ergeben, dass die Zufahrt zwar nicht perfekt, aber nach einigen Ausbesserungen ausreichend ist“, erklärte Bürgermeister Peter Janssen Mitte November im Tegernseer Stadtrat.

Westerhof-Eigentümer Andreas Greither will durch sein Hotelkonzept derweil dazu beitragen, dass erst gar kein Verkehrsproblem entsteht. Sein Ziel formulierte er Ende Dezember 2014 so: die Gäste sollen für eine längere Aufenthaltsdauer als bislang begeistert und vor Ort auf dem Areal gebunden werden. Gleichzeitig will der Mediziner an das frühere Konzept des Westerhofs als Sanatorium anknüpfen.

Möchte der Gast einen Ausflug in die Tegernseer Stadtmitte machen, soll das nach Möglichkeit nicht mit dem eigenen Auto passieren. Daher plädiert Greither schon länger dafür, das vorhandene Wegenetz in Tegernsee intensiver zu nutzen und dieses noch besser auszubauen. So könnten die Gäste dafür begeistert werden, sich zu Fuß auf den Weg zu machen.

Anwohner fordern andere Zufahrt

Die Anwohner sehen das jedoch völlig anders. Alle Anlieger von der Münchner Straße bis hinauf in die Olaf-Gulbransson-Straße würden durch die anstehende Erweiterung und den damit einhergehenden Lärm und Emissionen schwer belastet, so die einhellige Meinung. Daher fordern sie:

Tegernsee braucht eine entschiedene Lösung für den Westerhofbau. Entweder es gibt eine eigene, völlig neue Zufahrtsstraße durch den Wald nördlicherseits. Oder aber das Projekt muss deutlich kleiner und nachbarschaftsverträglich werden.

Schließlich werde schon das neue Almdorf die Lebensqualität der Anwohner beeinträchtigen. Goetz-Weimer glaubt jedoch immer noch an eine gütliche Lösung: „Herr Greither ist ein kluger Mann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sein geschäftliches Glück auf dem Unglück aller Nachbarn aufbauen will.“

Greither selber will sich zu den aktuellen Vorwürfen nicht noch einmal äußern und verwies auf den Freistaat Bayern und die Stadt Tegernsee, die ja die eigentlichen Beklagten seien, falls es denn tatsächlich zu den angedrohten Maßnahmen kommen sollte. Zu den möglichen Konsequenzen hält sich Goetz-Weimer zwar noch bedeckt und möchte auch keine Mutmaßungen anstellen. Andere Nachbarn dagegen vertreten einen klareren Standpunkt. „Wir werden ganz sicher klagen“, so ein Anlieger, der namentlich nicht genannt werden möchte.

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