Zum Jahreswechsel in der Spielbank
Neues Jahr, neues Glück in Bad Wiessee?

von David Drezga

Ein Hauch von James Bond-Glamour und der großen, weiten Welt – mit illustren Gästen, ganz viel Prosecco und bunten Jetons. Silvester in der Spielbank Bad Wiessee glitzert und funkelt. Macht Spaß und ist definitiv etwas ganz Besonderes mit all dem Nervenkitzel rund um das Spielen – wenn da diese eine, unangenehme Sache nicht wäre.

Eingangsbereich der Spielbank Bad Wiessee / Quelle: Spielbank Bad Wiessee

Zuerst die Zahlen, um einen Eindruck zu bekommen: Rund 1300 Gäste auf zwei Stockwerken und mehr als 6000 Quadratmetern tummeln sich hier. Man ahnt, was alles los ist. „Etwa 120 Mitarbeiter sind im Einsatz“, meint Richard Hagen, der spieltechnische Leiter, „um alles am Laufen zu halten und die Gäste zu versorgen.“ Die etwas bessere Gesellschaft leistet sich das Silvestermenü im abgetrennten Restaurant für 145 Euro pro Person. In dem 4-Gänge-Menü serviert man unter anderem „Sashimi vom Yellowfin-Thunfisch“ oder “Rosa gebratenes Kalbsfilet.“

Doch auch um das gemeine Volk wird sich nett gekümmert. Zur Begrüßung gibt es Prosecco und ein Glücksrad schon im Foyer. „Bitte keine Fotos“, sagt der Direktionsassistent Georg Weißberger, „die Gäste wollen nicht fotografiert werden, sie reagieren empfindlich.“ So viel zu den angedachten Casino-Fotos. Apropos „Casino“: Der Begriff wird hier gar nicht so gern gehört, erklären die beiden Verantwortlichen, denn er steht tendenziell für eine Allerweltsspielhalle. Sie dagegen verstehen sich als Spielbank. „Übrigens“, ergänzt Weißberger, „sind wir im Grunde irgendwie auch eine Behörde, gehören Lotto Bayern und unterstehen dem bayerische Finanz- und Innenministerium.“

Georg Weißberger (li.) und Richard Hagen im Foyer der Spielbank / Quelle: David Drezga

Silvester in der Behörde? Klingt nicht so gut. Casino passt besser, insbesondere zu der Atmosphäre, die hier herrscht. Die Kleiderordnung wurde schon vor einiger Zeit gelockert. Man hat es mit einer kunterbunten Gesellschaft von großer Bandbreite zu tun, die von Damen in langen Roben und Herren in dunklen Sakkos bis zu heißen Ladies in kurzen Miniröcken und Typen in Jeans und Turnschuhen reicht. Alles in allem sind alle aber relativ gut gekleidet. Vor allem oben, wo Roulette, Blackjack und Poker an großen Spieltischen gespielt wird und Sakko Pflicht ist.

22:30: Inzwischen ist der Saal oben ziemlich voll. Auch die Gäste vom Silvestermenü sind jetzt beim Spielen. „Rien ne va plus“, hört man einige Croupiers an den Roulette-Tischen sagen. Casino Royale in Vollendung. Und die Kugel rollt. Von den Summen, die hier die Besitzer wechseln, wird einem ganz anders. Monte Carlo am Tegernsee war keine Übertreibung. 100er, 500er oder sogar 1000er Jetons – auch mitunter in Stapeln – werden mit teils großer Hoffnung auf geheimnisvolle Zahlen oder auch Karten gesetzt, nur um in den meisten Fällen einige Momente später von den Croupiers einkassiert zu werden. Womit man bei dieser einen unangenehmen Sache wäre, nämlich dass man sein Geld hier ganz schnell los sein kann, wenn man nicht aufpasst.

Mehr Prosecco, dann merkt man vielleicht nicht, wie viel man verliert. Doch manche gewinnen auch. Ein Blick auf die Monitore verrät: „Auszahlungen der letzten 4 Wochen: 6.841.977,18.“ Knapp 7 Millionen also. „Der höchste Betrag, der in den letzten 3 Jahren einer einzelnen Person ausgezahlt wurde, lag bei etwa 450.000 Euro“, erzählt Georg Weißberger. „In solchen Fällen bekommen die Leute einen Scheck“, sagt er trocken. Der Mann kommt vom Finanzamt. Apropos Finanzamt: Die Gewinne hier sind steuerfrei, weshalb sie doppelt so viel Spaß machen. Man sieht sich schon mit 500er-Scheinen vor dem Finanzamt wedeln, ohne dass die Beamten etwas machen können.

Oberer Spielsaal für Roulette, Blackjack und Poker / Quelle: Spielbank Bad Wiessee

Etwa um 23:50 geben die Croupiers bekannt: „Letztes Spiel in diesem Jahr“. Dann ist Pause. Es geht hinaus auf die Terrasse, Prosecco wird gereicht. Pünktlich um 00:00 Uhr geht das Feuerwerk im Tal los. 2020 ist da und der Blick vom Casino ist großartig. „Später gibt es noch Gulaschsuppe“, meint jemand auf der Terrasse, als das Tal gerade in den bunten Farben der Feuerwerksraketen erstrahlt. Doch die Gulaschsuppe gibt es nur für diejenigen, die für das Silvestermenü bezahlt haben. Macht aber nichts. Denn zum einen ist man auch so schon satt an Eindrücken und zum anderen hat man ja das Bistro im Casino, wenn der Hunger kommt.

Bald darauf geht es weiter mit neuem Glück im neuen Jahr. Unten klingeln wieder die Spiel-automaten, oben fliegen die Kugeln und Karten. Und im abgetrennten Restaurantbereich wird mittlerweile getanzt, DJ Robbie legt auf. Gegen 1 Uhr scheinen sich die Ersten allerdings so langsam zu verabschieden. Auf den Bildschirmen steht jedoch, dass heute schon rund 95.000 Euro ausbezahlt worden sind. Und der Bayern Jackpot ist auch noch nicht geknackt. Steht übrigens gerade bei 240.000 Euro. Vielleicht sollte man doch noch ein wenig länger bleiben? Man weiß ja nie, neues Glück und so.

Bar-Bereich in der Spielbank / Quelle: Spielbank Bad Wiessee


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