Neues Leistungszentrum in Gmund abgelehnt – Schnitzelgrube für 1,3 Mio. Euro zu teuer

Von Rose-Marie

So eine Schnitzelgrube wird es in Gmund nicht geben

Ergänzung vom 17. Dezember / 19:33 Uhr
Knapp 5 Monate ist es her, dass im Gmunder Gemeinderat das letzte Mal über die neue Turnhalle gesprochen und entschieden wurde. Diese soll im Rahmen des Realschul-Neubaus in Finsterwald entstehen. Voraussichtlich 4 Millionen Euro teuer, 3-fach und 3.800 Quadratmeter groß. Dafür aber ohne große Tribüne, sondern nur mit einer Gangverbreiterung, was die potentiellen Zuschauer auf etwa 150 beschränkt.

Dieses Mal drehte sich die Diskussion jedoch nicht um die prinzipielle Ausgestaltung der Halle, sondern um einen sogenannten Sonderwunsch. Und der war kostenseitig „nicht ohne“.

Der frühere Landkreissportreferent Toni Engelhard hatte die Idee gehabt. Christine Zierer (FWG) hatte sie in den Gemeinderat eingebracht: Ein Leichtathletik-Leistungszentrum für das gesamte Oberland soll in Finsterwald entstehen. Und so ein Leistungszentrum braucht auch eine Schnitzelgrube. Mehrkosten für eine große, mobile Grube mit 25 Quadratmetern Fläche: 1,3 Millionen Euro!
_____________________________________________________________________
Exkurs: Was ist eine Schnitzelgrube?
Eine Schnitzelgrube ist ein wichtiger Bestandteil eines „echten“ Leistungszentrums. Es handelt sich dabei um mit Schaumstoff“schnitzeln“ gefüllte ca. 5 Meter tiefe Grube im Hallenboden, über der die Geräte angebracht werden. Auch bei schlimmen Stürzen während der Lernphase neuer Übungen landet man in der Schnitzelgrube gefahrlos und sicher.
_____________________________________________________________________

Die 1,3 Millionen Eure resultieren allerdings nicht alleine aus den Kosten der Schnitzelgrube. Sondern liegen hauptsächlich an der notwendigen Erweiterung der Halle, da eine mobile Gruben-Lösung notwendig gewesen wäre. Grund: Eine fest-verbaute Grube hätte die 3-fach Turnhalle im Endeffekt auf eine 2-fache reduziert. In einem Teil wäre dann nur Turnen und Leichtathletik möglich gewesen. Das wollte der Gemeinderat aber auf keinen Fall. Blieb also nur die angesprochene Erweiterung der Halle – bei den durchschnittlichen Kubikmeterkosten eben ein großer Kostenblock.

Bei der folgenden Diskussion kann man zusammenfassend grob sagen: Die Gemeinderäte, die bereits in der Diskussion um die Hallentribüne (siehe ursprünglicher Artikel weiter unten) für eine „große Lösung“ waren, hatten sich auch dieses Mal für das Leistungszentrum und die Schnitzelgrube ausgesprochen. Die Gemeinderäte, die im Juli gegen eine große Tribüne argumentiert und gestimmt hatten, waren dieses mal auch gegen die Schnitzelgrube.

Neben den Kosten war aber das Hauptargument gegen eine Grube die Mitsprache bei der Hallenbelegung. In einem großen Leistungszentrum hätte Gmund die „Hoheit über die Halle“ und damit eines der Hauptziele der neuen Mehrzweckhalle schon vorab aufgegeben. Nämlich den lokalen Vereinen auch außerhalb der Schulbelegungszeiten gute Trainingsmöglichkeiten zu bieten.

Im Endeffekt war aber bereits vor der Diskussion klar, worauf es hinausläuft. Denn Georg von Preysing stellte in seiner Ansprache fest, dass die Finanzierung eines solchen Leistungszentrums und damit auch der Grube beim Landkreis liegt. Damit muss über das Thema auch der Kreistag entscheiden, was der Gemeinderat mit 2 Gegenstimmen ebenfalls so sah.

Der Kreistag wiederrum lehnte das Vorhaben einen Tag später mit dem Argument „Der Einbau wäre nicht angemessen gewesen“ ab.

Ursprünglicher Artikel vom 24. Juli:
Das Thema Schule wurde ja auf der letzten Gemeinderatssitzung relativ ausführlich diskutiert. Ein Teil der Diskussion drehte sich um die Realschule und sogenannte Sonderwünsche der Gemeinde Gmund. So zumindest stand es auf der Tagesordnung. In der Sitzung wurde dann klar, es geht einerseits um die Tribüne der neuen Turnhalle und deren zu erwartenden Kosten. Und andererseits um den grundsätzlichen Bebauungsplan für die Realschule.

Fangen wir mit dem zweiten Punkt, dem Bebauungsplan, an. Die schiere Größe ist schon beeindruckend. Aber es ist ja auch eine große Schule, die laut Bürgermeinster von Preysing mit aller Wahrscheinlichkeit 3-zügig sein wird. Und dazu noch eine 3-fach Turnhalle. Insgesamt entstehen in Finsterwald knapp 11.000 Quadratmeter Fläche. Davon 3.800 qm für die Turnhalle und 6.300 qm für das Schulgebäude. Das Gebäude hat übrigens eine Höhe von 14 Metern.

Hier die Pläne so wie sie vorgestellt wurden:

Die Schule und die Sporthalle werden sich im großen weißen und blauumrandeten Bereich - neben den Sportplätzen (hellgelb) befinden.

Der Bebauungsplan wurde auch nicht sehr groß diskutiert sondern einstimmig durchgewunken.

Die Tribüne wurde ausführlichst diskutiert

So wenig beim Bebauungsplan diskutiert wurde, so ausführlicheren Redebedarf hatten die Mitglieder des Gemeinderates beim zweiten Punkt, der Tribüne der neuen Turnhalle.

Zuerst stellte von Preysing die Varianten und deren voraussichtliche Kosten vor. Und dass die Kosten das entscheidende Argument sind, wurde klar, als von Preysing in Erinnerung rief, dass sich die Gemeinde Gmund an den Gesamtkosten der neuen Turnhalle (voraussichtlich 4 Mio. Euro) zur Hälfte beteiligen muss. Der Grund für die Beteiligung: Gmund darf die Halle auch außerhalb der Schulzeiten komplett eigenständig für Veranstaltungen, Turniere etc. nutzen.

Hier ganz kurz die Alternativen so wie sie von Preysing vorgestellt hat:

1. Feste Tribüne: Für ca. 300-400 Zuschauer. Baukosten von 1.000.000 Euro.

2. Mobile Tribüne: Ausfahrbar. Für ca. 300-400 Zuschauer. Baukosten voraussichtlich 600.000 Euro.

3. Verbreitung Ganggallerie: 3- bis 4-reihige Verbreiterung. Für ca. 300-400 Zuschauer. Baukosten 500.000 Euro.

4. Verbreitung Ganggallerie: 1 Reihe. Für ca. 50-100 Zuschauer. Baukosten von 140.000 Euro.

Die grundsätzlichen Fragen, die danach diskutiert wurden, waren „Wollen wir uns die Problematik mit der bayerischen Versammlungsstättenverordnung (das Gesetz greift ab 200 Zuschauern) antun“ und vor allem „Wie wahrscheinlich ist eine ausreichende Auslastung einer großen Tribüne“?

Einige Gemeinderäte waren pro große Tribüne:

„Wenn man es einmal macht, sollte man es richtig machen“ (Christine Zierer, FWG)

„Wir haben jetzt eine einmalige Chance die Infrastruktur zu verbessern. Wir sollten jetzt nach vorne schauen und die Chance ergreifen.“ (Anton Grafwallner, FWG)

Andere wiederrum gegen eine große Lösung:

„Wir brauchen keine große Tribüne. Wir haben das Geld nicht. Und ich bitte den Gemeinderat, wie auch in der Vergangenheit, auf das Geld zu achten. Und nicht einfach ins blaue hinein eine große Lösung zu beschließen.“
(Wolfgang Rzehak, Bündnis90/Grüne)

„Die Investitionen in den nächsten Jahren sind enorm. Nutzen wir die Tribüne wirklich so oft, dass wir die Ausgaben begründen können?“ (Georg von Preysing, CSU)

Die Frage nach der Nutzung wurde bei der Abstimmung mit einem knappen Nein beantwortet. Der Punkt mit dem Geld eigentlich auch. Denn Variante 1 und 3 wurden einstimmig abgelehnt. Für Variante 2 (mobile Lösung / 600 TSD Euro) waren 8 Gemeinderäte. Und für die günstigste und kleinste Lösung, die Variante 4, haben sich am Ende 13 Gemeinderäte ausgesprochen.

Die Vernunft hatte gesiegt. Die Perspektive verloren.


Unternehmen aus unserer Region

Die neuesten Artikel

Die Redaktion empfiehlt


Aktuelle Jobangebote aus der Region
Tegernseerstimme

Tegernseerstimme