Rottacher Gemeinderat gegen Änderung der Gestaltungssatzung

„Preißn Aquarium“ schreckt ab

Das ehemalige Tanzcafé Schwaiger im ersten Stock an der Nördlichen Hauptstraße, bekannt als „Preißn-Aquarium“, ist für den Gemeinderat ein abschreckendes Beispiel. Es stammt aus der Zeit, in der es noch keine Ortssatzung gab. Ein verglastes Obergeschoss dürfe nicht Schule machen. Doch einem Geschäftsinhaber steht der Sinn danach.

Von außen kaum “als Sportgeschäft” erkennbar, wie Rottachs Bürgermeister findet: Das Sportgeschäft Schlichtner neben dem Rathaus / Klaus Wiendl

Das Geschäftshaus neben dem Rottacher Rathaus, in dem Sport Schlichtner seine Räume hat, ist nicht sonderlich repräsentativ. Das Dach ist sanierungsbedürftig, die Schaufenster sind klein. Das soll sich ändern. Aber wie viel Glasfläche lässt die Gemeinde an Gebäuden zu? Dies war schon Thema im Bauausschuss Ende Oktober. Zur Änderung der Fassade hatte Rainer Schlichtner eine Bauvoranfrage eingereicht.

Künftig werde Schlichtner das gesamte Haus für sich haben, erklärte seinerzeit Bürgermeister Christian Köck (CSU). Deshalb müsse man schon darüber entscheiden, ob man einem Geschäftsmann nicht die Möglichkeit geben wolle, sich in der Ortsmitte besser zu präsentieren. Denn das Sportgeschäft sei von der Straße aus nur schwer als solches erkennbar.

Mehrheitlich befürwortete der Ausschuss eine Holz-Glas-Fassade, die sich über beide Stockwerke erstreckt. Doch Josef Lang (CSU) missfiel der Entwurf, der auch im Obergeschoß große Fensterflächen vorsah. „Das sind 80 bis 90 Prozent Glasfläche“, kritisierte Lang. Er sehe auch keinen Sinn darin,  Ausstellungsfenster in drei Metern Höhe anzusiedeln. Auch bei den Geschäftshäusern auf der anderen Straßenseite seien nur im Erdgeschoss Schaufenster, im Obergeschoss gebe es kleinere Einheiten.

Nicht in Schönheit sterben

„Wir können nicht in Schönheit sterben“, meinte dagegen Anastasia Stadler (CSU). Sie sei froh, dass es noch Einzelhändler im Ort gebe. Das sah auch Johanna Ecker-Schotte (FWG) so, die Schlichtners Wunsch ebenfalls unterstützte, weil sonst wieder ein Einzelhändler „kaputtgehen“ würde.

So kam das Thema „Gestaltung von Schaufenstern und Fassaden bei Wohn- und Geschäftshäusern im Innerortsbereich“ in den Gemeinderat am Dienstagabend. Denn hier gehe es um „eine Grundsatzentscheidung“, so Köck, die sich auf das Ortsbild auswirke. Bisher gebe es in Erdgeschossen schon Schaufenster bis zum Boden. Denn ein Mauersockel sei nicht mehr zwingend erforderlich. In den Obergeschossen der meisten Objekte an der Südlichen wie Nördlichen Hauptstraße seien Wohnungen oder Gewerberäume.

Fensterflächen bis unters Dach?

Das Novum aber jetzt sei, dass Schlichtner nun auch im Obergeschoß Präsentationsflächen über raumhohe Fenster anbieten möchte. Wenn man diesen Präzedenzfall genehmige, könne dies einem anderen Antragsteller künftig nicht mehr verwehrt werden.

Das einstige “Preißn Aquarium”, Glasflächen bis unters Dach. Dies will der Gemeinderat bei neuen Bauvorhaben verhindern / Foto: Klaus Wiendl

Bislang gelte die Gestaltungssatzung mit einer Glasfläche von 50 Prozent der Höhe im Obergeschoß. „Was uns da im Ortsplanungsausschuss vorgelegt wurde“, erinnerte Lang, „waren Fensterflächen bis unters Dach“. Im Ortszentrum gebe es nur einen Ausreißer aus der Gestaltungssatzung, das Preißn Aquarium aus den 50ger-Jahren, Ecke Ludwig Thoma- und Hauptstraße.

Rottachs Ortsmitte „kein toller Anblick“

Thomas Forche (CSU) bezweifelte, ob eine Fassade „so reglementiert und nicht doch mehr der Einzelfall betrachtet werden sollte“. Ein Ort wie Rottach müsse sich weiterentwickeln können. Der derzeitige Zustand vom Postamt über das Rathaus bis zur Tankstelle, „ist gestalterisch kein toller Anblick“. Es gebe viele Orte, in denen Stein und Glas eine wunderbare Ergänzung seien.

Dort habe man eine Mischung zwischen Tradition und Moderne geschafft. Die Frage sei, so Forche, wohin sich der Einzelhandel entwickeln würde, der derzeit ums Überleben kämpfe. Man müsse auch hier für Geschäftsleute Bedingungen schaffen, wie sie woanders möglich seien. „Wir können nicht aus jedem Projekt eine Almhütte machen“. Es gebe auch andere Baustile, die sich in den Ort einfügen würden.

Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) sprach sich für Einzelfallentscheidungen aus. „Es gibt schon Orte, wo diese Sportartikel einer Kette in Glaspalästen verkauft werden“, wusste Köck. Denen würden Repräsentationsflächen auch in den Obergeschossen über alles gehen. „Können wir uns das in Rottach vorstellen oder nicht“, so Köck, das sei hier die Frage. Auch er sprach sich dafür aus, jedes Bauvorhaben als Einzelfall zu prüfen.

Glaspalast für Rottach-Egern?

Mit 50 Prozent Glasfläche im Obergeschoss könne man durchaus eine attraktive Ausstellungsfläche schaffen, meinte Architekt Andreas Erlacher (FWG). Wenn man davon abweiche, gebe es „kein Instrumentarium“ mehr, um einen Intersport Glaspalast aus Aluminium zu verhindern. Eine zeitgemäße Ortsgestaltung sollte „respektvoll“ mit den Materialien umgehen.

Ecker-Schotte erinnerte daran, dass in der Hauptstraße bei den Geschäften ein „Renovierungsstau“ anstehe. „Ich würde mich öffnen und mehr zulassen“. In die gleiche Kerbe schlug auch Köck: „Die Nordseite des Rathauses ist auch nicht unsere Schokoladenseite“. Auch Josef Kaiser (CSU) warb bei den Glasflächen für eine Einzelfallentscheidung. Man müsse auch die Folgen überlegen. Denn es könnte auch ein Autohaus die Zwischendecke entfernen und daraus dann eine verglaste Halle bis unters Dach machen, so Kaiser: „Da muss man vorsichtig sein“.

Erlacher: „Wir sollten nicht durch eine Satzungsänderung irgendwelche Interpretationen ermöglichen“. Mit zwei Gegenstimmen sah es so auch die Mehrheit.


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