Nichts los am See? Auf der Suche nach dem Nachtleben im Tal

Von Martin

Der Sommer ist ein ferner Traum. Der Winter steht nun endgültig vor der Tür. Die, im Gegensatz zu den Sommermonaten, ruhige Zeit fängt an.

Für die einen hat damit das große Feiern „endlich“ ein Ende. Die anderen, insbesondere Jugendliche und Ausgehwillige, müssen jetzt für abends und an den Wochenenden Alternativen zu den Festivitäten im Freien finden. Aber: Gibt es überhaupt ein Nachtleben am Tegernsee?

Mal abgesehen vom Bräustüberl, das eher was für die frühen Abendstunden zwischen 18.00 und bis spätestens 22.30 Uhr ist, hat sich seit über einem Jahrzehnt das „Moschner“ – auch über die Talgrenzen hinaus – als „In“-Tanzlokal etabliert.

Zur Sperrzeit des „Bräus“ beginnt für viele erst das Nachtleben. Doch im „Moschner“ ist oft erst ab 1.00 Uhr richtig was los. Stellt sich die Frage: Wo ist für die Stunden dazwischen etwas geboten?

Früher ins Cactus, und heute?

Früher ging es ab ca. 22.00 Uhr entweder direkt von zu Hause oder im Anschluss ans „Bräu“ erst mal weiter ins „Cactus“ nach Rottach-Egern, wo die Türsteher wegen Überfüllung regelmäßig den Eintritt verweigerten.

Die ehemalige Kneipe heißt seit 2009 „Monte Lago“ und ist nach kostspieligen Renovierungsarbeiten zu einer Lounge mit stilvoller Einrichtung geworden. Die Zielgruppe ist nicht mehr der „angetrunkene Weggeher“, der am Wochenende Party machen will, sondern die finanziell potentere Klientel, die mittags einen Kaffee trinkt oder sich von kulinarischen Spezialitäten aus der Region verwöhnen lässt.

Der Andrang in der „Szenebar Rottachs“, wie es auf der Internetseite des „Monte Lago“ steht, ist lange nicht mehr so groß wie einst im „Cactus“. Gut besucht ist das „Lago“ aber allemal.

Alternativen sind da

Das Heustadl / Quelle: Sebastian Scholz

Auf der Suche nach einem alternativen „Hotspot“ für die Zeit ab 22.00 Uhr sind wir durch den Tipp eines Taxifahrers in Bad Wiessee fündig geworden.

„Ob es euch dort gefällt, müsst ihr selbst herausfinden“, erklärt uns der Taxifahrer und verspricht, kurz auf uns zu warten, falls wir gleich wieder kämen. Es geht ein paar Stufen abwärts in eine Kellerbar, die etwas an eine Après-Ski-Hütte erinnert.

Im Eingangsbereich des „Heustadl“ steht ein Kicker. Plätze an der Bar, die sich durch große Teile der verwinkelten Kneipe schlängelt, gibt es nur noch wenige. Wir bestellen Pils und „Helles“.

Die Stimmung ist gut, und wir kommen schnell mit anderen Gästen verschiedenen Alters ins Gespräch. Ein paar von diesen fordern uns kurz entschlossen gegen 1.00 Uhr auf, noch weiter nach Rottach zu ziehen. Dort sei jetzt im „Moschner“ was los. Genau wie eingangs beschrieben. Zufall. Ungelogen.

Auf der Taxifahrt haken wir nach, welche Bars neben dem „Heustadl“ noch vor Mitternacht zu empfehlen seien. Die Alternativen sind teilweise Geheimtipps, wie beispielsweise die Bar „Zum Mundschenk“ am Lindenplatz, inklusive ansprechender Getränke- und Speisekarte sowie einer große Außenterrasse.

Auch die Sports-Bar, das „Daily Coffee“, von Inhaber Mehmet Cinaz in Bad Wiessee, ist immer einen Besuch wert. In Rottach-Egern werden uns zum abendlichen gemütlichen Zusammensitzen mit Freunden und Bekannten das „Rosegger“ und das „Billard World“, wo neben Pool auch Darts gespielt werden kann, empfohlen.

Tatsächlich nichts los – oder jammern auf hohem Niveau?

Am nächsten Morgen sitzen wir leicht verkatert zu Tisch – es ging nach dem „Moschner“ noch weiter ins „Quantum“. Wir lassen die letzte Nacht Revue passieren. Dabei stellen wir uns die Frage: Warum ist im Tal, zumindest sagten uns das 99 % der Leute, mit denen wir sprachen, eigentlich „nichts los“?

Im Rosegger in Rottach-Egern / Quelle: Philippe Arlt

Klar. Das Tegernseer Tal ist mit insgesamt rund 20.000 Einwohnern keine Großstadt, und daher fehlt es einfach an der großen Masse an Jugendlichen und Ausgehwilligen.

Ein Teil dieser Leute fährt auch nach München und Rosenheim, um dort bis in die Morgenstunden zu feiern und um nicht immer die gleichen Leute zu treffen.

Der nächste Punkt sind die Preise für Bier und Cocktails. Anders als früher wird darum heute nur noch einmal am Wochenende auf die Piste gegangen.

Junge Menschen zwischen 16 und 18 Jahren sind uns übrigens so gut wie keine begegnet. Entweder wird heute mehr privat gefeiert oder das Geld sitzt einfach nicht mehr so locker.

Doch wie steht es um die Bars, die Clubs und Diskotheken? Haben sich alle wirklich klar genug positioniert, und können beziehungsweie wollen diese überhaupt eine bestimmte feierwillige Zielgruppe ansprechen?

Sind viele Bars inzwischen nicht teilweise eher Café oder Restaurant? Dann sollte darauf folglich auch mehr Wert gelegt und dies explizit kommuniziert werden. Ein Mittelweg – von allem ein bisschen was – ist meist nicht zielführend und schreckt potenzielle Neu- und Stammkunden auf Dauer womöglich ab.

Rein aus unternehmerischer Sicht sollten sich Lokalbesitzer und -pächter die Frage stellen: Was will der Großteil meiner Gäste überhaupt? Oder: Wen will ich in meiner Lokalität? Was kann ich Gästen bieten, was andere nicht können? Besondere Preise. Ein spezielles Ambiente. Kann ich Akzente im Service setzen. Oder, oder, oder.

Mit ein wenig Kreativität lassen sich sicher viele neue Gäste gewinnen. Denn wie eingangs erwähnt: Zurzeit sind wieder viele Partygänger auf der Suche nach einem neuen Hotspot. Ausgang ungewiss!


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