“Niemand will eine Pommesbude vor Neuschwanstein”

von Sabiene Hemkes

Mal eben was zu Mittag holen, wenn die Pause nicht reicht zum Kochen. Auch viele Senioren waren Stammgäste in der Mensa-Hütte am Gymnasium. Schon bald fällt die Selbstkoch-Alternative der Tegernseer weg. Und dann?

Iris und Rolf Ziesing bieten frisches Mensa-Essen zum Mitnehmen an, allerdings nur noch bis zum 18. November – vorerst jedenfalls.

Jeden Mittag bietet sich gleich neben den Bushaltestellen des Tegernseer Gymnasiums von Montag bis Freitag ein ähnliches Bild: Menschen jeden Alters und Geschlechts stehen brav in der Schlange vor einer kleinen Hütte. Auf dem Giebel des putzigen Holzstanderl prangt der Schriftzug “Mensa -ToGo”. Darunter etwas kleiner:

Gesundes Essen zum Mitnehmen – komm’s ran, komm’s nicht rin.

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Seit dem ersten Corona Sommer 2020 betreiben Rolf und Iris Ziesing nun schon ihre Mitnahme-Angebot an Schüler und nicht Schüler. Entstanden, so berichtet Iris Ziesing, sei die Idee der ToGo-Verpflegung schon an Pfingsten. Mit der Umsetzung habe es etwas gedauert.

Doch in Zeiten der Lockdowns und geschlossenen Schulen habe das ToGo-Geschäft zusammen mit den Geldern vom Staat den Mitarbeitern und den Ziesings das unternehmerische Überleben gesichert, wie beide heute versichern. Was die Schüler im Gymnasium essen, können seit mehr als zwei Jahren auch alle anderen Tegernseer und Gäste in der kleinen Holzhütte kaufen.

Lecker, frisch und ökologisch verpackt

Heute Mittag gibt es zum Beispiel bei Mensa ToGo: Rahmgulasch vom Kalb mit Spätzle oder in der vegan/vegetarischen Variante Rotes Thai-Curry mit Gemüse und Basmatireis. Beide Gerichte jeweils für sieben und fünf Euro. Alles dazu noch ökologisch sinnvoll in Einwegverpackung aus Zuckerrohr und Besteck aus Holz ausgegeben.

Leider aber endet der Outdoor-Verkauf des Schul-Essens am 18. November, wie Iris Ziesing uns berichtet. Die Stadt braucht die Hütte für den bald beginnenden Weihnachtsmarkt und die Sondererlaubnis der Denkmalschutzbehörde erlöscht ebenfalls. Wie die Köchin berichtet, haben sich doch viele Tegernseer an den Essens-Service in der Zeit von 11:30 – bis 13:30 Uhr gewöhnt.

Viele Rentner, Alleinlebende, aber auch Angestellte von den nahen Praxen und Geschäften seien enttäuscht, sich nicht mehr die “frischen Speisen” abholen zu können. “Anscheinend hat es auch den Nicht-Schülern bei uns bestens geschmeckt in den letzten fast zweieinhalb Jahren”, erzählt Iris Ziesing lachend und stolz. Verbittert ist das Gastronomen-Paar beileibe nicht.

Sondergenhmigung für Hütte vor der Schule war endlich

Denn das Ehepaar Ziesing kann die Gründe für die Schließung des Standerls in zwei Wochen durchaus nachvollziehen. Erstens brauche die Stadt die Hütte für den Weihnachtsmarkt und zum anderen sei auch der Ensembleschutz für die historischen Gebäude, in denen das Gymnasium untergebracht sei, wichtig. Die Sondergenehmigung vom Landratsamt sei toll und hilfreich gewesen, aber eben endlich. Das sei immer bekannt gewesen, gibt Iris Ziesing zu und ergänzt verständnisvoll:

Wer will denn schon eine Pommesbude vor dem Eingang des Schloss Neuschwanstein sehen? Der Ensembleschutz macht doch absolut Sinn.

Doch Aufgeben liegt nicht in der DNA der engagierten Tegernseer ToGo-Anbieter. Seit zwölf Jahren betreiben die Ziesings nun schon die Schul-Mensa im Gymnasium in Tegernsee. Kaum ein Schüler, der nicht eine gute Erinnerung an die beiden “guten Seelen” der Schule hat.

Hoffnung auf neues Standerl in Tegernsee besteht

Umso erfreulicher, dass auch die Stadt Tegernsee und das Denkmalamt gemeinsam mit den Ziesings nach einer neuen Bleibe für die Mensa ToGo sucht. Am Donnerstag nächster Woche soll es zu einem Gespräch mit den Behördenvertretern kommen, in dem die möglichen Lösungsansätze ausgelotet werden sollen. “Unsere Stammkunden sowie unsere Mitarbeiter und nicht zuletzt wir setzen große Hoffnung in das Treffen”, erzählt uns Ziesing hoffnungsvoll. “Bis zur Rente in 8 Jahren würden wir schon noch gern unsere – auch erwachsenen – Kunden verwöhnen”, ergänzt Iris lachend aus dem Hintergrund.

Mit ihrer Hoffnung sind die Tegernseer Gastronomen nicht allein. Auch Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) bleibt bei dem Thema optimistisch: “Ich halte den Straßenverkauf der Mensa für wichtig und gut. Wir tun von unserer Seite alles, um den weiteren Verkauf zu ermöglichen.”

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