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Schneemassen setzen Wildtiere unter Druck

Gegen das große Sterben im Bergwald

Der anhaltende, zum Teil schwere Schneefall setzt die Wildtiere auch in den Bergen des Landkreises zunehmend unter Druck. Je mehr Schnee fällt, desto weniger Nahrung steht bereit. Gleichzeitig ist für die Fortbewegung im tiefen Schnee aber mehr Energie notwendig. Die Rottacher Wildbiologin Christine Miller spricht von „dramatischen Verlusten“.

Auch für Rotwild herrscht Lawinengefahr. © Christoph Burgstaller

Angesichts der massiven Verluste von Reh-, Gams- und Rotwild im bayerischen Berggebiet fordern Natur- und Tierschutzvereine im Schulterschluss ein sofortiges Jagdverbot im Bergwald und Akuthilfe, so Christine Miller in ihrer dringenden Pressemeldung. „Es geht hier um Leben und Tod unseres Bergwildes“. Die plötzlich einsetzenden, massiven Schneefälle der vergangenen Woche „haben ein weißes Leichentuch“ über Wälder und Berggebiete der Alpen gelegt. Gerade die langbeinigen Pflanzenfresser würden zum Teil wie einbetoniert in den nassen Schneemassen feststecken – ohne eine Chance, irgendwie Nahrung zu erreichen.

Deshalb habe ihr Verein „Wildes Bayern e.V.“ in einer ungewöhnlichen Allianz mit zwei Tierschutz- und zwei Naturschutzvereinen einen Eilantrag an Regierung und Ministerium gestellt. Mit von der Partie seien der Deutsche Tierschutzbund (DTB), Landesverband Bayern, der Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) und der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB). Die Federführung übernahm der Verein „Wildes Bayern“.

Wild steckt fest

„Unsere Forderungen sind klar und zielgerichtet, da gibt es kein Verhandeln“, so Miller als Vorsitzende: „Sofortige Einstellung der Jagd im Berggebiet, Anordnung von Sofortmaßnahmen zur Linderung der Not von Wildtieren im Berggebiet und keine erneute Bejagung, bevor nicht ermittelt wurde, wie es den überlebenden Tieren geht“. Vorher dürfe 2019 „kein Schuss im Bergebiet fallen.“

Überlebenskampf in den Schneemassen. © Christoph Burgstaller

Das große Sterben ist laut Miller zum Teil hausgemacht. „Im Staatsforst haben die Betriebsleiter die Fütterung von Rehwild verboten, sogar in den Gebirgslagen“. Die Rotwildfütterungen seien teilweise ersatzlos aufgelöst worden. Dort, wo noch Fütterungen betrieben werden, dürften die Forstangestellten erst spät mit der Fütterung beginnen. „Nach den massiven Schneefällen der vergangenen Tage stecken die Tiere jetzt oft in höheren Lagen fest und können sich nicht mehr zu den wenigen Futterstellen durchkämpfen“.

Für die Gams geht es ums „Ganze“

Neben dem individuellen Leid, das die entkräfteten und erschöpften Tiere jetzt erleben, so die Wildbiologin Miller, „geht es beim Gamswild buchstäblich ums Ganze“. Denn seit Jahren warnen Experten davor, dass die Bestände immer kleiner werden, ein Kollaps zu befürchten ist. „Die kleinen Rudel wurden systematisch durch einen massiven Jagddruck aufgerieben“, beklagt Miller.  Besonders schlimm sei dabei, dass die Gams in ihren wichtigen Überwinterungsgebieten den ganzen Winter hindurch geschossen werde. Dazu seien bereits im vergangenen Jahr schwere Verluste durch den langen Winter gekommen.

Ich gehe davon aus, dass wir die Jagd auf Gamswild für mindestens ein oder zwei Jahre komplett einstellen müssen, damit diese geschützte Tierart überhaupt noch überlebt.

Sollte ihr Eilantrag und die akute Nothilfe nicht berücksichtigt werden, will Miller „die Frau Staatsministerin persönlich davon überzeugen, dass zu Bayern auch Wildtiere gehören und die Regierung und ihre Forstbetriebe sich auch mal etwas anstrengen müssen, um diesen landeskulturellen Schatz für künftige Generationen zu erhalten.“

Rettung in letzter Minute. © Christoph Burgstaller

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