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Gemeinden entscheiden über geplante Fusion von ATS und TTT

Warum ein Scheitern fatal wäre

Von Christopher Horn

Der Masterplan Tourismus sieht unter anderem die Fusion der beiden großen Tourismusorganisationen ATS und TTT zu einer gemeinsamen Dachorganisation vor. Die neue Alpenregion Tegernsee Schliersee GmbH soll im Anfang 2014 an den Start gehen. Vorher müssen aber alle 17 Landkreisgemeinden zustimmen.

Bislang sind jedoch nicht alle Gemeinderäte im Tegernseer Tal von Sinn und Zeitplan der Fusion überzeugt. Die Verantwortlichen versuchen daher, die Bedenken mit einer Informationsoffensive auszuräumen.

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Die Verantwortlichen Cornelius Obier, Harald Gmeiner und Georg Overs werben für die die neue Tourismusdachorganisation ATS
Die Verantwortlichen Cornelius Obier, Harald Gmeiner und Georg Overs werben für die neue Tourismusdachorganisation ATS

Neben den beiden großen Dachorganisationen ATS und TTT existieren derzeit auch zahlreiche eigenständige Einheiten wie die TI in Schliersee oder Bayrischzell. Doch das soll sich nun ändern. „Wir brauchen eine schlagkräftige Organisation, um im Wettbewerb mit anderen Tourismusregionen weiter mithalten zu können“, betont ATS-Geschäftsführer Harald Gmeiner. Ziel sei es nicht, Kosten einzusparen, sondern vor allem die Schlagkraft der Organisation zu erhöhen, so der Touristiker.

Gemeinden sollen zeitnah abstimmen

Bevor dieser Plan in die Tat umgesetzt werden kann, müssen noch alle 17 Gemeinden im Landkreis der Fusion zustimmen. In einem zweistufigen Beschlussverfahren werden die Stadt- und Gemeinderäte im Juni und Juli zunächst über die Grundsatzfrage beraten, ob sie eine Fusion haben wollen oder nicht. In einem zweiten Schritt kommen im September dann die Details des Zusammenschlusses auf die Tagesordnung.

Um den Räten die Bedenken gegen eine Fusion zu nehmen und sie umfassend über das Vorhaben zu informieren, haben die Verantwortlichen der ATS und der TTT seit einigen Wochen eine Informationsoffensive gestartet. Zuletzt fand am 16. Mai eine Infoveranstaltung für alle Bürgermeister und Gemeinderäte des Tegernseer Tals im Rottacher Seeforum statt.

Weniger Einfluss für die einzelnen Kommunen

Wesentliche Fragen waren dabei die Kosten der Fusion und der zukünftige Einfluss der einzelnen Gemeinden auf die touristische Ausrichtung. „Natürlich wird der Einfluss der einzelnen Gemeinden ein Stück weit zurückgehen, einen Tod muss man aber sterben, wenn man auch langfristig wettbewerbsfähig bleiben will“, so der Projekt M-Geschäftsführer Cornelius Obier auf einer Pressekonferenz am Montagnachmittag.

So sei es für eine einzelne Gemeinde vom Budget und Personal her nur noch schwer möglich, ein starkes Marketing zu betreiben. Durch die Fusion wolle man alle Kräfte bündeln und sie besser einsetzen, betonte ATS-Geschäftsführer Harald Gmeiner an gleicher Stelle.

„Es wird keine Entlassungen geben“

Die ATS GmbH wird demnach als neue Dachorganisation das Tourismusmarketing übernehmen. Die Tourist-Infos in den einzelnen Gemeinden bleiben zwar erhalten, werden aber unter die Leitung der gemeinsamen Organisation gestellt. Es werden aber nicht alle Aufgaben abgegeben, so bleibt der Betrieb der touristischen Infrastruktur vor Ort in der Hand der Gemeinden. Dazu zählen zum Beispiel die Tegernseer Seesauna, aber auch der Badepark in Bad Wiessee ‒ so lange es ihn noch gibt. Auch eigene Veranstaltungen und lokale Sonderprojekte soll es weiterhin geben, wie die Verantwortlichen betonen.

Das Rathaus ...
Die Tourist-Infos bleiben erhalten, werden aber der ATS unterstellt

Das Marketing, die zentrale Führung und die Koordination der lokalen Aufgaben sollen aber künftig in der Hand der ATS liegen. Auch Entlassungen wird es im Zuge der Fusion keine geben, wie ATS-Geschäftsführer Gmeiner bestätigte. Zudem soll sich jede Gemeinde auch weiterhin noch ihre Individualität in der touristischen Infrastruktur behalten, man wolle aber keine 17 Sommerrodelbahnen, so Gmeiner weiter. Neben der neuen ATS soll die Marke „Der Tegernsee“ als Premiumprodukt auch weiterhin bestehen bleiben.

Nur Kreuth muss mehr zahlen

Doch dafür müssen die Talgemeinden tief in die Tasche greifen. Eine jährliche Premiumumlage von 500.000 Euro wird ‒ wie übrigens jetzt schon ‒ für die Gemeinden auch weiterhin fällig. „Es fallen aber keine zusätzlichen Kosten für die Talgemeinden an“, so TTT-Geschäftsführer Georg Overs. Grundsätzlich wird die ATS künftig über zwei Säulen finanziert: Das Gesamtbudget von drei Millionen Euro wird vom Landkreis (künftig 850.000 Euro, bislang 600.000 Euro), einer Basisumlage aller 17 Landkreiskommunen (1,73 Millionen Euro) und eben jener Premiumumlage der Talgemeinden gespeist. Letztere soll dann ausschließlich für das Marketing des Tegernseer Tals verwendet werden.

Die Anteil an der Basis- und der Premiumumlage richtet sich bei jeder Gemeinde nach den Übernachtungszahlen. Bislang basierte der Finanzierungsschlüssel auf Berechnungen aus den 50er-Jahren. Dieser soll nun an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden. „Das muss sich ändern“, so Overs. Schließlich seien die Übernachtungs- und Gästezahlen heute ganz andere als damals. Geplant ist demnach, dass der Schlüssel alle drei Jahre modifiziert werden soll.

Die Talgemeinden
Ein neuer Finanzierungsschlüssel basiert auf aktuellen Übernachtungszahlen der Talgemeiden.

Nach dem neuen Schlüssel muss im Tal nur Kreuth rund 60.000 Euro mehr pro Jahr bezahlen. Das entspricht einem Zuwachs von rund zehn Prozent im Vergleich zu den derzeitigen Kosten. „Alle anderen Gemeinden müssen nach der neuen Berechnung weniger bezahlen“, so ATS-Geschäftsführer Gmeiner. Der Fehlbetrag werde laut Gmeiner über den um 250.000 Euro erhöhten Anteil des Landkreises aufgefangen.

Gewisser Zeitdruck ist gegeben

Doch vielen Gemeinderäten geht dieser Schritt zu schnell. Und auch die Bürgermeister betonten, dass der Schritt wohlüberlegt sein. So sagte Rottachs Bürgermeister Franz Hafner vor wenigen Wochen, er sei zwar für eine Fusion, die Geschwindigkeit der Umsetzung wäre aber eine andere Sache. Die Verantwortlichen der ATS können die Bedenken unterdessen nicht ganz nachvollziehen. „Die Fusion der Tourismusverbände ist ein wesentlicher Teil des Masterplans Tourismus, der Jahre 2011 bis 2014. Und dieser wurde von allen Gemeinden verabschiedet“, betont Projektberater Cornelius Obier.

Nichtsdestotrotz wolle man aber unbedingt auf die Fragen und Bedenken der Gemeinderäte eingehen und so lange beraten, bis alle offenen Punkten geklärt seien, so Obier weiter. Die endgültigen Beschlüsse der 17 Landkreisgemeinden sollen demnach noch in diesem Herbst vorliegen. Ob die neue ATS aber wie bislang geplant bereits am 1. Januar 2014 an den Start gehen wird, wollte man vonseiten der ATS noch nicht bestätigen.

„Wichtig ist, dass die Beschlüsse da sind. Ob wir dann im Januar oder auch erst im Mai an den Start gehen, ist nicht entscheidend.“

Dass es aber durchaus einen gewissen Zeitdruck gibt, macht ATS-Geschäftsführer Harald Gmeiner deutlich: „Wir stehen unter einem Wettbewerbsdruck mit anderen Regionen. Bislang müssen wir uns mit den 17 Gemeinden abstimmen, das kostet viel Zeit und Kapazitäten und muss sich unbedingt ändern.“

Und die Touristiker sind sicher: sollte der Zusammenschlus scheitern, so scheitert er für viele Jahre und muss irgendwann neu aufgerollt werden. Auch wenn sich das Tegernseer Tal derzeit noch erfolgreich eigenständig vermarkten könne, werde der Wettbewerb mit anderen touristischen Regionen auch dort in den kommenden Jahren weiter zunehmen. „Ein Scheitern würde auch für den Tegernsee große Nachteile mit sich bringen“, macht Obier deutlich.

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