Dürnbach und Rottach-Egern wollen eine eigene Zweifach-Tennishalle

„Ohne Halle ist die Existenz des Rottacher Tennisclubs akut gefährdet“

Von Martin

Ein Szenario, das niemandem in der Gemeinde so richtig schmecken kann. Hubert Schmeizl, Vorstand des TC Rottach-Egern, geht davon aus, dass sich der Verein mit seinen rund 450 Vereinsmitgliedern nächstes Jahr auflösen muss, wenn nicht eine Lösung für die fehlende Tennishalle gefunden wird.

Und auch beim TC Dürnbach habe man laut Vorstand Gerhard Kremer durchaus Bedarf für eine eigene Lösung. In einem Punkt sind sich Kremer und Schmeizl allerdings einig: Eine gemeinsame Tennishalle – also eine Landkreishalle mit Minimum vier Plätzen – ist keine sinnvolle Lösung.

Muss der Minigolfplatz in Rottach-Egern an der Feldstraße bald einer Tennishalle weichen?
Muss der Minigolfplatz in Rottach-Egern an der Feldstraße bald einer Tennishalle weichen?

Einigkeit bei den Tennisclubs im Tegernseer Tal: Nicht nur eine, sondern sogar zwei Tennishallen mit jeweils zwei Plätzen lassen sich nach Meinung der Verantwortlichen aus Rottach und Dürnbach in Eigenregie wirtschaftlich betreiben.

Die Nachfrage und die Auslastung über den Winter würden ausreichen, um die laufenden Kosten wie Strom und Heizung zu decken und sogar jährlich Rücklagen zu bilden, so zumindest das Ergebnis des landkreisweiten „Tennisgesprächs“ am Montagabend, zu dem Sportreferentin Sabine Wittmann geladen hatte.

Nach dem Wegfall der Halle in Weissach herrscht Mangel

Doch der Reihe nach: Seitdem die Tennishalle in Weissach nicht mehr zur Verfügung steht, herrscht im Tegernseer Tal akuter Platzmangel bei den Tennisspielern, die ihren Sport auch im Winter ausüben möchte. Meist ist im Tegernseer Tal von Oktober bis April das Tennisspielen im Freien unmöglich.

„Von ehemals 20 Plätzen im gesamten Landkreis sind gerade einmal noch vier übrig geblieben“, so Wittmann, die die Entwicklung des „Hallensterbens“ der vergangenen Jahre auf den Punkt bringt. Und die beiden mobilen Tragluft-Hallenplätze auf dem Gelände des Wiesseer Jodschwefel-Bades, die Sepp Niedermaier zusammen mit der Spiel-Arena betreibt, wird es wohl auch nicht mehr allzu lange geben. Das Gelände wird in den kommenden Jahren neu bebaut. Eine Zukunft für die Spiel-Arena und die angeschlossene Halle gibt es nicht.

Tennishalle anstatt Minigolfplatz?

Doch wo baut man am besten eine neue Tennishalle hin in Rottach-Egern? Wenn es nach den Tennisspielern gehen würde, sollte diese optimalerweise in unmittelbarer Nähe zu den Außenanlagen entstehen.

Die Rottacher haben ihr Anliegen, eine neue Halle zu errichten, bereits vor einigen Wochen im Gemeinderat eingebracht. Auf dem dafür vorgesehenen Grund steht derzeit allerdings noch ein Minigolfplatz, der zumindest zu großen Teilen weichen müsste. Das Grundstück gehöre der Gemeinde, was eine kostengünstige Erbpacht möglich mache, so Schmeizl zuversichtlich.

Am Ende vertagte der Gemeinderat in seiner März-Sitzung die endgültige Entscheidung. Man sprach sich stattdessen für ein Schaugerüst und einen Vororttermin aus, um zu sehen, ob eine Halle ins Landschaftsbild passe.

Viele der Tennisclubs des ganzen Landkreises trafen sich am Monatagabend zum jährlichen Gespräch. Diesmal im Vereinsheim des TC Rottach-Egern
Die Tennisclubs des ganzen Landkreises trafen sich am Montagabend zum jährlichen Gespräch.

Letztlich, so die Auffassung aller Tennisclubs des Landkreises und damit auch der Tegernseer Vereine, gehe es nicht nur um die Jugendarbeit. Sondern auch um den Tennissport an sich.

Darüber hinaus sollten die Gemeinden ebenfalls ein Interesse an Tennishallen haben. Tennis gehöre zum touristischen Angebot und spiele bei der Entscheidung für oder gegen einen Urlaub eine nicht zu unterschätzende Rolle. „Und wenn die eigene Gemeinde ein Halle grundsätzlich befürwortet, gibt es sicherlich auch keine baurechtlichen Probleme“, so die Ansicht einiger Verantwortlicher.

Rottacher planen neuen Anlauf

Der TC Rottach-Egern will nun in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen einen neuerlichen Antrag zum Bau einer Zweifach-Tennishalle einreichen. Und Schmeizl stellt klar, was ein Nein für Folgen haben könnte. „Eine Ablehnung würde einem Aus für den Tennissport in Rottach gleichkommen. Danach wird zuerst der Pächter des Clubhauses seinen Vertrag aufkündigen, und danach wir als Verein.“

So weit wie in Rottach sei man laut Gerhard Kremer vom TC Dürnbach in Sachen Standortfrage einer Tennishalle noch nicht. „Wir fangen mit der Suche gerade erst an“, so Kremer, der andeutet, bereits ein Auge auf die Entwicklungen am neuen Realschulstandort in Finsterwald geworfen zu haben.

Es hätte sogar schon ein loses Gespräch zwischen Kremer und Bürgermeister Georg von Preysing gegeben. Doch neben dem Neubau der Realschule befindet sich unmittelbar angrenzend eine naturschutzrechtlich geschützte Fläche, was eine Erweiterung des Gebietes für eine Tennishalle schwierig machen könnte.

Eigenfinanzierung: Umlage oder Genossenschaft?

Neben den offenen Standortfragen wurde auf dem Treffen der Tennisvereine auch die Finanzierung für die Errichtung einer Halle angesprochen. Ein konkretes Finanzierungskonzept gäbe es zwar noch nicht. Aber man könne sich dafür eine Vereinsumlage über etwa 1.000 Euro pro erwachsenes Vereinsmitglied vorstellen.

Auch die Gründung einer Genossenschaft, wie sie bei der Naturkäserei erfolgreich realisiert wurde, sei durchaus vorstellbar. Mit rund 450.000 Euro kalkulieren die Verantwortlichen für den Bau einer Tennishalle mit zwei Plätzen. Die Kosten für Betrieb und Energie könnte man durch die angenommene Auslastung in der Zeit von Oktober bis April ohne Weiteres kompensieren.

Für eine echte Lösung braucht man aber auch die Unterstützung der Gemeinden. Und die ist beispielsweise in Rottach, nach dem Verlauf der letzten Gemeinderatsdiskussion, mehr als unsicher.


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