Fragen an die Fraktionsvorsitzenden im Tal
“Ohne Internet geht es nicht mehr”

von Martin

Kurt Sareiter ist Fraktionsvorsitzender der Wiesseer CSU und bekannt dafür, als Gemeinderat eine klare Meinung zu vertreten. Wenn es der Sache dient, hat Sareiter auch kein Problem damit, seinen früheren Kontrahenten um das Bürgermeisteramt, Peter Höß, in die Schranken zu weisen.

Sareiter ist lange dabei – ein erfahrener Politiker – und er ist der Erste, der sich aus dem Kreis der Wiesseer Fraktionen unseren Fragen stellt.

Kurt Sareiter (stehend) während der CSU-Hauptversammlung

Tegernseer Stimme: Guten Tag, Herr Sareiter. Lassen Sie uns gleich mit einem schweren Thema beginnen – der Verkehrsbelastung im Tal. Wo sehen Sie Verbesserungsmöglichkeiten?

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Kurt Sareiter: Wir sind als Gemeinderäte in der Sache Verkehr überwiegend Laien und haben für die Verkehrsproblematik am Tegernsee einfach keine Musterlösung in der Schublade. Das Problem gibt es ja auch nicht erst seit gestern. Vieles ist Stückwerk.

Die völlig neue Idee von BOB-Geschäftsführer Heino Seeger auf einem Vortrag von vor ein paar Monaten, um den Tegernsee eine Straßenbahn zu bauen, halte ich allerdings für sehr interessant. Die Finanzierung wäre meiner Meinung nach dabei sogar zweitrangig.

Schwieriger bis unlösbar ist allerdings die Frage nach den vielen Grundstücken, die man für die Trasse benötigen würde. Die Chancen für eine Ringbahn, wenn man dieses Ziel tatsächlich verfolgt, sehe ich bei 50 zu 50.

“Eine Fusion wäre für alle positiv”

Tegernseer Stimme: Worin sehen Sie Vorteile im Zusammenschluss der TTT mit der ATS? Gibt es hier Ihrer Meinung nach auch Risiken?

Kurt Sareiter: Die Vorteile liegen auf der Hand. Der gesamte Landkreis kann als eine gesamte Region vermarktet werden. Früher hat jede Tal-Gemeinde für sich alleine zum Beispiel auf Messen versucht, den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern. Der Schritt, dies am Tegernsee gemeinsam von der TTT machen zu lassen, war schon die richtige Entscheidung.

Der nächste Schritt ist meines Erachtens, dass eine gebündelte Gesamtvermarktung für den ganzen Landkreis Miesbach realisiert wird. Die Aufgaben im Rahmen der touristischen Vermarktung werden immer größer. Und die Zusammenarbeit der ATS und der TTT unter einem Dach in Tegernsee funktioniert ja heute schon gut. Eine Fusion könnte meiner Meinung nach für alle nur positiv sein.

Tegernseer Stimme: Und was halten Sie von der Idee, am Tegernsee weitere vier bis fünf Sterne-Hotels anzusiedeln?

Kurt Sareiter: Ein bis zwei Hotels in dieser Kategorie kann das Tegernseer Tal sicherlich noch vertragen. Nicht zuletzt die Auslastung des Hotels Überfahrt zeigt, dass in dieser Richtung genügend Nachfrage vorhanden ist.

Und warum nicht gleich zwei dieser benötigten Hotels in Bad Wiessee bauen? Auf dem Gelände des ehemaligen Hotels Lederer wird – wer auch immer es letztlich baut – hoffentlich bald wieder ein schönes Haus entstehen. Ob es nun generalsaniert wird oder der neue Investor ein komplett neues Hotel hinstellt, muss sich noch zeigen. Und in unmittebarer Nachbarschaft ist auch Areal am Jodschwefelbad geeignet für ein großes Hotel. Das wiederum könnte dem gesamten Gesundheitssektor im ganzen Tegernseer Tal nochmals einen großen Schub geben.

Tegernseer Stimme: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen in der touristischen Infrastruktur am Tegernsee?

Kurt Sareiter: Viele Gästehäuser müssen beispielsweise in punkto Ausstattung noch an ihrem Niveau arbeiten. Hier gibt es einen großen Nachholbedarf. Letzlich geht es nur über Investitionen.

Wichtig ist auch, dass Betreiber von Gästehäusern frühzeitig die Nachfolgeregelung angehen, damit auf diese Weise nicht unnötigerweise noch weitere Bettenkapazitäten wegfallen.

“Der Strom wird teurer, das muss uns klar sein”

Tegernseer Stimme: Themawechsel. Kommen wir zur Energiewende. Realistisch oder ein visionäres Hirngespinst?

Kurt Sareiter: Das ist sicherlich eine Herkulesaufgabe, bei der die Finanzierung für die Gemeinden, aber auch durch die Bevölkerung eine zentrale Aufgabe ist. Wir sollten meines Erachtens alles daran setzen, das ambitionierte Ziel der Energiewende im Oberland zu schaffen.

Hier erwarte ich allerdings in den kommenden Jahren noch einige Richtlinien und Empfehlungen, was, wo und wie am sinnvollsten ist.

Tegernseer Stimme: Und was sagen Sie zu der immer wieder ins Spiel gebrachten Windkfraft am Tegernsee?

Kurt Sareiter: Ich bin kein Gegner dieser Form der Energiegewinnung. Wenn aber hier Windräder entstehen sollen, dann muss das in einem sehr, sehr ausgewogenen Ausmaß stattfinden.

Auf jeden Fall müssen sich alle Bürger schon heute darauf einstellen, dass Strom mit der Energiewende immer teurer wird und mit gewissen Kompromissen verbunden ist. So wie bisher wird es nicht gehen.

“Zusammenarbeit zwischen den Tal-Gemeinden ist besser”

Tegernseer Stimme: Für eine weiterhin positive Entwicklung des Tegernseer Tals ist es wichtig, dass alle Gemeinden an einem Strang ziehen. Wie beurteilen Sie die derzeitige Zusammenarbeit zwischen den Tal-Gemeinden?

Kurt Sareiter: Insgesamt ist die Zusammenarbeit auch auf Ebene der Verwaltungen im Vergleich zu vor einigen Jahren sicher deutlich besser geworden. Nehmen Sie alleine den Zusammenschluss der Standesämter. Das wäre früher unmöglich gewesen.

Tegernseer Stimme: Und was halten Sie von einer Fusion der politischen Gremien rund um den Tegernsee?

Kurt Sareiter: Eine einzige Gemeinde wird es in den kommenden Jahrzehnten sicher nicht geben. Rein von der Bevölkerungszahl ist es aber durchaus vorstellbar. Und ich glaube schon, dass ein einziger Bürgermeister das zusammen mit einer Verwaltung stemmen könnte. Nur ist heute da sicherlich keine Gemeinde dazu gewillt, in diese Richtung Überlegungen anzustreben.

Tegernseer Stimme: Letzte Frage: Das Internet verändert die Kommunikation der Menschen teilweise dramatisch. Wie nutzen Sie eigentlich das Netz, und welche Ziele verfolgen Sie mit diesen Maßnahmen?

Kurt Sareiter: Wenn Sie mir heute den Computer wegnehmen, bin ich von der Außenwelt abgeschnitten. Was ich sagen will: Ohne Internet geht es nicht mehr. Auch innerparteilich kommunizieren wir deutlich weniger als früher per Telefon. Vieles geht auch bei uns schon per E-Mail. Und die Dynamik wird natürlich noch weiter zunehmen.

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