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Konkurrenz für lokalen Einzelhandel wächst

Onlinehandel: Chance oder Risiko?

Von Nadja Weber

Amazon, Zalando und Co. sind für viele Geschäftsleute in Deutschland ein rotes Tuch. Sie bedrohen den stationären Einzelhandel. Auch am Tegernsee reagieren einige Geschäftsleute auf die digitalen Einkaufsmöglichkeiten. Andere hingegen sehen keinen Grund zum Handeln.

Stöbern im Ladengeschäft oder lieber bequem per Mausklick bestellen?
Stöbern im Ladengeschäft oder lieber bequem per Mausklick bestellen?

Der E-Commerce ist auf dem Vormarsch. Daran lässt das Ergebnis einer aktuellen Studie der Uni Regensburg zum mittelständischen Einzelhandel keinen Zweifel. Demnach ist der Online-Handel in Bayern seit 2007 um 21,2 Prozent gewachsen – im Durchschnitt, pro Jahr. Denn im selben Zeitraum waren die Umsätze der gesamten Branche preisbereinigt rückläufig. Für lokale Geschäfte ist das eine große Herausforderung.

Treulose Kunden oder langfristige Stammkundschaft?

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner rät deshalb: „Auch der Einzelhandel braucht eine digitale Strategie. Die stationären Händler stehen unter einem enormen Wettbewerbsdruck. Sie müssen die Chancen des wachsenden Online-Handels noch besser nutzen.“ E-Commerce-Giganten wie Amazon oder Zalando haben in vielen Ländern Maßstäbe gesetzt, mit denen lokale Geschäfte nur schwer mithalten können.

Dagegen zeichnet eine repräsentative Studie des IfD Allensbach – „Lokale Welten“ – ein freundlicheres Bild vom deutschen Einzelhandel und dessen Zukunft. Demnach schätzen 84 Prozent der Befragten die persönliche Beratung im stationären Handel.

Doch vor allem die oft niedrigeren Preise locken die Kundschaft ins Netz statt in die Geschäfte nebenan. In Zeiten von E-Book und Kindle hat auch die Schreibwaren- und Buchbranche schwer mit dem Onlinehandel zu kämpfen. So berichtet Gerhild Ilmberger, Inhaberin der gleichnamigen Buchhandlung in Bad Wiessee:

Wir bekommen den Onlinehandel schon zu spüren. Aber wir haben reagiert und unseren eigenen Online-Shop eingerichtet, mit sehr guter Resonanz.

Einen gegensätzlichen Eindruck hat Hubert von Scheven, Inhaber der Buchhandlung Kolmansberger in Rottach-Egern. Er bekommt den Einfluss des Onlinemarkts kaum zu spüren. „Bei uns kann man sich die Bücher anschauen und nach Lust und Laune stöbern. Wir bieten nicht nur guten Service, sondern auch ein angenehmes Einkaufserlebnis.“

Laut von Scheven kämen Kunden sogar mit einem Ausdruck aus dem Netz und möchten das jeweilige Buch im Geschäft bestellen. Über seinen eigenen Onlineshop sagt von Scheven: „Der hat eigentlich keine große Bedeutung.“ Auch und vor allem wegen der vielen Urlaubsgäste, die nicht nur bei schlechtem Wetter vorbeikommen würden, sieht er im Onlinehandel für sich selbst keine existenzbedrohende Konkurrenz.

Das Schuhfachgeschäft Mitterer in Tegernsee punktet mit persönlicher Beratung.
Das Schuhfachgeschäft Mitterer in Tegernsee punktet laut eigener Aussage mit persönlicher Beratung.

Auch Martin Mitterer vom gleichnamigen Schuhgeschäft in Tegernsee fürchtet die Online-Konkurrenz nicht. Zwar sei es schwer, zu analysieren, welche Kunden sich nach einer Beratung das Produkt im Internet bestellen, doch Mitterer ist zuversichtlich: „Der Onlinehandel tut uns noch nicht weh. Weil wir mit unserem Service einen Nischenmarktplatz haben. Für uns ist ein Onlineshop derzeit nicht notwendig.“

Lage des Geschäfts ist das Wichtigste

„Nickis Kindermoden“ hat dagegen bereits vor einiger Zeit verstärkt auf den Online-Handel gesetzt. Den Grundstein dafür hatte bereits Gründerin Elke Bächstädt gelegt, als sie 1988 einen Kataloghandel einführte. Die Kleider wurden professionell fotografiert, mit einer detaillierten Beschreibung versehen und über den Postweg angeboten. Ihr Sohn Philipp begann dann, die Kindersachen übers Internet zu verkaufen.

Für mich war das die logische Konsequenz aus dem Kataloghandel. Alle Produkte waren bereits katalogisiert und genau beschrieben. Wir mussten sie also nur noch in den Internetauftritt integrieren.

Dieser Aufwand sei allerdings, so Bächstädt, nicht zu unterschätzen. Rund 90 Designermarken und 2.500 Artikel mussten digitalisiert und online präsentiert werden. Allein der Aufbau und die erste Vermarktung der Internetseite kosteten rund 30.000 Euro. Die Investitionen zahlten sich allerdings schnell aus. Schon im ersten Jahr wurde ein Drittel des Versandhandels-Umsatzes online erwirtschaftet.

“Die Lage, also der Standort, ist im heute ohnehin schwierigen Einzelhandel nun mal das Non-plus-Ultra”, erklärte Bächstädt vor der Schließung seines Ladens. Das Geschäft in der Aribostraße ließ die gute Lage vermissen. Auch dies habe letztlich zur Aufgabe Anfang 2014 geführt. Nur wenig später wurde der neue Concept Store eröffnet. Dabei blieb Bächstädt mit der Seestraße seinem Credo „Lage ist alles“ treu. Auf die wichtigen Säulen Katalog- und Internetverkauf will er trotzdem nicht verzichten.

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