Windenergie im Landkreis Miesbach

Otterfing und Valley als Hoffnungsträger

Von Robin Schenkewitz

In den nächsten Jahren will der Landkreis die Energiewende schaffen. Doch nach den neuesten Vorgaben der Staatsregierung sieht es zumindest für die Windenergie düster aus. Denn Valley und Otterfing müssen wohl den gesamten Landkreisanteil allein tragen.

Von solchen Windkraftparks wie hier im Norden Deutschlands kann man in Miesbach nur (alp)träumen. Bild: http://windkraftfakten.files.wordpress.com
Von solchen Windkraftparks wie hier im Norden Deutschlands könne die meisten im Landkreis nur (alp)träumen. Bild: http://windkraftfakten.files.wordpress.com

„Mit der neuen Regelung werden wir zwischen Chiemsee und Bodensee wohl keine einziges Windrad bauen können.“ Mit solch einer drastischen Aussage lässt Peter Haberzettl, Experte für Windenergie bei dem Verein Energiewende Oberland, seinen Frust über die Entscheidung von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) raus.

Denn dieser hatte jüngst die Maßgabe ausgegeben, dass Windräder nur noch dann genehmigt werden dürfen, wenn sie mehr als den zehnfachen Abstand ihrer Höhe zum nächstgelegen Haus haben – und damit viele Projekte von jetzt auf gleich unmöglich gemacht. „Vielleicht sollte man solche Versprechen nicht im Bierzelt abgeben, ohne vorher über die Konsequenzen nachzudenken“, rät Haberzettl.

Grund für die Entscheidung der Staatsregieung sind insbesondere die Vorbehalte in der Bevölkerung. Viele Menschen wollen ein Windrad eben nicht vor der eigenen Haustür haben. Lärmbelästigung und eine „Verspargelung der Landschaft“ wären die Folgen, so die Bedenken.

Miesbach schlechtes Pflaster für Windenergie

Dabei standen die Chancen für regenerative Energien aus Windkraft im Landkreis ohnehin noch nie besonders gut. So hatte sich der Süden bereits früh mit Verweis auf den Tourismus und das Landschaftsschutzgebiet aus den Planungen verabschiedet. „Im Klimaschutzplan des Landkreises hatten wir uns darauf verständigt, Windräder generell aus den Alpen heraus zu halten“, so Haberzettl.

Die Kommunen im Tegernseer Tal waren damit ebenso aus dem Schneider wie viele andere Gemeinden. Blieben also noch die Regionen nördlich der B472 zwischen Irschenberg und Bad Tölz. Doch auch hier waren die Voraussetzungen schlecht. So fielen Flächen beispielsweise in Warngau schon deswegen aus dem Plan, da dort nachweislich schützenswerte Vogelarten nisteten, für die die Windräder zur Gefahr werden würden. Zudem sind die Ortschaften auch im Nordlandkreis relativ eng aneinander. Damit sind die notwendigen Abstandsflächen schwierig einzuhalten.

Mit der sogenannte „H10 Regelung“ wurde die Situation nun noch einmal verschärft. Geht man von einer Gesamthöhe eines Windrades von rund 200 Metern aus, dürfte das nächste Haus nur in einem Abstand von zwei Kilometern an die Anlage heranreichen. Vorher war man noch von 1200 Metern ausgegangen. Völlig ausreichend, wie Haberzettl findet. „Schon ab 600 Metern hört man das Windrad nicht mehr“, so der Experte von der Energiewende Oberland.

Valley könnte H10 umgehen

Auch im Holzkirchner Bauausschuss ärgerte man sich jüngst über die vorgelegten Planungen. Für diese wenigen Windräder hätte man sich die aufwendigen Vorbesprechungen auch ganz sparen können, so der Tenor. Laut dem aktuellen Regionalplan bleiben nur noch Gebiete in Valley, Otterfing und ein kleines Gebiet in Weyarn übrig. „Ich habe den Weyarnern allerdings bereits gesagt, dass sich ein einzelnes Windrad wohl kaum rechnen wird. Da sind die Anschlusskosten zu hoch“, weiß Haberzettl.

Erst ab drei Anlagen sei ein wirtschaftlicher Betrieb realistisch. Damit ruhen die Hoffnungen des Experten in Sachen Windenergie nun auf Valley und Otterfing. Allerdings könnte es auch in Valley knapp werden, schätzt Haberzettl. Daher hofft er auf den Willen der Gemeinde. Die CSU habe in ihrer Klausurtagung in Wildbad Kreuth schon 2014 erklärt, dass man mit dem Einverständnis der Bürger auch unter der H10 Regelung bleiben könne. „Mit einem Bebauungsplan könnte Valley die Weichen stellen“, so Haberzettl.

Doch soweit ist man in der Gemeinde noch nicht. Wie Geschäftsleiter Franz Huber erklärt, seien die Unterlagen erst ganz frisch in der Gemeinde angekommen. Vor einer Entscheidung müsse zunächst der zuständige Arbeitskreis mit dem Thema betraut werden. Die nächste Sitzung ist für den 3. Februar angesetzt. Vor Ende Ende Februar rechnet Huber daher nicht mit einer Stellungnahme.

Windpark an der Autobahn

Anders sieht die Situation dagegen in Otterfing aus. Hier ist man landkreisübergreifend in Gesprächen mit den Nachbargemeinden für einen Windpark im Hofoldinger Forst. Auf Otterfinger Flur könnten dann zwischen drei und vier Windräder entstehen, schätzt Bürgermeister Jakob Egelseder (CSU). Die Voraussetzungen seien mit dem Regionalplan schon geschaffen.

„In der Diskussion im Gemeinderat hat sich aber nicht ergeben, dass wir mittels eines Bebauungsplans noch näher an die Bebauung heran gehen wollen“, so der Bürgermeister. Schließlich müsse man Rücksicht auf die Bürger nehmen. Der eine habe mit einem Windrad neben dem Haus kein Problem, der andere will sie lieber weit fern von sich haben, weiß Eglseder.

Die LKW sollen nicht im Hofoldinger Forst parken dürfen: DIe Otterfinger wehren sich mit Unterschriften, Landschaftsschutz und Veränderungssperre.
Nach dem Willen der Otterfinger soll im Hofoldinger Forst ein Windpark und kein LKW-Rastplatz entstehen.

Entschieden sei aber noch nichts. Insgesamt könnten in dem ganzen Park entlang der Autobahn etwa 14 bis 16 Windräder entstehen. Die Planungen hängen allerdings auch davon ab, ob die Regierung von Oberbayern von dem geplanten LKW-Parkplatz Abstand nimmt. Dieser würde weiteren Platz beanspruchen.

Zudem ist Eglseder auch bei den Windstärken skeptisch. Momentan sähe es so aus, als ob in den südlichen Regionen eher wenig Wind wehen würde und sich damit ein Windrad überhaupt rentieren würde. Hier widerspricht allerdings Haberzettl. Spätestens 2016 stünden Anlagen bereit, die speziell für den südlichen Raum entwickelt wurden und auch mit weniger Wind auskämen.

Würden die Anlagen in Valley und Otterfing tatsächlich gebaut, könnte Haberzettl zumindest damit leben: „Das wäre schon als Erfolg zu werten.“ In Otterfing ist man jedenfalls bereit seinen Beitrag leisten. „Solange der Wind weht, wollen wir uns der Windenergie nicht verschließen“, findet Eglseder, und bildet damit im Landkreis eine seltene Ausnahme.


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