“Weit mehr als nur zwei Logos”

von Christopher Horn

Am vergangenen Freitag wurden in Bayrischzell die neuen Marken für die „Neue Alpenregion Tegernsee Schliersee” und „Der Tegernsee“ vorgestellt. Viele Einheimische sehen den neuem Markenauftritt dabei kritisch.

Das zeigen auch die rund 100 Kommentare, die auf der TS und über Facebook abgegeben wurden. So bezeichnete Jens Hecker stellvertretend für viele Leser das Logo des Tegernsees als „viel zu altbacken und bieder“. Wir haben TTT-Chef Georg Overs heute auf die Kritik angesprochen.

TTT-Geschäftsführer Georg Overs erklärt, warum die beiden Logos so gewählt wurden.
TTT-Geschäftsführer Georg Overs erklärt, warum die beiden Logos so gewählt wurden.

Guten Tag, Herr Overs, nachdem wir als Pressevertreter die neuen Markenauftritte bereits vorab präsentiert bekamen, wurden diese am vergangenen Freitag dann auch der Öffentlichkeit vorgestellt. Wie beurteilen Sie die Reaktionen der Öffentlichkeit?

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Georg Overs: Im Rahmen der offiziellen Präsentation am vergangenen Freitag haben wir für die Vorstellung der beiden Marken vor mehr als 200 Vertretern aus dem Tourismus viel positives Feedback erhalten. Ich habe aber natürlich auch die Diskussion in der Tegernseer Stimme verfolgt. Leider konnten Sie ja an der Veranstaltung am Freitagabend nicht teilnehmen. Vor allem freut uns, dass die Begeisterung der Werteproduzenten und weiterer regionaler Produzenten so groß ist, dass sie die Marken verwenden werden. Das gilt auch für die SMG.

Was halten Sie von dem Vorwurf, die beiden Logos für die ATS und die Premiumregion “Der Tegernsee” seien altbacken und bieder?

Georg Overs: Die Logos sind nicht altbacken, sondern zeitlos. Sie sprechen die Zielgruppen klar an. Zudem vermitteln sie eine Botschaft, die auch im Markenkern hinterlegt ist. Sie sollen als Güte- und Qualitätssiegel für den Tegernsee und die Alpenregion Tegernsee Schliersee dienen. Natürlich werden wir insbesondere die Gastgeber der Region ausführlich in Versammlungen informieren.

Bewusst klassisch gehalten

Einige unserer Leser glauben, dass mit diesem Logo das Image des Tals als „Rentnerparadies“ weiter gepflegt wird, anstatt auf Themen wie Ursprünglichkeit, Sport und Erholung zu setzen. Was sagen Sie dazu?

Georg Overs: Natürlich wollen wir auch andere Zielgruppen ansprechen. Rentner pauschal als Zielgruppe zu nennen, ist sicherlich zu undifferenziert. Betrachtet man die im Logo hinterlegten Werte, sprechen wir nun durchaus auch neue Zielgruppen an. Ich kann jedoch das Vorurteil gegen ältere Menschen hier aus fachlicher und menschlicher Sicht nicht stehenlassen.

Warum haben Sie ganz bewusst auf diese klassische Optik gesetzt?

Georg Overs: Durch die klassische Optik sind wir nicht gezwungen, alle paar Jahre ein neues Logo zu präsentieren. Unser Ziel ist es, dieses Logo nachhaltig einzusetzen und uns nicht irgendwelchen Moden zu unterwerfen.

Können Sie die Kernbotschaft des Logos nochmals in zwei Sätzen zusammenfassen?

Georg Overs:Magische Augenblicke in einer urbayerischen Region erleben. Das kann eine Wanderung in der wunderschönen Landschaft, gutes Essen in einer bayerischen Wirtschaft, einem Sterne-Restaurant oder ein Waldfestbesuch und vieles weitere sein. Oft sprechen wir hier über Kleinigkeiten und Details. Unsere Betriebe und wir arbeiten täglich daran, das Angebot noch weiter zu optimieren.

An dem Design des Logos scheiden sich derzeit die Geister
An dem Design des Logos für den Tegernsee scheiden sich derzeit die Geister

Wie ist die Auswahl der am Wettbewerb teilnehmenden Agenturen erfolgt?

Georg Overs: Zunächst wurden 13 Agenturen aus dem Kompetenzteam heraus vorgeschlagen. Jedes Mitglied durfte hier Vorschläge machen. Dann konnten die Agenturen ihre Referenzen einreichen und begründen, warum sie für diese Aufgabe besonders geeignet sind. Aus diesen Agenturen wurden schließlich drei Finalisten ausgewählt.

Welche Vorgaben hat man den Finalisten dann an die Hand gegeben?

Georg Overs: Die drei Finalisten wurden in einem Briefing mit weiteren Informationen ausgestattet. Wir haben ihnen dann das mit dem Kompetenzteam ausgearbeitete Wertesystem gegeben, und daraus hat jeder Bewerber dann Vorschläge erarbeitet. Jede Agentur hatte schließlich 60 Minuten Zeit, um ihre Vorschläge zu präsentieren. Im Anschluss daran folgten Fragen des Kompetenzteams. Am Ende hat man sich einstimmig für den Vorschlag von Zeichen und Wunder entschieden.

Wer ist im Kompetenzteam vertreten?

Georg Overs: Dort sind die privaten Gesellschafter der TTT und der ATS, einige Hoteliers, die Steuerungsgruppe Tourismus sowie die Vertreter der Tourismusorganisationen im Landkreis vertreten. Uns hat die Meinung der privaten Leistungsträger natürlich sehr interessiert, und wir sind froh, dass wir hier einen breiten Beschluss haben. Von Hinterzimmer kann keine Rede sein.

Die Finalisten kommen aus München

Ist man auch an Agenturen aus der direkten Umgebung herangetreten?

Georg Overs: Es wurden auch kleinere Agenturen aus der Region berücksichtigt. Unter den drei Finalisten waren jedoch nur drei Agenturen aus München.

Was hat die Ausarbeitung des Markenauftritts gekostet? Branchenkenner gehen von insgesamt 30.000 bis 40.000 Euro für die Erstellung beider Logos aus.

Georg Overs: Wir haben vereinbart, über Vertragsinhalte nicht zu sprechen. Der angesprochene Kostenrahmen ist aber nicht unrealistisch.

Wer kommt für diese Kosten auf?

Georg Overs: Das ist eines der Projekte des Masterplans und wird daher zu je einem Drittel von den Kommunen, dem Landkreis und der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee getragen.

Warum wurden die Vorschläge anderer Agenturen nicht veröffentlicht?

Georg Overs: Es ist nicht üblich, und die Agenturen legen auch Wert darauf, ihre Vorschläge nicht zu veröffentlichen. Sonst müssten einige in der Öffentlichkeit eingestehen, dass sie eine Niederlage erlitten haben.

Herr Overs, vielen Dank für das Gespräch.

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