Einsatz von Pestiziden

Holzkirchen lässt’s – Pächter dürfen’s

Schon seit einiger Zeit verzichten die Holzkirchner Gemeindewerke auf Pestizide. Die Grünen forderten nun, dieser Praxis auch politische Rückendeckung zu geben. Und sie wollten noch mehr – doch da spielte der Gemeinderat nicht mit.

Auf Holzkirchner Äckern und Wiesen dürfen nach dem Willen der Gemeinderäte auch weiterhin Pestizide eingesetzt werden.

Selten ist die Tagesordnung des Holzkirchner Gemeinderats so dicht wie auf der gestrigen Sitzung. Bis um 22 Uhr dauerte der öffentliche Teil, obwohl einige Themen bereits während der Sitzung auf kommende Woche verschoben wurden.

Als der Antrag des Grünen-Mitglieds Karl Bär aufgerufen wurde, stand manchen Gemeinderäten und dem Bürgermeister schon eine gewisse Erschöpfung ins Gesicht geschrieben. Dennoch rafften sie sich noch einmal zu einer engagierten Diskussion auf.

Pachtverträge sollen angepasst werden

Karl Bär erläuterte, dass der Verzicht auf Pestizide auch auf die verpachteten Flächen der Marktgemeinde ausgedehnt werden solle. In den regulären Pachtverträgen, deren Formulare die Stadt vom Bayerischen Bauernverband übernimmt, ist dieser Passus nicht vorgesehen. Aber man könne ein Verbot, Pestizide einzusetzen als Sonderregelung einführen.

Pächter von Wiesen und Äckern seien mit einem Schreiben darüber zu informieren. Der 3. Bürgermeister Robert Wiechmann (Die Grünen) sekundierte und gab die Information, dass es zwar viele Einschränkungen für den Einsatz von Pestiziden gebe, aber 92 Ausnahmetatbestände diese Regeln erheblich aufweichen.

Riesenproblem für Landwirtschaft

Diesem Antrag stellte sich Martin Taubenberger (FWG) entschieden entgegen. Für die konventionelle Landwirtschaft sei das ein Riesenproblem. Man solle der allgemeinen Panikmache nicht erliegen. Dass nun auch der Kreistag die Empfehlung aussprechen möchte, kein Glyphosat mehr zu verwenden, sei für ihn kein Problem.

Aber der Antrag von Karl Bär wende sich gegen den kompletten Pflanzenschutz, wie er den Einsatz von Pestiziden nannte, und das, obwohl selbst im Wasserschutzgebiet der Stadtwerke München, wo er selbst Flächen bewirtschafte, Pflanzenschutz noch möglich sei. Dann bliebe nur noch, sämtliche Äcker in Grünland zu verwandeln. Und selbst dort müsse man dann Ampfer, der giftig ist und den die Kühe als Nahrung verweigern, mit der Hand selbst ausstechen.

Der Antrag scheitert am gesplitteten Abstimmungsverfahren

Christoph Schmid von der CSU wollte wissen, wie groß die Fläche denn insgesamt sei, die davon betroffen wäre. Eine Frage, auf die zunächst auch die anwesenden Vertreter der Gemeindeverwaltung keine Antwort wussten. Aber klar ist, so Schmid, dass der Pflanzenschutz eine Gefahr für die Artenvielfalt ist. Deshalb sei er für diesen Antrag.

Auch Irmi Ammer von der SPD erklärte, dass ihre Partei den Antrag mitträgt, schlug aber vor, in Stufen zu entscheiden, d. h. separat darüber abzustimmen, ob die Gemeinde zukünftig im eigenen Wald und im Bauhof auf Pflanzenschutz verzichtet und ob sie diesen Verzicht auch den Pächtern gemeindeeigener Flächen zur Pflicht machen will. Damit war auch Antragsteller Karl Bär einverstanden.

Das Ergebnis der Abstimmung dürfte für ihn allerdings enttäuschend ausgefallen sein. Denn der Antrag, im eigenen Wald auf Pestizide zu verzichten, ebenso wie der Antrag, sie auch im Bauhof nicht einzusetzen, wurde von der Ratsversammlung einstimmig befürwortet. Der Vorschlag aber, diesen Verzicht auch auf die Pächter zu übertragen, scheiterte an 12 Gegenstimmen.


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