Im Stuhlgang nach Stadelheim

Eine Einbruchsserie verunsicherte 2015 das Tegernseer Tal. Nun wurden fünf der Täter zu hohen Haftstrafen verurteilt. Unter ihnen auch der Bandenchef. Sein etwas sorgloser Umgang mit einem menschlichen Bedürfnis wurde ihm am Ende zum Verhängnis.

Eine Einbruchserie verunsicherte lange Zeit das Tal. Jetzt schnappte die Kripo vier Tatverdächtige.
Nach dem Aufbruch eines Tresors erledigte der mutmaßliche Panzerknacker seine Notdurft neben einem Stadel in Rottach-Egern. Das führte die Polizei auf seine Spur.

Den ganzen heißen Sommer 2015 hatten damals unbekannte Täter das Tegernseer Tal auf Trab gehalten. In mehr als zwölf Restaurants und Hotels wurde eingebrochen. Die TS hatte exklusiv Anfang Juli 2015 über die Einbruchsserie berichtet. Doch auch danach gingen die Täter weiter ans Werk. Wie berichtet, standen die mutmaßlichen Einbrecher vor dem Münchner Landgericht. Gestern erging das Urteil. Doch der Reihe nach.

Alles begann in der Nacht auf den 17. Mai 2015 mit einem Einbruch in ein Wiesseer Hotel. Die Täter drangen damals gewaltsam in die Geschäftsräume ein und stahlen Bargeld in fünfstelliger Höhe. In den folgenden Monaten wurden immer wieder Einbrüche in Wiessee, Rottach-Egern, Tegernsee und Kreuth gemeldet. Dabei hatten es die Täter vor allem auf die Tresore der Hotels, Pensionen und anderer Betriebe abgesehen.

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Zwei mutmaßliche Täter können zuerst fliehen

Die gestohlene Geldsumme und der angerichtete Sachschaden belief sich in allen 24 Fällen – die Täter waren auch in München und Umgebung aktiv – auf einen sechsstelligen Betrag. Aufgrund der vielen Einbrüche gründete die Kripo zusammen mit Beamten der Inspektion Bad Wiessee zwischenzeitlich eine Ermittlungsgruppe mit dem Namen „Tresor“.

Im Oktober 2015 nahm die Polizei vier der sechs Täter fest. Zwei weitere schnappten die Beamten drei Wochen später. Wie berichtet, gingen die fünf Männer und eine Frau bei der ihnen zur Last gelegten Einbruchserie in unterschiedlicher Besetzung vor. Seit Januar standen die zwischen 35 und 55 Jahre alten Täter immer wieder vor dem Münchner Landgericht.

Neben Rottacher Stadel erleichtert

Ebenfalls verantworten musste sich der mutmaßliche Bandenchef Edvin D. In der Nacht vom 21. auf den 22. Juni 2015 hatten der 40-Jährige und seine Komplizen ein Rottacher Hotel ausgeraubt. Dabei rissen sie einen Möbeltresor aus einem Schrank und nahmen 8.300 Euro mit. Danach ließen sie den schweren Tresor direkt neben einem Stadel liegen. Und dort musste Edvin D. mal für große Panzerknacker – und hinterließ somit seine DNA.

Damit erleichterte er gleichzeitig den Ermittlern die weitere Arbeit. Ein Abgleich mit dem Zentralregister ergab einen Treffer. Und das führte die Kripo am Ende zu der kompletten Diebesbande. Vor Gericht schilderte die Staatsanwältin zum Prozessauftakt detailliert die 24 Einbrüche und Tresoraufbrüche, die die Bande begangen haben soll. Dabei wurden rund 170.000 Euro erbeutet. Der Sachschaden war ebenfalls immens.

Gestern nun hat das Landgericht München II nach rund 14 Verhandlungstagen und mehreren Monaten die fünf Männer der “Panzerknackerbande” zu Haftstrafen zwischen vier und siebeneinhalb Jahren verurteilt. Die 46-jährige Frau in der Truppe wurde am Ende nur wegen Strafvereitelung verurteilt. Sie muss aufgrund der Bewährungsstrafe – die Frau hatte Beweismittel vernichtet – nicht ins Gefängnis.

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