Party statt Patientenerholung?

Auf dem Gelände der Klinik im Alpenpark steht seit Jahrzehnten ein kleines Badehaus. Dies soll nun zur Erholung der Patienten behindertengerecht erweitert werden. Doch die Kreuther Gemeinde ist skeptisch: sie befürchtet, dass dort mehr Party als Erholung stattfinden wird.

Ein kleines Badehaus auf dem Gelände der Klinik im Alpenpark soll vergrößert werden.

Der Kreuther Gemeinderat beschäftigte sich in der gestrigen Sitzung mit einer Bauvoranfrage der Klinik im Alpenpark. Dabei geht es um ein kleines Badehaus im Außenbereich. Das Bestandsgebäude wurde 1957 als Bootshaus mit Umkleideräumen genehmigt. Das Badehaus ist bisher sieben mal 2,20 Meter, sprich zirka 15,4 Qudratmeter groß. Nun soll das alte Häuschen sowohl umgebaut als auch vergrößert werden, „um eine behindertengerechte Nutzung am See zu ermöglichen“, heißt es in dem offiziellen Antrag.

Dabei soll es sowohl zum Nordwesten als auch zum Südosten hin auf insgesamt rund 44,5 Quadratmeter erweitert werden. Aufgrund der nordwestlichen Erweiterung können laut Verwaltung jedoch die Abstandsflächen von zwei Metern nicht mehr eingehalten werden. „Es können dann nur noch lediglich 80 Zentimeter zur öffentlichen Verkehrsfläche nachgewiesen werden.“ Bereits hier wäre also eine erste Abweichung von der Kreuther Gestaltungssatzung nötig.

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Doch auch bei der Dachneigung müsste die Gemeinde ein Auge zudrücken. Geplant ist eine Neigung von elf Grad, erlaubt ist nach der Gestaltungssatzung jedoch nur eine Neigung von 18 bis 22 Grad. Auch hier wäre also eine Abweichung nötig. Martin Walch (SPD) ergreift zuerst das Wort und lässt kein gutes Haar an den Plänen: „Es geht hier um eine Verdreifachung der bebauten Fläche in diesem sensiblen Bereich am Ringsee. Das ist für mich schlicht nicht tragbar.“

Erweiterung für Patienten oder Hotelgäste?

Vize-Bürgermeister Wolfgang Rebensburg (FWG) versucht zu schlichten: „Das Badehaus ist ja für die Patienten dort, warum sollte das nicht genutzt und an die heutigen Bedürfnisse angepasst werden? Ich könnte damit leben, wenn die Abstandsflächen und die Dachneigung eingehalten werden.“ Doch auch Evi Baumgartner (SPD) ist der selben Meinung, dass das Vorhaben zu groß ist, und hat sogar noch eine brisante Information für den Gemeinderat:

Wenn ich bei uns im See schwimmen war, dann konnte ich das Badehaus sehen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das von vielen Patienten genutzt wird – sondern von Gästen verschiedener Hotels rund um den See.

Martin Mehringer (CSU) kann diese Beobachtung bestätigen: „Als ich dort in der Nähe war, baute gerade das Catering eines hier bekannten Hotels das Buffet auf.“ Er fürchtet, dass dort künftig vor allem Veranstaltungen stattfinden werden: „Es muss festgelegt werden, dass das auch wirklich ein Badehaus für Patienten bleibt.“ Zustimmendes Murmeln der anderen Gemeinderatsmitglieder.

Gemeinde fordert kleinere Variante

Robert Kasper (SPD) befürchtet vor allem einen Präzedenzfall: „Da unten stehen ja mehrere solcher Hütten. Wenn wir jetzt hier so eine Erweiterung genehmigen, wollen das die anderen auch.“ Für ihn sollte das jedoch in dem sensiblen Naturbereich am Ringsee keinesfalls geschehen. „Da müssen wir vorsichtig sein.“

Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) macht daher den vorsichtigen Vorschlag, den gesamten Antrag zurückzustellen, „um erst die Fragen zu klären.“ Kopfschütteln als Antwort: das Gremium sieht darin keinen Nutzen, sondern will über die Bauvoranfrage sofort abstimmen. Einstimmig lehnte der Kreuther Gemeinderat damit die Pläne ab. „Ich würde vorschlagen, dass wir den Bauherren auffordern, entsprechende Varianten vorzubringen, bei denen die Vorgaben eingehalten werden“, so Bierschneider abschließend.

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