Serie: Die schönsten Bau-Denkmäler am Tegernsee
Per Zufall ins Heimatglück

von Nadja Weber

Zum prägenden Bild des Tegernseer Tals gehören nicht nur der See, sondern auch die noch verbliebenen alten Bau-Denkmäler. Hinter den dicken Wänden verstecken sich oftmals interessante Geschichten über Heimatglück und die persönliche Liebe zum Tegernsee. Wir haben uns auf die Suche nach den Perlen des Tals gemacht.

In diesem stattlichen Holzblockhaus aus dem 17. Jahrhundert wohnt Rosalia Betz.
In diesem stattlichen Holzblockhaus aus dem 17. Jahrhundert wohnt Rosalia Betz.

Der Bauernhof „Beim Deyerl“ in Holz wirkt imposant. Das denkmalgeschützte Anwesen aus dem 17. Jahrhundert zählt als Holzblockbau zu den schönsten Höfen im Tal. Von der Eigentümerin Rosalia Betz werden wir herzlich empfangen.

Über den großen Balkon, der um drei Hausseiten reicht, führt sie uns hinein in die Stube. Stolz zeigt sie den traumhaften Seeblick. Die 86-jährige Eigentümerin verbindet eine ganz besondere Geschichte mit ihrem Haus. Dass sie damals die rechtmäßige Erbin war, erfuhr Rosalia durch Zufall.

Ein Traum ging in Erfüllung

Einst war der Bauernhof im Besitz von Johann Obermüller zum Deyerl. Die Tante von Rosalia Betz war mit ihm verheiratet. Da eine Vererbung des Anwesens an die Tante notariell nicht erfolgte, ging der Hof an ihre Mutter.

Somit waren Rosalia und ihr Bruder die rechtmäßigen Erben des Anwesens. Doch damit wurde die Geschwisterliebe auf eine harte Probe gestellt: Ihr Bruder wollte das Haus verkaufen. Doch Rosalia und ihr Ehemann Ernst waren begeistert und fest entschlossen, den Bauernhof zu erhalten. Sie erinnert sich noch gut:

Mein Mann und ich haben schon immer von einem Haus in den Bergen geträumt. Und dann auch noch am Tegernsee! Das war so ein großes Glück.

Man habe nicht lange überlegt und sich kurzerhand entschieden, am Tegernsee wohnen zu bleiben. Für das Ehepaar Betz kam es auf keinen Fall in Frage, das Haus in fremde Hände zu übergeben.

Deshalb habe man den letzten Pfennig mit Mühe und Not zusammengebracht, um den Bruder auszuzahlen, so die Hauseigentümerin. Doch dann kam das bittere Erwachen. Rosalia berichtet: „Als mein Mann und ich hier ankamen, war das Haus in einem elendigen Zustand. Die Fenster waren zugenagelt, die Holzbalken hingen von der Decke und alles war feucht und dreckig.“

Viel Kraft und guter Wille

Dann begannen Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen, die sich 20 lange Jahre hinziehen sollten. Doch die Familie hielt zusammen. Rosalia erinnert sich an die harte Zeit: „Mein Mann hat all das gemacht, was Sie hier sehen. Aus eigener Kraft haben wir das Haus damals, mit allem was wir hatten, wieder aufgebaut.“ Später, so erzählt sie, hätten auch die beiden Söhne mitgeholfen, das Haus zu renovieren und neu aufzubauen.

Aus eigener Kraft und mit viel Geld hat Familie Betz das Haus zu dem gemacht, was es jetzt ist.
Aus eigener Kraft und mit viel Geld hat Familie Betz das Haus zu dem gemacht, was es jetzt ist.

Seit ihr Mann vor fast fünf Jahren verstorben ist, lebt Rosalia allein in dem großen Haus. Doch das macht der 86-Jährigen nichts aus. Die vielen Erinnerungen, die sie mit dem Anwesen verbindet, scheinen die Einsamkeit zu verdrängen. Eine Antwort auf die Frage, in welche Hände der Hof „Beim Deyerl“ einmal übergeben wird, kann sie nicht geben. Doch eines weiß die Rentnerin genau:

Verkaufen? – Nur über meine Leiche! Nicht für alles Geld der Welt würde ich meine Heimat verkaufen.

Interessenten gebe es genügend, lacht Rosalia. Anrufe und Briefe von Immobilienmaklern bekommt sie regelmäßig. Sogar ein dreister Jogger habe sie gefragt, ob der Hof zum Verkauf stehe, berichtet sie empört. „Aber solange ich lebe, werde ich dieses Haus nicht verlassen!“

Weitere Eindrücke vom Anwesen „Beim Deyerl“:

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