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Kaum bezahlbarer Wohnraum

Preise gehen durch die Decke

Von Maximilian Liegl

In Zeiten des Niedrigzins und dem schwachen Euro sind Immobilien beliebter denn je. Es gibt nur ein Problem: In Holzkirchen ist bezahlbarer Wohnraum Mangelware – und das wird ausgenutzt.

Holzkirchen fehlt es an neuen Bauprojekten um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen
Holzkirchen fehlt es an neuen Bauprojekten um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen

Auf dem Sparbuch arbeitet das Geld eher mäßig, der Euro verliert seit Monaten an Wert – keine gute Zeit für Anleger. Doch nicht nur die Zinsen auf das eigene Kapital sind niedrig. Auch Baufinanzierungen sind momentan sehr günstig.

Ist jetzt also der perfekte Zeitpunkt für das Projekt Eigenheim? Ein Gedanke der bei der aktuellen Wirtschaftslage vielen durch den Kopf geht. Und tatsächlich – wer das passende Kleingeld besitzt, für den sind Immobilien derzeit eine gute Anlage.

Nachfrage hoch, Preise enorm – kein Angebot

Soweit die Theorie. In der Praxis ist der Immobilienmarkt der Gemeinde Holzkirchen jedoch katastrophal. Bestätigen kann das die Holzkirchner Maklerin Helga Manger: „Die aktuelle Situation in Holzkirchen ist wirklich schlecht.“ In den letzten zwei Jahren sind die Immobilienpreise um 20 – 50% gestiegen.

„Ich habe 2002 ein Objekt für 425 000 Euro verkauft – jetzt ist es 650 000 Euro wert“, so Manger. Doch trotz der explodierenden Preise ist die Nachfrage enorm: „Es lässt sich eine Kapitalflucht in Immobilien beobachten.“

Doch selbst zahlungskräftige Anleger haben es in Holzkirchen schwer. Das Angebot ist inzwischen extrem gering, denn nur die wenigsten möchten in diesen unsicheren Zeiten verkaufen. Unter Immobilienbesitzern gilt das Motto: Was bringt mir das Geld, wenn es keine Zinsen mehr bringt?

Langjähriges Versäumnis der Bauträger

Die Ursache des Problems ist zu großen Teilen das langjährige Versäumnis in neue Wohnprojekte zu investieren: „Es wurde einfach zu wenig gebaut“, bestätigt Maklerin Ina Pschiuk. Die Gründe dafür kennt Immobilienexpertin Petra Mai:„Von 2001 bis 2009 haben die Bauträger kein Geld von den Banken erhalten.“

Seit 30 Jahren ist Mai nun schon als Maklerin in Holzkirchen tätig. Doch so eine Situation habe es noch nie gegeben: Kaum vorhandenes Angebot, niedrige Bauzinsen und mangelndes Vertrauen in die Währungen sind nur einige der Gründe für die explodierenden Preise. „Es droht der Supergau“, befürchtet Pschiuk.

Marktlage wird ausgenutzt

Die prekäre Lage wird dabei scheinbar ausgenutzt: „Makler von außerhalb treiben die Preise absichtlich weiter nach oben“, sagt Mai. Diese treten an die Vermieter heran und raten aufgrund der aktuellen Marktlage zu Miet- und Preiserhöhungen. Viel Überredungskunst ist bei der Aussicht auf mehr Geld nicht nötig.

Die Taktik scheint aufzugehen: „Trotz der Preise wollen die Leute ihr Geld loswerden – aus Angst“, so Mai. Egal ob potenzielle Häuslebauer, Anleger oder Mieter: Die Verknappung des Angebots trifft alle und wird die Preise weiter nach oben treiben – sofern keine neuen Projekte auf den Weg gebracht werden.

Um die Lage in den Griff zu bekommen, forderte SPD Gemeinderats Hans Putzer jüngst neue Bauprojekte. Fortschritte wird es aber wohl erst nächsten Monat geben. In der Sitzung am 05. Mai wird der Antrag der SPD dann jedenfalls behandelt.


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