Haushaltsplan als Bibel einer Kommune

Preysing übergibt Gemeinde „faktisch schuldenfrei“

Von Maxi Hartberger

Zum letzten Mal beschäftigte sich Bürgermeister Georg von Preysing mit der Haushaltsplanung. Im Vergleich zu anderen Kommunen stehe Gmund sehr gut dar, teilte der Gmunder Rathauschef mit. „Es wird schwierig für meinen Nachfolger, das alles zu verschleudern“.

Die finanzielle Situation der Gemeinde Gmund: Eigentlich ein Grund für den scheidenden Bürgermeister Georg von Preysing, ein letztes Mal vor Freude die Wände hochzugehen. / Archivbild

„Der Haushalt ist das wichtigste Dokument für eine Kommune. Allerdings wird das nicht von allen so gesehen“, erklärt Bürgermeister Georg von Preysing zu Beginn seiner letzten Gemeinderatssitzung. Viele Bürger würden sich nicht für trockene Zahlen interessieren. „Doch für uns ist der Haushalt praktisch wie die Bibel – sie gibt vor, was wir das ganze Jahr über machen dürfen und was nicht.“ Damit übergab von Preysing das Wort an Kämmerer Georg Dorn, der zum ersten Mal den Gmunder Haushalt vorstellte.

„Ich hab mir überlegt, wie ich den Haushalt so übersichtlich wie möglich darstellen könnte“, begann dieser. Er habe deshalb die wichtigsten Zahlen auf nur eine Seite gepackt. Angefangen mit dem Verwaltungshaushalt: Man sei mit 14,5 Millionen Euro relativ gleich zum Vorjahr geblieben. Beim Vermögenshaushalt sieht es jedoch anders aus: waren es im Jahr 2017 noch 8,4 Millionen, werden es heuer nur rund vier Millionen Euro sein. „Dazu muss man anmerken, dass mehrere Projekte über mehrere Jahre laufen“, erklärte Dorn.

5,1 Millionen Euro für Kreisumlage

Der Kämmerer kam dann zu den Zuführungen zum Vermögenshaushalt. „Die stellen am besten die Leistungsfähigkeit einer Gemeinde dar.“ Diese Summe habe die Gemeinde aus eigener Kraft erwirtschaftet. Auf den ersten Blick sehen die Zahlen jedoch ernüchternd aus: im Jahr 2017 konnten 2,4 Millionen Euro und heuer nur 432.270 Euro zum Vermögen hinzugeführt werden. Die wesentlich geringere Summe resultiert vor allem aus der höheren Kreisumlage, die die Gemeinde zu zahlen hat. Von Preysing ergänzt in diesem Zusammenhang:

Wir sind ungefähr die sechst- oder siebtgrößte Gemeinde im Landkreis. Bei der Kreisumlage sind wir allerdings der drittgrößte Zahler mit 5,1 Millionen Euro. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau, schließlich ist diese hohe Summer der guten Wirtschaftskraft unserer Gemeinde zu verdanken.

Gewerbe- und Einkommenssteuer machen in diesem Jahr rund 9,1 Millionen Euro aus. „Ich hab da einen Puffer angesetzt von rund 550.000 Euro“, so der Kämmerer. Aufgrund der guten Wirtschaftslage sei er aber guter Dinge, dass die hochgerechneten Einnahmen am Ende des Jahres stimmen. Dorn schätzt den gesamten Rücklagenstand zum Jahresende auf rund 7,4 Millionen Euro. „Der Schuldenstand erhöht sich von 6,3 auf 6,9 Millionen Euro. Das rührt daher, dass wir in Ostin einen kommunalen Wohnungsbau planen.“

Gemeinde investiert weiter in Wohnungen

Das Investitionsvolumen der Gemeinde Gmund betrage für 2017 und 2018 insgesamt 10,4 Millionen Euro. Die Summe setze sich aus dem Vermögenserwerb wie beispielsweise Grundstücken und der Baumaßnahmen in den nächsten zwei Jahren zusammen. „Und obwohl wir so große Investitionen haben, haben wir dennoch noch einen guten Rücklagen stand“, so Dorns Fazit. „Wir haben mehr Rücklagen als Schulden.“

Um dem Gemeinderat das Investitionsvolumen zu erklären, zählte der Kämmerer einige größere Projekte auf, die in diesem Jahr anstehen. Ein neues Fahrzeug für die Feuerwehr Gmund, kompletter Austausch der EDV im Rathaus, der letzte Bauabschnitt der Tölzer Straße, der Bahnhalt an der Realschule und der Hochwasserschutz in Moosrain. Die größte Investition werde das kommunale Mehrfamilienhaus in Ostin in der Georg-Stöger-Straße für 2,2 Millionen sein.

Gmund bleibt schuldenfrei

„Wie ich bereits in der Bürgerversammlung erwähnt habe, haben wir in den letzten 18 Jahren insgesamt 52 Millionen Euro investiert – das ist schon eine stolze Summe“, zieht von Preysing ein Gesamtfazit für seine Zeit als Bürgermeister. „Wir haben immer schon gut gewirtschaftet. Wir als Gemeinde können uns deshalb Sachen leisten, an die sich andere Kommunen gar nicht hin trauen können.“ Dabei erlaubt er sich auch einen Vergleich:

Wenn man in der Zeitung liest, wie es da in anderen Gemeinden aussieht – da haben wir es schon gut bei uns. Wir sind faktisch schuldenfrei und das sichert uns natürlich einen gewissen Spielraum.

Der scheidende Rathaus-Chef ist zufrieden: „Wenn mein Nachfolger nicht alles verschleudert, schaut’s bei uns gut aus. Wobei es ziemlich schwierig wäre, das alles auszugeben“, schließt er seine letzte Sitzung mit seinem typischen Preysing-Humor. Einstimmig genehmigte der Gemeinderat die Finanzplanung.


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