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Morgen stehen Kreidl, Bromme und Co. vor Gericht

Prozessbeginn der Miesbacher Amigo-Affäre

Morgen beginnt vor dem Landgericht München II die juristische Aufarbeitung des Falles, der vor viereinhalb Jahren begann. Wegen des Verdachts der Untreue verlor der Miesbacher CSU-Landrat Jakob Kreidl alle seine Ämter. Mit ihm auf der Anklagebank sitzen: Ex-Sparkassenchef Georg Bromme, sein Nachfolger Martin Mihalovits und Vorstand Roland Böck.

Jakob Kreidl (Mitte) steht morgen vor Gericht. / Archivbild

Das Verfahren gegen einen fünften Beschuldigten, ebenfalls ein Sparkassen-Manager, wurde laut Süddeutscher Zeitung eingestellt. Mit zwei weiteren Beschuldigten, darunter der frühere Vize-Landrat Arnfried Färber, soll die Staatsanwaltschaft auf Anregung des Gerichts über eine Rücknahme der Anklage verhandeln.

Im Mittelpunkt des auf 21 Verhandlungstage angesetzten Prozesses stehen Kreidl und Bromme. Dem Ex-Landrat soll die Staatsanwaltschaft Untreue in 17 Fällen vorwerfen, davon zehn in Tateinheit mit Vorteilsnahme. Bei Bromme sind die Vorwürfe schwerwiegender. Bei ihm soll es laut Anklage 68 Fälle von Untreue gegeben haben, davon 37 in Tateinheit mit Vorteilsgewährung. Ferner ein Fall der Anstftung zur Untreue und einmal Bestechung. Nach Medienberichten wollten sich Kreidl und Bromme zu den Vorwürfen nicht äußern. Sie sollen sich allerdings strikt dagegen verwahrt haben. Die Vorwürfe gegen Brommes Nachfolger Mihalovits sind dagegen weniger schwerwiegend: neun Mal Untreue, zwei Mal Vorteilsgewährung und gegen Böck seien es acht Fälle der Untreue.

„Touristische“ Bürgermeisterfahrt in die Schweiz

Kreidls fürstliche Feier zu seinem 60. Geburtstag 2012, die von der Sparkasse und dem Landkreis mit 110.000 Euro gesponsert wurde, ist nur ein Punkt der Anklage. Die Staatsanwaltschaft will demnach 15 weitere Sachverhalte benennen, die offenbaren sollen, wie sehr die Angeklagten ihre Positionen in der Kreissparkasse oder in der Kommunalpolitik zu ihrem persönlichen Vorteil genutzt haben sollen, schreibt die SZ.

Darunter soll ein 55.000 Euro teures Geburtstagsfest für Ex-Vizelandrat Färber der Freien Wähler sein, ebenso eine dreitägige Bürgermeister-Fahrt nach Interlaken für 85.000 Euro. Grund der Reise soll die „Informationsgewinnung im Bereich Regionalentwicklung“ gewesen sein. Sie sei wohl ausschließlich touristischer Natur gewesen, behauptet dagegen die Staatsanwaltschaft.

Millionenschaden zunächst für Kreissparkasse

Ausserdem wird sie Kreidl und Bromme die fast 180.000 Euro teure Sanierung des Landratsamtsbüros anlasten, welche die Kreissparkasse finanzierte. Insgesamt musste die Sparkasse in der Affäre zunächst wohl einen Gesamtschaden von mehr als fünf Millionen Euro verbuchen. Ihre Haftpflichtversicherung soll zwei Millionen erstattet haben.

Mittlerweile gelten alle Schadensersatzansprüche als erledigt. Sitzengeblieben ist das Geldinstitut auf dem Psallierchor im ehemaligen Tegernseer Kloster, an dem Bromme für 1,5 Millionen Euro ein stetes Nutzungsrecht erworben hatte. Mit der Kirche als Käufer habe es bisher noch keine Einigung gegeben.

Der Prozess soll bis Ende Januar 2019 gehen. Offen dagegen bleibt, wie das Strafverfahren gegen sechs weitere Beschuldigte verläuft. Sie sind allesamt amtierende oder frühere Mitglieder des Sparkassen-Verwaltungsrats. Darunter sind auch Miesbachs Grünen-Landrat Wolfgang Rzehak und Kreuths Bürgermeister Jodef Bierschneider (CSU). Beobachter rechnen damit, dass erst nach Ende des Kreidl-Prozesses über die Zulassung der zweiten Anklage entschieden wird.

Die Tegernseer Stimme wird kontinuierlich über den Prozess am Landgericht berichten.


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