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Zwei Rottacher Flüchtlinge landen vor Gericht

Asylbewerber prügeln sich um’s Geschirr

Von Maxi Hartberger

Eigentlich seien sie laut eigener Aussage befreundet, doch gestern trafen sich zwei Asylbewerber aus der Traglufthalle in Rottach vor Gericht wieder. Der Grund: Ein Missverständnis wegen diverser Küchenutensilien. Der Streit eskalierte und es kam zur Prügelei.

Hier, in der Küche der Rottacher Traglufthalle,  kam es im März zu einer Auseinandersetzung zweier Asylbewerber
Hier, in der Küche der Rottacher Traglufthalle, kam es im März zu einer Auseinandersetzung zweier Asylbewerber

„Mein Mandant hat in der Küche der Traglufthalle in Rottach gekocht, ist kurz rausgegangen und als er wieder kam, war sein Geschirr weg“, erklärt der Tegernseer Anwalt Heino von Hammerstein heute vor dem Amtsgericht Miesbach. So fing damals im März diesen Jahres die Auseinandersetzung zweier afghanischer Asylbewerber in der Unterkunft am Birkenmoos in Rottach-Egern an.

Der Angeklagte, der 36-jährige Asylbewerber Hamid M., sei schon eine Weile dort in der Traglufthalle. Seine Frau und seine vier Kinder leben noch in Afghanistan. Als er an besagtem Abend das Fehlen seiner Küchenutensilien feststellte, wollte der Familienvater von den anderen Asylbewerbern wissen, wer sie weggenommen hat. „Auf diese Frage gab ihm allerdings niemand eine richtige Antwort“, so Hammerstein weiter.

Schimpftirade führt zu Prügelei

Da wurde Hamid sauer und fing an, vor sich hin zu fluchen und zu schimpfen, „es fielen scheinbar Ausdrücke, die unter die Gürtellinie gehen.“ Genau in diesem Moment betrat ein weiterer Bewohner, Syndei, die Küche der Asylunterkunft. Ab diesem Zeitpunkt kam es dann zu einem großen Missverständnis zwischen den beiden Männern.

Der 19-Jährige hatte sich nämlich zwei Tage zuvor von Hamid Speiseöl zum Kochen geliehen. Als er Hamid dann so schimpfen hörte, nahm er an, das sei auf ihn bezogen. „Ich dachte, er schreit wegen mir und dem Öl so rum“, übersetzt ein Dolmetscher den 19-Jährigen Syndei. Er sei dann auf ihn zugegangen und es kam zu einer verbalen Auseinandersetzung:

Es war ein großes Missverständnis. Ich dachte, er ist böse auf mich wegen dem Öl – er dachte, ich wäre derjenige gewesen, der ihm sein Geschirr weggenommen hat. Wir sind beide von falschen Tatsachen ausgegangen.

Doch bei der verbalen Auseinandersetzung blieb es nicht: Hamid schlug seinem Kontrahenten mit der flachen Hand auf die rechte Wange. „Aber ich muss zugeben, dass ich ihn dann auch sofort geschubst habe und er auf den Boden gefallen ist“, erzählt der 19-jährige Afghane. Als Hamid mit dem Kopf auf dem Boden aufschlug, zog er sich eine kleine Platzwunde am Hinterkopf zu. „Die konnte aber mit einem Pflaster versorgt werden“, berichtet sein Verteidiger Hammerstein.

Alles halb so wild!

Weder der angeklagte Hamid noch sein 19-jähriger Kontrahent klagten über Schmerzen. Laut Hammerstein sei die Sache zwischen den beiden Freunden dann auch relativ schnell wieder geklärt gewesen:

Noch am selben Abend oder am nächsten Tag gaben sie sich die Hand, entschuldigten sich und vertrugen sich wieder.

Außerdem haben beide Männer eine Erklärung unterschrieben, von einer Strafanzeige gegen den anderen abzusehen. „Wir sind immer noch befreundet“, beteuert der 19-Jährige. Es sei eben nur ein Missverständnis gewesen und wegen der Platzwunde von Hamid habe die Security die Polizei gerufen.

Da Hamid zuerst handgreiflich wurde, musste er sich gestern vor dem Amtsgericht wegen Körperverletzung verantworten. Nach der Zeugenaussage seines Freundes Syndei forderte die Staatsanwältin 80 Sozialstunden. Richter Walter Leitner sah es etwas milder und verurteilte den 36-Jährigen zu 60 Sozialstunden.


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