Heimische Biere und ihre Paten - Teil 2

Queen of Arcohol

Anfang des 17. Jahrhunderts wanderten die Grafen Arco vom Gardasee nach Bayern aus und Anfang 2012 wurde Bierkönigin Katharina Ziegler im Oberland sesshaft. Eine Bierpatenschaft im Zeichen einer rastlosen Reise, an dessen Ende sich Mensch und Bier in einer Art Heimat begegnen.

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Sag mir was Du trinkst, und ich sage Dir, wer Du bist. Nein, so arg ist es nicht – dennoch scheinen sich so manches heimische Bier und manche Gestalt des öffentlichen Landkreislebens einfach gesucht und gefunden zu haben. Pünktlich zum Fünfhundertsten des Reinheitsgebots stellen wir Ihnen also in einer launigen Serie die Biere der Region und ihre „gschleckerten“ Paten vor.

Eigentlich war eine andere Bierkönigin bestellt für das Pfingstfest der Darchinger DJK. Die Gekrönte musste aber zum vereinbarten Erscheinen dann doch irgendwo anders dekorativ herumstehen und so kam es, dass man sich in Valley zu einer eigenen Kür entschloss. Gesagt, getan, war auch in diesem Jahr ein halbes Dutzend Spielerfrauen bzw. –mütter rekrutiert.

Kathi Ziegler, Mutter von drei DJK-Leistungsträgern im Jugendfußball entschied am Ende die große Show mit viel Biersachverstand und ein wenig Glück das Rennen für sich und muss sich nun bis Pfingsten irgendwie mit der Doppelbelastung aus Familie und Bierkönigin arrangieren.

Das Arco-Bier ist eigentlich kein so richtig einheimisches Bier, war der Stammsitz der feudalen Brauer doch immer im niederbayerischen Adldorf. Aber irgendwie dann eben doch: Im frühen 19. Jahrhundert übernahm man das Braurecht im Schloss Valley und wie seit einiger Zeit bekannt ist, wird in dem idyllischen Gemäuer nach jahrelanger Pause bald wieder gemaischt, geläutert und gekocht werden – zumindest im Rahmen einer kleinen Biermanufaktur.

Heimat ist, wo der Metzger grüßt

Ähnlich verhält es sich mit der Kathi Ziegler, die auch nicht in Unterdarching aufgewachsen ist, sondern etwas östlich davon: In Wladiwostok ist sie geboren, in Kasachstan aufgewachsen, in NRW gelandet und über das Münchner Westend nun mit der Familie in Unterdarching angekommen. Dort wird die ehemalige Jekaterina nun in der Metzgerei Klaus mit „Griasde Kathi“ begrüßt und nach dem Wohl „der Buam“ gefragt.

Eigentlich ist das Ganze eine kleine und schöne Integrationsgeschichte. Ich bin weder besonders katholisch noch bayerisch und gebe zu, mir kam es vor vier Jahren hier vor wie ein einziger Urlaub auf dem Bauernhof. Da ich in meinem bisherigen Leben noch nirgends richtig Wurzeln schlagen konnte, fehlt mir eigentlich dieser klassische Heimatbegriff, dieser Zusammenhang von Umgebung und eigener Identität. Umso schöner ist es dann, wenn man trotzdem irgendwo ankommt, einfach, weil man nett zueinander ist.

Der Sommer fällt auf einen Freitag heuer, und am Abend desselben sitzen wir nun beim zweiten Graf Arco Hell im Wirtsgarten des Valleyer Bräustüberls. Man sinniert über den Begriff der Heimat, den die Ziegler Katharina nach ihrer, fast möchte man sagen, langen Reise durch die Kontinente nicht so richtig mit Bedeutung füllen möchte:

Dort, wo die Familie ist vielleicht. Oder da, wo Brotzeit gemacht wird.

Während wir versuchen, „Brotzeit ist die schönste Zeit“ auf kyrillisch zu transkribieren, zollt man am Nebentisch lautstark den englischen Altersgenossen für den „Brexit“ Respekt.

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Wir haben keine Lust mehr, über Heimat zu sprechen. Ich lasse mir von Katharina, nun ja ihres Zeichens Testimonial der gräflichen Brauerei, glaubhaft versichern, dass das neue „Hell“ vom Arco wirklich das Zeug zur täglichen Erfrischung hat – und die königliche Prämie in Gestalt eines Hektoliters Bier vom Freundes- und Bekanntenkreis bereits anerkennend verzehrt wurde.

Auf dem örtlichen Dorffest wird man die frischgebackene Würdenträgerin jedoch vermissen. Termine. Tel Aviv. Eine echte Bierkönigin eben.

Alle bisherigen Bierpatenschaften der Stimme hier im Überblick:

Teil 1: Martin Calsow und das Holzkirchner Gold

Teil 2: Elisabeth Schwojer und das Hoppebräu

Teil 3: Olaf von Löwis und die Holzkirchner Weiße


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