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Hoffnung für Hanns-Seidel-Stiftung

Wie sehr würde die CSU Kreuth fehlen?

Die Wittelsbacher wollen mit ihrem legendären Tagungsort in Wildbad Kreuth die Christsozialen kräftig zur Kasse bitten. Die Rede ist von einer Mieterhöhung um 650 Prozent für die Hanns-Seidel-Stiftung. Parteichef Seehofer will schlichten. Das Tischtuch sei noch nicht zerschnitten. Andernfalls wäre Kreuth und sein „Geist“ Geschichte.
1978 auf einer Pressekonferenz zur Klausurtagung der CSU in Kreuth.
1978 auf einer Pressekonferenz zur Klausurtagung der CSU in Kreuth.

Es war ein Freitag, kurz vor Mittag, als die Bedienung Weißwürste in den kleinen Konferenzraum des inzwischen abgerissenen alten Hotels Überfahrt brachte. Am Tisch in Rottach-Egern saßen Parteichef Franz Josef Strauß und der damalige CSU-Landesgruppenvorsitzende Friedrich Zimmermann. Vor sich hatten sie eine kleine Schar Journalisten, die zu einer Pressekonferenz geladen worden waren.

Nach den Weißwürsten platzte die Bombe. Zimmermann verkündete die Aufkündigung der Fraktionsgemeinschaft mit der CDU. Es war der 19. November 1976, die Geburtsstunde des Mythos „Kreuther Geist“, der jedes Jahr im Januar ganze Heerscharen von Journalisten nach Kreuth zum idyllischen Tagungsort der CSU pilgern lässt. Kreuth ist immer für einen parteiinternen Putsch gut.

Braucht Kreuth die CSU – oder die CSU Kreuth?

Nächstes Jahr könnte man das 40-jährige Jubiläum dieses historischen Datums feiern. Doch ob es dazu in Kreuth noch kommt, steht in den Sternen. Denn die Wittelsbacher bitten die CSU kräftig zur Kasse. Statt derzeit 84.000 Euro soll die CSU über die Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) 630.000 Euro bezahlen. Das wäre eine Erhöhung um 650 Prozent.

Außerdem soll sie sich an den Kosten der Sanierung beteiligen. Diese Kosten kann oder will die Partei nicht mehr stemmen. Es droht im März 2016 das Aus für die medienwirksamen CSU-Tagungen vor bayerischer Traumkulisse in Wildbad Kreuth. Die Frage ist, wer wen braucht. Braucht Kreuth die CSU – oder die CSU Kreuth?

Es gibt Gespräche

Offenbar ist aber zwischen Herzogin Helene in Bayern, der Eigentümerin der Immobilie sowie direkte Nachbarin, und der CSU das Tischtuch noch nicht zerschnitten, wie HSS-Pressesprecher Hubertus Klingsbögl der Tegernseer Stimme bestätigte:

Wir führen die Verhandlungen mit dem Ziel einer Einigung und Fortsetzung des Mietvertrages. Es gibt Gespräche.

Zudem habe die Stiftung in den vergangenen Jahren auch schon kräftig in den alten Gebäudekomplex investiert. Klingsbögl: „Bauunterhalt, Instandhaltung oder sogenannte Schönheitsreparaturen sind – wie bei langfristigen Mietverhältnissen durchaus üblich – auch vom Mieter durchzuführen. Dazu zählt in den letzten Jahren auch der behindertengerechte Zugang zum Bildungszentrum, die Umsetzung von Brandschutzrichtlinien oder eine Modernisierung der Zentralheizung.“

Zahlt die CSU jeden Preis?

Ob sich die Eigentümerin an den Kosten beteiligt habe, wollte Klingsbögl nicht verraten: „Vereinbarungen sind Gegenstand privatrechtlicher Verträge, zu denen wir in der Öffentlichkeit keine Auskunft geben.“ Von den Wittelsbachern ist nichts zu erfahren. Allein Klingsbögl von der Stiftung äußert sich, wenn auch nebulös: „Es ist unmöglich, bei laufenden Verhandlungen die Positionen öffentlich zu machen. Üblicherweise bewegen sich die Vertragsparteien aufeinander zu.“

Die Hanns-Seidel-Stiftung ist nicht nur im medialen Interesse.
Die Bildungsstätte ist nicht nur von medialem Interesse / Archivbild

Fraglich bleibt, ob Herzogin Helene die Folgen absieht, falls es zu keiner Vertragsverlängerung mit der HSS kommen sollte. Denn die Bildungsstätte war nicht nur das „Mekka des politischen Meinungsaustausches“, sie war auch kultureller Treffpunkt. Davon zeugen die Kreuther Musiktage mit internationalen Instrumentalisten in der historischen Molkehalle, in der sich genauso Sänger und Volksmusiker aus der Heimat trafen. Soll dies alles mit einem Federstrich in Frage gestellt werden, wie ein Kommentator befürchtet?

Tausende von Besuchern jährlich würden nicht nur Kreuth fehlen, sie wären auch ein Verlust an Tradition für das ganze Tegernseer Tal. Und dies bei einem Haus Wittelsbach, das sonst so viel auf Tradition hält. Doch vielleicht denkt man in Tegernsee ja auch, dass die CSU wegen der besonderen Bedeutung von Kreuth bereit ist, jeden Preis zu zahlen. Bei einem Ministerpräsidenten, der seine Positionen gern und schnell wechselt, könnte der herzogliche Schuss nach hinten losgehen.


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