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Gmunder Vermieter setzen Gemeinde unter Druck

Raus aus dem Aschenputtel-Dasein

Die Wunschliste der 29 Vermieter an den Gemeinderat hatte es in sich. Sie fordern Verbesserungen in der touristischen Außenwirkung. Bürgermeister Preysing verweist auf das „Kasperltheater mit der TTT“. Er wisse nicht, ob diese „sich nicht selbst zerstört“.

Vor drei Jahren war füllte das Lichterfest die Gmunder Seepromenade - samt Musikern im Pavillon. Geht es nach den heimischen Gastgebern, sollen hier wieder regelmäßig Konzerte stattfinden.
Vor drei Jahren füllte das Lichterfest die Gmunder Seepromenade – samt Musikern im Pavillon. Geht es nach den heimischen Gastgebern, sollen hier wieder regelmäßig Konzerte stattfinden.

Eigentlich war es auf den ersten Blick kein brisanter Tagesordnungspunkt, der am Dienstagabend im Ratssaal auf dem Tisch lag: „Tourismus in der Gemeinde – Schreiben der Gastgeber mit Anregungen und Wünschen“. Doch der Brief war brisant. In Ihren Augen tut die Gemeinde für den Tourismus zu wenig und benannte präzise fünf Kritikpunkte.

So fehle als Erstes eine einheitliche Beschilderung für die Gastronomie und die Gastgeber in der Gasse. Georg von Preysing (CSU) erwiderte darauf, dass dies nicht so einfach sei, weil es hier viele Ideen gebe und nicht jeder Leistungserbringer mitmache. Aber er wolle nochmals eine Initiative mit Maß und Ziel starten. „Eine Beschilderung kostet eben etwas“, betonte Preysing, „genauso gut könnten dann andere Gewerbebetriebe auf eine Beschilderung pochen“.

An zweiter Stelle im Wunschkatalog steht eine wechselnde Bannerwerbung auf der Straßerwiese vor dem Ortseingang, die auf die Attraktionen von Gmund hinweise. „Hier ist es schwierig, weil es im Ort eine Gestaltungssatzung gibt. Da sind wir etwas im Zwiespalt“, so Preysing, der diese Satzung in der nächsten Sitzung nochmals auf den Prüfstand setzen will.

Gemeinde soll Vermieter besser unterstützen

Ferner wünschen sich die Gastgeber regelmäßige Kurkonzerte an der Seepromenade mit Bewirtung. Hier rennen sie bei Preysing offenbar offene Türen ein, denn dies wäre auch in seinem Sinn. „Es gab früher schon Kurkonzerte, die aber aus zwei Gründen eingingen: zum einen mangels Zuspruch, zum anderen, weil der Pavillon für die Musiker nicht so optimal war. Vielleicht sollte man hier die Akustik mit einer Einhausung an einer Front verbessern“. Preysing sprach sich für die Neuauflage von Kurkonzerten aus, wünschte sich aber auch, dass auch die Beherbergungsbetriebe ihre Gäste darüber informieren würden. Darin eingehen sollten auch vermehrte „saisonale Veranstaltungen für Einheimische und Gäste“, die die Vermieter anregen.

Der fünfte und letzte Punkt des Schreibens spricht sich für mehr Wasserspielgeräte (Fun-Park) in Seeglas aus. Preysing: „Mir soll es recht sein. Wir haben da unten eine schöne Seeuferanlage, einen der schönsten Spielplätze. Hier sollten sich die Vermieter und die zuständigen Gemeinderäte nochmals zusammen setzen. Die Kosten sollten kein Hinderungsgrund sein“. Diese Punkte ließen sich schnell und ohne großen Zeitaufwand umsetzen, schreiben örtliche 29 Gastgeber an den Gemeinderat: „Wir wünschen uns, dass der Tourismus in Gmund eine größere Wertschätzung und vor allem mehr Unterstützung von der Gemeinde findet“.

Selbstzerstörung der TTT?

Preysing verwahrte sich gegen den Vorwurf, der ihm in der Vermieter-Versammlung gemacht worden sei, er fahre den Tourismus an die Wand. Schon 1990, als er noch Fremdenverkehrsreferent der Gemeinde war, habe er schon Dinge angeschoben, „die es vorher nicht gab“. Und mit Blick auf heute sagte der Rathauschef, dass die Gemeinde das Bahnhofsgebäude für mehrere Hunderttausend Euro erworben habe, „allein die Einrichtung der Räume für die Tourist Information (TI) hat etwa 400 000 Euro gekostet“.

Landschaftlich gesehen hat Gmund allein mit seiner Seepromenade viel zu bieten. Doch den Gmunder Vermietern wird an anderer Stelle zu wenig getan.
Landschaftlich gesehen hat Gmund allein mit seiner Seepromenade viel zu bieten. Doch den Gmunder Vermietern wird an anderer Stelle zu wenig getan.

Das seien Gelder für den Tourismus, auch wenn dies nicht so wahrgenommen werde. „Wir stecken jährlich etwa 490.000 Euro in den Tourismus, 230.000 Euro davon gehen in die Umlage für die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT), der Rest unter anderem in die Loipen-Präparierung, in die Instandhaltung der Wanderwege und in den Blumenschmuck. Es ist also nicht so, dass der Fremdenverkehr uns nichts wert ist“.

Er würde sich derzeit gerne mehr um den Tourismus kümmern, doch seine Zeit verschlinge ein anderes Thema: „Das Kasperltheater TTT. Wenn ich nur daran denke, wie viel Zeit uns das Thema Stephan Köhl in den letzten 14 Tagen gekostet hat“. Momentan könne er zur TTT nichts sagen, weil er nicht wisse, „ob sich diese nicht selbst zerstört“.

Mit Blick auf den Wunschkatalog der Vermieter meinte Alfons Wagner (CSU), dass diese auch selbst etwas auf die Beine stellen könnten, dann würden sie auch von der Gemeinde unterstützt. Er sehe da „kein Problem“. Aber nur Forderungen zu stellen, sei „zu einfach“. Christine Zierer (FWG) hatte den Eindruck, dass sich bei den Unterzeichnern einige „auf den Schlips getreten fühlen. Anpacken und nicht nachtarocken“, forderte sie vehement unter Beifall am Ratstisch.

„Gmund nach vorne bringen“

Als sich dann Heide Müller von der Gmunder Tourist Info zu Wort meldete, wollte sie Preysing mit Verweis auf die Gemeindeordnung nicht reden lassen, dies sei nicht üblich. Letztlich willigte er doch ein. Sie stellte klar, dass dies keine Forderungen der Gastgeber seien, sondern Anregungen und Wünsche. „Wenn die Kurkonzerte eingeschlafen sind, liegt es ja vielleicht am Namen Kurkonzert, das man ja auch anders bezeichnen könnte“.

In Gmund gebe es viele Räumlichkeiten, die einfach nicht genutzt würden. „Wir in der TI sind jedenfalls bereit, hier mit dem Tourismus-Ausschuss mitzuwirken. Dann können wir Gmund vielleicht nach vorne bringen“. Schon 2009 hieß es, man müsse aus dem Aschenputtel-Dasein kommen. „Jetzt tut sich endlich etwas in Gmund mit dem Maximilian und der TI im Bahnhof. Diese Aufbruchsstimmung müssen wir nutzen“. Dafür gab es großen Beifall von den zahlreichen Zuhörern im Rathaussaal.


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