Nach Sichtung in Weyarn
Jagdrecht auf Wölfe: richtig oder falsch?

von Sabiene Hemkes

Als vor zehn Tagen ein Wolf im Landkreis Miesbach gesichtet wurde, sorgten sich zahlreiche Personen, dass das Tier vielleicht abgeschossen werden könnte. Gleichzeitig wurden Stimmen laut, die genau das einforderten. Heute, am offiziellen Tag des Wolfes, haben wir mit regionalen Experten darüber gesprochen.

Tag des Wolfes – in freier Wildbahn sieht man das Rudeltier eigentlich nie. / Quelle: NABU

In den vergangenen zwei Wochen war ein herumziehender Wolf ein viel diskutiertes Thema im Landkreis Miesbach. Das Tier wurde von einem Autofahrer nahe Weyarn gefilmt und ging danach bundesweit viral. Auch wenn der junge Wolf es nicht wissen mag, ist er zu einem Star der Szene aufgestiegen.

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Trotz der Freude, dass selbst wir Menschen es nicht schafften, dieses Raubtier aus seinem natürlichen Lebensraum in Mitteleuropa endgültig zu vertreiben, bleibt da diese Restangst vor dem Wilden sowie die teils berechtigte Sorge der Weidebauern um ihr Vieh.

Jagdrecht keine Lösung

Der Wolf ist seit jeher fester Bestandteil in unserer Welt der Mythen, Sagen und Märchen. Und nie ist seine Rolle eine freundliche oder hoffnungsvolle. Er verkörpert stets das Böse – dunkel, linkisch und gefährlich. Kein Wunder also, wenn bei seiner Sichtung im Landkreis Miesbach sofort Rufe nach dem Schutz der heimischen Tiere und sogar der Menschen laut werden. Offen in den Medien oder hinter vorgehaltener Hand wird gefordert, den „gefährlichen Räuber“ zu jagen. Ihn abzuschießen, sodass er kein Unheil anrichten kann.

Manfred Burger, Kreisgruppenvorsitzender BUND Naturschutz Kreisgruppe Miesbach, sieht allerdings in einem Jagdrecht auf Wölfe nicht die Lösung für möglicherweise im Zusammentreffen der Menschen- und Wolfswelt entstehende Probleme.

Wir verstehen zwar die Betroffenheit der Weidetierhalter, finden aber, dass leider wieder einmal die falschen Schlüsse gezogen werden. Weidetiere lassen sich nicht mit dem Gewehr schützen. Wer dies fordert, landet in einer Sackgasse, die den Herdenschutz vernachlässigt und insgesamt eher zu mehr Rissen führen wird.

Für alternative Lösungsansätze sieht der BUND schon seit Jahren die Bayerische Staatsregierung in der Pflicht. Diese sollte die Herdenschutz-Förderung flächendeckend für die bayerischen Nutztierhalter zugänglich zu machen – zumindest den Schafhalter/innen.

Nur präventive Maßnahmen könnten helfen, durchziehende Wölfe schon frühzeitig von den Schafen fernzuhalten, erklärt Burger weiter. Wobei er aber ganz deutlich macht, dass es einen vollständigen Schutz nie geben wird. “Wandernde Wölfe werden immer wieder Risse an Weidetieren verursachen, was sich nur durch Ausrottung des Wolfes in Bayern und auch in seinen Nachbarländern verhindern ließe.”

Schutz des Nutztiers statt Abschuss des Wolfes

In keinem Fall aber hält der Fachmann dies für wünschenswert. Machbar sei das außerdem auch nicht, wie man am Auftauchen des “Seehamer Wolfes“ erkennen kann. Das sieht auch Marie Neuwald, Wolf-Referentin beim Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU), so und fordert statt dem Abschuss der Tiere die Unterstützung für die Weidetierhalter beim Schutz vor dem Raubtier.

“Ich habe im letzten Sommer ein Schutzprojekt auf einer Schweizer Alm besucht. Dort ist es tatsächlich gelungen, das Nutzvieh vor dem Wildtier Wolf effektiv zu schützen.” Aber das erfordere, so Neuwald weiter, einen höheren Einsatz an Ressourcen und Aufwand für die Almbauern. Und dieser Mehraufwand sei für die Bauern ohne Unterstützung von Seiten der Politik nicht zu leisten.

Burger ist davon überzeugt, dass wir mit den “extrem seltenen Besuchen von Wölfen” in der Region schlichtweg zurecht kommen müssen. Wir sollten uns vielmehr am “Tag des Wolfes” über die Sichtung freuen. Der Kurzbesuch zeige, dass man auch in unserer Kulturlandschaft die Natur nicht vollständig ausrotten kann.

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