Der Nachlaß der großen Tegerseerin Getraud Gruber wird versteigert
Romy, Marilyn, Gertraud – Ikonen allesamt!

von Sabiene Hemkes

Madame de Pompadour, Romy Schneider und Marilyn Monroe haben eines gemeinsam – sie waren prägend für ihre Zeit und ihre jeweilige Umgebung. Und: Ihr Nachlass wurde nach ihrem Ableben versteigert, genau wie jetzt bei der im März verstorbenen Grande Dame des Tegernsees. Getraud Grubers Lieblingsstücke kommen nun unter den Hammer.

Ein Teil des Nachlasses von Gertraud Gruber wird zu karitativen Zwecken im Auktionshaus Nusser in München versteigert. / Quelle: Wilde & Partner Communications GmbH

Die Trauer im Tal war groß, als Gertraud Gruber nach einem Jahrhundert die Welt am 12. März 2022 verließ. Viele Menschen kamen zu ihrer Trauerfeier und gedachten der emanzipierten Pionierin, die ihr Leben ganz der ästhetischen und auch inneren Schönheit der Menschen verschrieben hatte. Über allem stand der Respekt vor Grubers Lebensleistung, ihres Mutes, ihrer Liebe zu den Menschen und auch Tieren, ihrem Humor sowie ihrer gelebten Spiritualität. (Online-Kondolenzbuch von Gertraud Gruber)

Gruber war – und das kann man wohl ohne jede Übertreibung sagen – eine Ikone ihrer Zeit. Diese mutige und engagierte Frau wird weit über ihren Tod hinaus im Gedächtnis der Menschen, die sie kannten, weiterleben. Am 20. September wird ein Teil des Nachlasses von Gertraud Gruber im Auktionshaus Nusser in München versteigert. Dem Auktionshaus, in dem auch der Nachlass des Wahl-Gmunders und Ex-Bundeskanzlers Prof. Dr. Ludwig Ehrhardt aus seinem Sommerhaus unter den Hammer kam.

Erlös geht an Menschen, die Hilfe benötigen

Bei Versteigerungen von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ist diese Art der Veräußerung von privaten Besitztümern keine Seltenheit. Zumeist kommt der Gewinn karitativen Zwecken zugute. Wie bei Romy Schneider, die auch Gast in der Schönheitsfarm von Gruber war, oder auch Karl Lagerfeld, dessen deutscher Nachlass nach seinem Tod im letzten Jahr bei Sotheby’s versteigert wurde. Aber auch schon der gewaltige Nachlass von Madame de Pompadour, der Mätresse des französischen Königs, sorgte seinerzeit für viel Interesse. Allesamt sind diese Menschen verehrte Ikonen ihrer Zeit, wie auch Gruber. Und das bei weitem nicht nur am Tegernsee.

Die Erlöse der Gruber-Versteigerung in München kommen der von ihr gegründeten „Gertraud und Josef Gruber-Stiftung“ zugute, die die Kinder-, Jugend- und Altenpflege und den Tierschutz fördert sowie die Arbeit von Hospizen unterstützt. Das ist ganz im Sinne der Begründerin der ersten Schönheitsfarm in Europa. Zeitlebens war Gruber ein Mensch, der ganzheitlich dachte und fühlte. Ohne daraus eine große Sache zu machen, unterstützte sie wohltätige Organisationen und Projekte mit dem Geld, welches die Geschäftsfrau mit ihrer „Runzelfarm“, wie einige Menschen im Tegernseer Tal ihre Einrichtung in ersten Jahren despektierlich nannten, erwirtschaftete.

Ein Leben der Schönheit gewidmet – auch privat

Gruber und ihr 1999 verstorbener Mann Josef umgaben sich auch privat gern mit den schönen Dingen des Lebens. Seien dies künstlerisch gestaltete Ikonen, Heiligenfiguren, ein Reliquienkreuz, Klosterarbeiten und Votivherzen aus verschiedenen Epochen, die sicherlich der tiefgläubigen und spirituellen Gertraud Gruber zuzuschreiben sind, oder auch antike Möbel, die ihr Mann sammelte und teilweise auch eigenhändig restaurierte.

Ferner werden die „Fans“ von Gruber die Möglichkeit haben, ein Gebot für Gemälde von Carl Reichert und Hans von Hayek und Lithografie von Franz Xaver Nachtmann abzugeben. Alles in allem mehr Liebhaberstücke als große und wertvolle Sammlungen bekannter Künstler, wie zum Beispiel beim deutschen Modepapst Karl Lagerfeld. Das passt aber zu der humorvollen und warmherzigen Frau, die einmal selbst über ihren Lebensstil sagte:

Es macht mir Freude, mich zu engagieren. Ich muss nicht in Saus und Braus leben. Ich habe meinen Hund, ein schönes Heim und gute Freunde.

Insgesamt kommen 55 Lose aus dem Nachlass von Gertraud Gruber unter den Hammer. Nur ihren privaten Schmuck wird man nicht in München ersteigern können (Versteigerungskatalog – online ab dem 10.09.2022). Die günstigsten Gebote beginnen bei 50 Euro.


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