BOB-Geschäftsführer Rosenbusch stellt sich Kritik

Wie meistern Sie die Krise?

Zuletzt prangerte die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) massiv die Qualität der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) an und sprach vom „erneuten Einbruch der Betriebsqualität“. Gestern sprach Geschäftsführer Dr. Bernd Rosenbusch darüber, wie er die Krise meistern will und räumte ein: “Es ist zum Wegrennen”.

Dr. Bernd Rosenbusch stellte sich gestern in einem Vortrag im “Das Tegernsee” der Kritik gegenüber der BOB

„Vom Alltag zur Krise“ ist das Thema, zu dem Rosenbusch auf Einladung des Unternehmerverbands Miesbach (UVM) im Hotel “Das Tegernsee” gestern Abend spricht. Als Beispiel nennt er die Eisenbahnkatastrophe von Bad Aibling im Februar vergangenen Jahres. Das Spielen des Fahrdienstleiters auf seinem Smartphone hatte zwölf Menschen das Leben gekostet, mehr als 80 wurden verletzt.

Wenn das Unglück auch nicht der BOB zuzuschreiben war, so stand sie, bis die Schuldfrage geklärt war, zunächst als Unternehmen im Focus der Öffentlichkeit. Schnell sei in solch einem Fall die Reputation angekratzt. Da helfe nur die Flucht nach vorne und alle Karten auf den Tisch zu legen. Seine Devise sei, „mit nichts hinter dem Berg halten“, so Rosenbusch, nur so könne Vertrauen zurückgewonnen werden.

“Das ist zum Wegrennen”

Doch dies sei nicht leicht, da der Öffentliche Personennahverkehr in der Dauerkrise sei. Beispielhaft nennt der Eisenbahner den unternehmenseigenen Meridian, der die Strecke München und Holzkirchen bis Kufstein bedient und jährlich 13 Millionen Fahrgäste befördert. In der letzten Juniwoche, so Rosenbusch, gab es dort jeden Tag irgendwelche Störungen, von Bauarbeiten, Bahnübergangs- und Signalstörungen, den Ausfall eines Triebwagens, das Fehlen eines Fahrdienstleiters der DB Netz, Brand einer Güterzuglok, bis hin zu zwei Suiziden.

Zwar hätte man trotzdem noch eine Pünktlichkeit von 87 Prozent geschafft, „doch das ist ein Drama, das ist zum Wegrennen, wenn man ganz ehrlich ist“, räumt der Geschäftsführer freimütig ein. Denn damit mache man viele Fahrgäste unglücklich, weil man nicht halten könne, was versprochen werde.

„Kampf gegen Eingleisigkeit und alten Zügen“

Weit weg vom gesteckten Ziel war man auch Anfang des Jahres, als es „aufgrund massiver Fahrzeugprobleme zu zahlreichen Zugausfällen, Zugausfällen und Zugkürzungen kam“, so das eindeutige Urteil der BEG als Aufsichtsbehörde Ende Juni.

Die BOB habe mit einer durchschnittlichen Pünktlichkeit von 76,8 Prozent im Januar den “mit Abstand schlechtesten Wert aller bayerischen Verkehrsunternehmen“ erreicht. „Richtig ist, dass wir schwierige Tage hatten“, so Rosenbusch gegenüber der TS. Seitdem fahre man aber wieder mit einer Pünktlichkeit von zuletzt 93 Prozent. Rosenbusch gibt zu bedenken:

Bei der BOB kämpfen wir mit einer alten eingleisigen Strecke und mittlerweile mit 20 Jahre alten Fahrzeugen.

Einen Winter mit solchen Verspätungen werde man nicht mehr erleben. “Inzwischen haben wir Auftauanlagen installiert, dass sich der Schnee unten nicht festhängen kann. Zudem werden wir auch die Heizung optimieren. Insgesamt wird eine Liste von 223 Maßnahmen für die Fahrzeuge abgearbeitet werden. So eine Ausfallquote kommt nicht mehr vor”, so Rosenbusch weiter.

Rzehak: „Tacheles reden“

Da auch dem Kreistag bei der BOB zu wenig vorwärts gehe, wurde Rosenbusch von Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) für nächste Woche vor das Gremium zitiert. Rzehak: „da werden wir Tacheles reden“. Rosenbusch stellt das Procedere anders dar: „Ich habe den Landrat gebeten, mich einzuladen. Denn wir haben ein Konzept, wie wir das Oberland langfristig im Eisenbahnbereich attraktiver machen können“.

Als Nachfolger für die alten Integralfahrzeuge gebe es verschiedene Modelle, ob nochmals Dieselfahrzeuge oder dann Hybridzüge. „Unumgänglich aber ist die Elektrifizierung. Dies aber ist eine politische Entscheidung“, fordert Rosenbusch im TS-Gespräch. Denn man müsse sich vor Augen halten, dass die einzige Strecke aus dem Oberland nach München nicht elektrifiziert ist. „Das muss sich ändern“, erklärt mit Nachdruck Rosenbusch.

BOB-App ab 19. Juli

Ändern könnte sich wenigstens bald der elektronische Service der BOB. Ab 19. Juli geht sie mit einer eigenen App auf den Markt. Damit könne man zwar nie gegen die „Deutsche Bahn anstinken“, so Rosenbusch, aber die regionale App leiste das Gleiche.

Beispielsweise Reiseinformationen aus dem Oberland abrufen, der Kauf und das Bezahlen von Tickets, Verbindungsabfragen, Echtzeitinformationen und ganz wichtig: das Melden von Störungen in einer Verbindung, zudem gibt es einen Verspätungsalarm mit individuellen Push-Meldungen. Aber hier hat Rosenbusch ja am Dienstagabend Besserung gelobt. Der Eisenbahner-Alltag wird es weisen.


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