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Sanatorium-Projekt bleibt umstritten

Rottach schluckt die Kröte

Schon im Mai vergangenen Jahres bemängelte die Gemeinde Rottach-Egern die Klinikpläne von Klaus-Dieter Burkhart in Tegernsee. Jetzt bleibt den Rottacher Gemeinderäten nur noch ein Appell an die „Freiwilligkeit und Vernunft“ des Bauherrn.

So sollen das Sanatorium und die Klinikbauten von Bauherr Burkhart einmal aussehen./ Foto: Klaus Dieter Burkhart

Wie berichtet genehmigte der Tegernseer Stadtrat vor einem Monat den Bebauungsplan für das lange umstrittene Sanatorium samt Klinik in der Schwaighof-Ecke Perronstraße. Investor Klaus-Dieter Burkhart will auf dem 1,5 Hektar großen Hanggrundstück drei je vierstöckige, mit Giebeln und Gauben gestaltete Häuser errichten.

Der Aushub dafür geht inzwischen zügig voran. Insgesamt sollen 121 Zimmer und sieben Wohnungen für Mitarbeiter entstehen. Dazu eine Tiefgarage mit 89 Plätzen, oberirdisch sollen 26 Autos parken können. Vor allem um die Stellplätze ging es der Gemeinde Rottach in ihrer nachbarschaftlichen Stellungnahme im vergangenen Mai.

Damals waren es noch 30 Stellplätze weniger, nämlich 85. Allein 60 Stellplätze würden schon benötigt werden, rechnete damals Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) vor, „wenn von den 120 Patienten in den Einzelzimmern nur die Hälfte davon mit dem Auto anreist“. Hinzu kämen dann noch die Besucher und etwa 80 Mitarbeiter einer solchen Klinik.

Ich glaube, dass hier viel zu wenig Stellplätze vorhanden sind.

Ähnlich sah es im letzten Jahr auch Josef Lang (CSU) bei dieser „sehr massive Bebauung“. Rottach sollte unbedingt darauf dringen, dass die Anzahl der Stellplätze erhöht werde. „Sonst werden uns das Seeforum oder der Schwaighof zugeparkt“, monierte seinerzeit Lang. Auch bei der geringen Zahl an Personalwohnungen wollten die Rottacher Gemeinderäte trotz der „massiven Bebauung“ noch eine Nachbesserung.

Mehr Stellplätze

Doch die Rückmeldung aus Tegernsee mit einigen Gutachten war nun gestern ziemlich ernüchternd. „In Höhe, Breite und Länge ist es dabei geblieben“, so Bauamtsleiterin Christine Obermüller, „auch die Zufahrten von der Bundesstraße und der Perronstraße bestehen weiter. Kleiner ausgefallen sei nur der aufgeständerte Pavillon im Überschwemmungsgebiet mit 35 Quadratmetern.

Doch Rottach Gemeinderat hält sich zugute, dass seine Einwände eine Erhöhung der Stellplätze bewirkt hätten. Waren bislang 85 geplant, so seien nun 115 Stellplätze in der Tiefgarage und oberirdisch ausgewiesen. Außerdem habe man daran erinnert, so Obermüller, mehr Personalwohnungen für Mitarbeiter vorzusehen.

Im Januar waren die Bagger in der Perronstraße zugange. / Foto: Klaus Wiendl

Abschlägig beschieden wurde aus Tegernsee auch der Wunsch nach einer Linksabbiegespur von der Bundesstraße in das Klinikgelände. Ein Gutachten sehe die Möglichkeit, dass es „gerade noch möglich ist“, so Obermüller, „ohne eigene Abbiegespur auszukommen“. Desillusioniert resümierte die Leiterin des Bauamts, außer dem Plus bei den Stellplätzen habe die Gemeinde mit ihren Einwänden nichts erreicht. Fraglich sei, ob man mit einer weiteren Stellungnahme noch etwas bewirke.

„Mein Beileid“

Für Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) war es wichtig, dazu Stellung bezogen zu haben, „diese ist abgewogen worden“. Es sei ausreichend, „wenn wir dies zur Kenntnis nehmen“, befand Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU). Verhindern könne man es ohnehin nicht. Auch wenn es „für die Galerie“ sei, meinte Georg Höß (CSU), so verstehe er bei einem solchen Projekt nicht, dass dafür keine Linksabbiegespur nötig sei. Man könne sich dann bei diesem Verkehr vorstellen, was dort einmal in den Sommermonaten „los ist“. Er appellierte an die „Freiwilligkeit und Vernunft“, dort noch nachzubessern.

Auf das Verkehrsgutachten der Stadt Tegernsee verwies Bürgermeister Christian Köck (CSU), dass es ohne Linksabbiegespur „noch vertretbar“ sei. Ein weiteres Gutachten könne man als Nachbargemeinde „nicht verlangen“, da es auch mit Kosten verbunden sei. Man wolle hier „niemanden schikanieren oder vorschreiben, was er zu tun hat“. Nachdem er bei der Bürgermeisterdienstbesprechung am gleichen Tag nochmals mit seinem Kollegen Johannes Hagn darüber gesprochen habe, schlüg Köck vor, das Gutachten jetzt so zu akzeptieren. Gleichwohl sehe er die Gefahr eines längeren Rückstaus durch die Ampel an der Seestraße.

Für Thomas Tomaschek (Grüne) ist es „wieder ein Schritt in die falsche Richtung. Das neue Projekt sei sechsmal so groß wie das einstige HypoVereinsbank Ferienheim. „Die Einfahrt zu unserem Ort ist durch den Lidl und dessen Parkplatz schon genug verschandelt“. Daher bleibe ihm nur zu sagen: „Mein Beileid“. Dass man es bei diesem Bescheid der Stadt Tegernsee bewenden lassen solle, fanden nicht alle Gemeinderäte, drei stimmten dagegen.


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