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Rottach sponsert BahnCard für Schüler

Kreuth macht es vor. Nun will auch Rottach-Egern den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) für Schüler und Jugendliche im Alter zwischen sechs und achtzehn Jahren fördern. Und übt deutliche Kritik am ÖPNV.

Bahnfahrten für Schüler und Jugendliche – für die Gemeinde Rottach-Egern unterstützenswert. / Archivbild

Eigentlich ging es nur um die finanzielle Unterstützung junger Bürger bei ihren Schulfahrten, weil „Hol- und Bringfahrten der Eltern für ein entsprechendes Verkehrsaufkommen sorgen“, so Bürgermeister Christian Köck bei seiner Begründung des Topps im Gemeinderat. Doch dann trat der alte Zwist zwischen Miesbach und einigen Talgemeinden wieder zu Tage, der Landkreis tue zu wenig für den öffentlich Nahverkehr, wo doch Rottach allein schon 4,7 Millionen Euro in die Kreisumlage zahle.

Denn der ÖPNV sei „Sache“ des Landkreises, Namentlich wollte Köck niemand in Miesbach an den Pranger stellen. „Dort müsste man etwas mehr in die Gänge kommen und das Budget aufstocken“. Denn Miesbach sei längst vom Landkreis Bad Tölz abgehängt worden. „Dort wurde bereits eine Kooperation mit dem Münchner Verkehrsverbund (MVV) geschlossen“. Im Landkreis höre er des Öfteren „das Totschlagargument: wir sind blank“.

Entscheidend sei das Interesse

Auslöser für die Bezuschussung für Jugendliche seien deren Beauftragte für Gmund und Tegernsee gewesen, die in zwei Bürgermeisterdienstbesprechungen ihr Konzept vorgelegt hätten, wie Gemeinden junge Leute bei ihren Fahrten mit dem ÖPNV unterstützen könnten. Demnach würden Jugendliche bei einer finanziellen Unterstützung vermehrt auf Bahn und Busse umsteigen. Laut Köck sei dies ein „ziemlich komplexes Konglomerat“. Nachdem die Gemeinde Kreuth hier schon aktiv geworden sei, wolle man sich dem anschließen und zunächst einmal die BahnCard 25 fördern.

Beim deren Erwerb über die Dauer von fünf Jahren will Rottach zehn Euro beisteuern. Pro Jahr wäre dies somit ein Zuschuss von zwei Euro. Damit will man auch in Erfahrung bringen, wie groß überhaupt das Interesse an dieser BahnCard ist. Denn die Erfahrungen seien nicht so rosig, wie ein Aufruf in den jeweiligen Bürgerboten gezeigt habe. Bei der Frage nach dem RVO und seinen Schwachpunkten seien bei einer Auflage von 4.600 Bürgerboten in Rottach „nur sieben Rückmeldungen gekommen“, klagte Köck. Das mache ihn schon „stutzig“, weil doch vor jeder Wahl der ÖPNV ein „riesen Thema“ sei. Wenn sich aber jemand damit befassen soll, „ist es plötzlich kein Thema mehr“.

Rottach will „guten Willen“ zeigen

Relevant wäre diese BahnCard für 448 Personen in der Gemeinde. Doch wie viele davon diese Vergünstigung wirklich in Anspruch nehmen wollen, das ist für Köck „spannend“. Angesichts der „überschaubaren Beträge von zehn Euro pro Nase“ will die Gemeinde diese Förderung bereits im kommenden Schuljahr anbieten. Während bei der Schifffahrt die Jugendlichen ohnehin nur 50 Prozent des Fahrpreises zahlen würden, sei es bei der BOB wegen der verschiedenen Eigentumsverhältnisse komplizierter. Für Rottach reklamierte Köck, dass es seinen „guten Willen“ zeigen wolle.

„Damit man die Jungen mehr ins Boot bringe, wäre es gut die Zeiten zu versetzen“, schlug Karl Kölbl (CSU), von Beruf Omnibusfahrer, vor. „Nicht um acht Uhr morgens, sondern bereits vor sieben Uhr müsste es Vergünstigungen und Unterstützungen des Landkreises für die Schulfahrten geben“. Gleicher Meinung war auch Fraktionskollege Martin Strohschneider. „Wenn die Kinder in die Schule fahren, gilt die Karte nicht“. Manche Busfahrer seien dennoch kulant. In die gleiche Kerbe schlug auch Köck mit der BOB.

RVO: „Wir fahren, ihr zahlt“

Das vergünstigte Ticket gelte erst ab neun Uhr. Doch der Zug verlässt Tegernsee bereits um 8:52 Uhr. „Aber für eine Änderung ist die Bereitschaft nicht sehr groß“. Er höre bei Gesprächen mit dem RVO immer nur: „Wir fahren alles, aber ihr müsst es uns zahlen“. Man müsste insgesamt beweglicher werden und sich den Zeichen der Zeit stellen, mahnte Köck. Südtirol mache es mit einem Sorglos-Paket mit einer Mobilcard vor.

Dieses „Optimum“ könne er sich auch im Tal vorstellen. Dies gehöre einfach zu einem „guten Status“, von dem man aber „noch meilenweit entfernt“ sei. Josef Kaiser (CSU) zeigte sich nicht verwundert, „dass die Jugendlichen das Angebot nicht so annehmen“. Zwei Euro Ermäßigung pro Jahr „sind kein Anreiz, da kommt keine Resonanz“. Doch die BahnCard 25 wäre bereits in diesem Haushaltsjahr machbar, entgegnete Köck. Dagegen sei eine BahnCard 50 mit geschätzten 36.000 Euro Kosten erheblich teurer für die Gemeinde.

Fraglich war für Köck, „ob dies die Gemeinde noch finanzieren und mit der Gieskanne solche Beträge ausschütten sollte“. Dazu sei er nicht bereit. Schließlich zahle Rottach 4,7 Millionen Euro in die Kreisumlage. „Irgendwann muss Schluss sein“. Einstimmig genehmigte der Gemeinderat den Zuschuss von zehn Euro zur BahnCard 25.


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