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Diskussionsrunde im Voitlhof: Die Folgen der hohen Grundstückspreise

Rottacher haben Angst um Haus und Hof

Von Maximilian Liegl

Knapp 100 Rottacher Bürger, darunter auch Bürgermeister Christian Köck, kamen zur gestrigen Diskussionsrunde in den Voitlhof der Familie Bogner. Das Thema: Die drastisch gestiegenen Bodenrichtwerte. “Ein Riesenproblem, vor dem man sich fürchten muss”, wie Voitlhof-Wirt Josef Bogner gestern feststellte.

Josef Boger (rechts) lud gestern interessierte Bürger in seinen Voitlhof ein zum Thema: Bodenrichtwerte.

Alle zwei Jahre ermittelt der Gutachterausschuss des Landratsamtes Miesbach die Bodenrichtwerte für die Gemeinde Rottach-Egern. Dabei handelt es sich um einen partiellen Durchschnittswert, der aus den Grundstücksverkäufen abgeleitet wird und als Kennziffer bei der Wertermittlung von Immobilien dient.

So auch im Erbfall, wenn es um die Höhe der Besteuerung geht. Dieser Bodenrichtwert ist in den letzten Jahren signifikant gestiegen und hat sich in Teilen sogar verdoppelt und verdreifacht. Mit deutlichen Folgen für alteingesessene Talbewohner. „So viele Immobilien-Millionäre sind heute hier. Aber das ist ja auch nicht weiter schwer, weil wir dazu gemacht werden“, eröffnete Mitinitiator Josef Bogner aus Rottach die gestrige Diskussionsrunde.

Die Bodenrichtwerte sind ein Riesenproblem. Man muss sich direkt fürchten.

Vor allem die Menschen in Oberbayern seien in der Opferrolle eines “außer Kontrolle geratenen Systems”. Trete nämlich der Erbfall ein, so Bogner, könnten sich die Hinterbliebenen die oftmals sechsstelligen Summen an Erbschaftssteuer nicht leisten. Die Konsequenz: Haus und Hof, nicht selten seit Generationen im Familienbesitz, müssten verkauft werden. So werden Einheimische „vertrieben“.

Ausländische Käufer treiben Preise in die Höhe

Experte Moritz Johannes Müller von der Holzkirchner Beratungsgesellschaft Socium Consulting, die auf Immobilientransaktionen und der Bewertung von Immobilien spezialisiert ist, ordnet das Ganze marktwirtschaftlich ein: „Der Tegernsee ist eine international beliebte Wohngegend. Reiche Ausländer sind tendenziell bereit, sich über dem Marktpreis einzukaufen. Und jede Transaktion über dem aktuellen Marktwert erhöht die Bodenrichtwerte der folgenden Ermittlung. Wir erleben das von Jahr zu Jahr mit prozentualen Anstiegen im zweistelligen Bereich.“

Bogner lieferte dafür ein Beispiel. So sei zuletzt ein Grundstück in bester Lage für mehr als 15 Millionen Euro an einen zahlungskräftigen Interessenten aus Russland verkauft worden. Mit direkten Konsequenzen für alle benachbarten Anwohner. Der Wert ihrer Grundstücke steige, und im Erbfall auch die Höhe des zu versteuernden Betrages. Und der liege bei einem Seeufergrundstück dann nicht selten bei einer halben Millionen Euro und mehr.

Bogner will wachrütteln

So seien die Hinterbliebenen zum Verkauf gezwungen. Eine marktwirtschaftliche Entwicklung, die indirekt auch durch Gemeinden im Landkreis und deren Art und Weise, nach welchen Kriterien Gemeindegrund vergeben wird, unterstützt wird. Doch was tun?

Bogner, der zum gestrigen Dorfgespräch geladen hatte, ging es in erster Linie darum, ein medienweites Bewusstsein für eine Situation zu schaffen, die Existenzen bedroht. Er forderte alle Betroffenen auf, aktiv zu werden und sich auf politischen Veranstaltungen stark zu machen. Bürgermeister Christian Köck betonte in diesem Zusammenhang, der Gemeinderat hätte sich diesem Thema nie wachsamer gewidmet. Doch die Kommunalpolitik habe eben Grenzen, besonders im Kampf gegen marktwirtschaftliche Kräfte: „Geld ist für viele ein verlockendes Thema. Da knicken viele ein“, kritisiert Köck.

Welche Lösungen gibt es?

Die Initiatoren Josef Bogner und Andreas Niedermaier blickten bei der gestrigen Veranstaltung besorgt in die Zukunft und sprachen von einer Praxis, die einer stillen Enteignung gleiche. Als Lösung zogen sie ein Modell nach österreichischem Vorbild in Betracht: Die Abschaffung der Erbschaftssteuer auf Grund und Boden.

Ein als Gastreferent geladener Steuerexperte schlug anstelle des geltenden monetären Freibetrags einen solchen für jeweils 1.000 Quadratmeter Grund vor, um diesen so gegen Marktschwankungen resistent zu machen und damit die Lebensgrundlage zu sichern. Inwieweit solche gesetzlichen oder volkswirtschaftlichen Veränderungen realistisch seien, zweifelte der Steuerfachmann jedoch schon zu Beginn seiner Rede an.

Doch es gebe auch andere Möglichkeiten, sagt Immobilienexperte Müller auf Nachfrage. Wenn rechtzeitig Vorkehrungen getroffen werden, könne man die steuerlichen Freibeträge im Zehnjahresturnus ausnutzen. Die Steuerlast könne vor allem dann deutlich verringert werden, wenn Eigentum sukzessiv an Begünstigte übertragen werde.


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