Rottacher sollen freiwillig auf Knallerei verzichten

„Brot statt Böller“, forderte Johanna Ecker-Schotte (FWG) auch als Leiterin des Rottacher Tierheims in ihrem Antrag im Gemeinderat. Dieser sollte sich für einen talweit freiwilligen Verzicht von Feuerwerken zum Jahreswechsel engagieren. Ein Vorstoß, der nicht jedem behagte.

Im Rottacher Gemeinderat standen erneut Feuerwerke im Tal zur Diskussion. / Bild: Felix Wolf

Johanna Ecker-Schottes Begründung des Antrags im Rottacher Gemeinderat zeigte, dass es ihr nicht nur um die Silvester-Knallerei ging. Sie will das Tal grundsätzlich zur „feuerwerksfreien Zone“ erklärt wissen. Und sie glaube, „viele Menschen dafür begeistern zu können“. Seit 2013 würden Ecker-Schotte die Feuerwerke schon beschäftigen. 2015 habe sie dann angefragt, ob man etwas gegen sie machen könne. Doch zum Umdenken sei die Zeit noch nicht reif gewesen.

Jetzt sei sie es – sowohl Gemeinden als auch die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) könnten etwas ändern. Vor allem sollten die großen Gastgeber sensibilisiert werden, da sie die Feuerwerks-Pakete bei Hochzeiten anbieten würden. Ecker-Schotte glaubt, „viele Gäste würden gar nicht wissen, dass Feuerwerke im Tal nicht mehr so gerne gesehen werden“.

Denn es gäbe Alternativen, die nicht so störend und schädlich für Mensch und Natur seien. Beispielsweise eine Lasershow, wie es Kreuth als Bergsteigerdorf vorgemacht hätte, oder stille Barockfeuerwerke, wie auch bengalische Feuer, ebenso Wasserlichtspiele mit Fontänen und stimmungsvoller Musik.

„Kriegsähnliche Zustände“

Silvester habe für sie eine „unerträgliche Form angenommen“, zumal es „jedes Jahr schlimmer“ werde. Die Kracherei beginne schon Tage zuvor und ende erst Tage danach. In der Silvesternacht habe das Feuerwerk eineinhalb Stunden gedauert. So stelle sie sich „kriegsähnliche Zustände“ vor, denen die Tiere „hilflos ausgeliefert sind“.

Selbst im „Naturfreundehaus“ oben auf der Sutten, so Ecker-Schotte, würden man es im Vogelschutzgebiet „krachen und blitzen lassen“. Da werde „ohne Hirn geschossen und gefeiert“. Hier wäre ein Verbot aus Naturschutzgründen laut Ecker-Schotte möglich. Danken wolle sie aber allen Almen- und Hüttenbetreibern, „die nicht geschossen haben“. Ihr Credo sei ein freiwilliger Verzicht auf Feuerwerke.

Bürgermeister Christian Köck (CSU) erinnerte daran, dass die Gemeinde auf der Sutten bereits vor zwei Jahren Empfehlungsschreiben zur freiwilligen Einstellung der Feuerwerke mit dem Hinweis auf „naturschutzrechtliche Belange“ verteilt habe. Viele dort oben würden sich daran halten.

Auch das Landratsamt sollte hier noch mehr Druck machen, so Köck. Er befürchte aber, dass im Tal ein „Verbot auch nach hinten losgehen könnte“. Manche würden es dann eben „mit Fleiß“ machen. Auch Kreuth habe nur eine Empfehlung ausgesprochen, die Knallerei doch zu unterlassen. Manche hätten es sich „dennoch nicht nehmen lassen“.

Brillant-Seefest-Feuerwerke werden bleiben

Doch bei den drei Seefesten gebe es auch bei den beiden Tal-Kollegen eine „klare Haltung“. Die Feuerwerke in Bad Wiessee, Tegernsee und Rottach-Egern sollen „beibehalten werden“. Die Umfragen nach den Seefesten hätten gezeigt, dass drei Viertel der Befragten sich für den Erhalt der Brillantfeuerwerke ausgesprochen hätten. Er wolle auch „ganz offen sein“, so Köck.

Wenn eine Minderheit eine Forderung aufstellt, soll dann eine Mehrheit das Traditionelle immer gleich verändern müssen?

Viele Urlaubsgäste über die Weihnachtsfeiertage würden auch die Silvesterfeuerwerke schätzen. Doch bei den Privatfeuerwerken zog Köck am gleichen Strang wie Ecker-Schotte. Bereits unter seinem Vorgänger Franz Hafner sei die Gemeinde „sehr stringent gewesen“ und habe Feuerwerke aus privaten Gründen nicht mehr genehmigt. Geblieben aber seien die Feiern in den Hotels.

Hier sei aber der Freistaat gefordert, der die Erlaubnis dafür erteile. Die Gemeinde bekomme nur eine Information, mehr nicht. Deshalb will Köck das Thema in der nächsten Dienstbesprechung der Talbürgermeister vortragen. Gegebenenfalls würde er das „sensible Thema“ auch in der Regierung von Oberbayern ansprechen. Ziel sollte es sein, „gemeinsam die Feuerwerke am See nicht mehr zu erlauben“.

Lasershows in Zeiten der Energiewende?

Rottach habe sich hier schon „klar positioniert“. Auch wenn es bei Hochzeiten immer noch missachtet werde. Vielleicht könne man die Leute einmal überzeugen, dass es bei solchen Anlässen „auch noch andere Highlights gebe“. Aber vom „Seefest wollen wir nicht weg“. Zweifel habe er, so Köck, ob eine Lasershow so harmlos sei, wie sie hingestellt werde. Der hohe Stromverbrauch für die Lichteffekte mit Blitzen sei im Zeichen der Energiewende auch nicht das Wahre.

Ecker-Schotte glaubt dagegen, dass künftig immer mehr Regionen mit einer feuerwerksfreien Zone werben würden. Dennoch aber sei sie „keine Radikale“. Für einen „freiwilligen Aufruf“ votierte Thomas Forche (CSU). Man könne dem Kleinen nicht verwehren, was den Großen erlaubt sei.

Dem Antrag, dass die Gemeinde einen öffentlichen Aufruf zum freiwilligen Verzicht von Feuerwerken an Silvester starte, wurde mit der Gegenstimme von Josef Kaiser (CSU) zugestimmt. Seine Begründung: „Ich schieße gerne und freue mit total auf Silvester.“


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