Rottachs Zukunft: Teuer, aber positiv?

von Maxi Hartberger

Bei der Bürgerversammlung in Rottach ging es um Sport, Kultur – und Geld. 2016 wächst der Schuldenberg der Gemeinde wegen einiger Großprojekte deutlich an. Doch Bürgermeister Christian Köck hatte auch Erfreuliches zu verkünden. Bericht von einem Abend mit vielen Themen, aber ohne Diskussionen.

Bei seinem Rechenschaftsbericht auf der gestrigen Bürgerversammlung fasste Christian Köck die wichtigsten Themen und Projekte des vergangenen Jahres zusammen.
Bei seinem Rechenschaftsbericht auf der gestrigen Bürgerversammlung fasste Christian Köck die wichtigsten Themen und Projekte des vergangenen Jahres zusammen.

„Es macht Spaß in Rottach Bürgermeister zu sein“, eröffnet Christian Köck gestern die Bürgerversammlung im Seeforum. Trotz der Aufreger-Themen Asyl, Hochwasserschutz und Straßensanierung in Ellmösl, zieht er für sich und die Gemeinde ein eher positives Fazit über das vergangene Jahr. Und das, obwohl das Jahr 2015 für Rottach teuer war. Auch 2016 soll wieder von großen Investitionen geprägt sein.

Mit knapp 5,7 Millionen Euro war die Errichtung der neuen Sporthalle das größte Projekt in Rottach. Diese Investition sei für die nächsten 30 bis 40 Jahre getätigt worden und „ich bin froh, dass es wieder eine Halle gibt, in der Schüler und Vereine eine sportliche Heimat gefunden haben“, verkündet Köck stolz.

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Schulden werden fast verdoppelt

Durch Großprojekte wie dieses wächst der Schuldenberg der Gemeinde jedoch immer weiter an. Aktuell steht das Minus bei knapp 2,15 Millionen Euro. 2016, Köcks drittes Amtsjahr, soll es eine Erhöhung um 1,83 Millionen Euro geben. Abzüglich Tilgungen ergibt sich daraus ein neuer Schuldenstand von 3,83 Millionen Euro. „Daher müssen wir in den kommenden Jahren dann wieder auf die Bremse steigen und verantwortungsvoll mit unseren Mitteln umgehen“, stellt der Bürgermeister klar.

Auch in diesem Jahr sind neue Projekte eingeplant. Die größte Investition wird der neue Bauhof der Gemeinde sein. Mit knapp 3,2 Millionen Euro ist es das größte Projekt 2016. Seit Februar laufen die Arbeiten im Ortsteil Kalkofen, die Fertigstellung ist für November geplant. „Es war Improvisieren angesagt“, erklärte Köck. So gebe es unter anderem eine zwischenzeitliche Auslagerung in Form eines Ersatz-Bauhofs hinter dem Feuerwehrhaus.

Verkehrsteilnehmer müssen sich auf zahlreiche Baumaßnahmen einstellen

Neben den Durchführungsarbeiten der Hochwasserschutzmaßnahmen an der Rottach im Herbst dieses Jahres gab Köck auch einen Ausblick auf die Fertigstellung der öffentlichen Parkgarage an der Fürstenstraße im Mai. Auch die Baumaßnahmen an der Suttn-Mautstraße in diesem Jahr ist mit knapp 600.000 Euro ein größeres Projekt der Gemeinde.

Eine weitere Baumaßnahme dürfte Urlauber wie Einheimische freuen: Das „ehrlich gesagt versiffte Klo“ an der Popperwiese in Rottach wird für die Badesaison 2017 grundsaniert. Das WC-Häuschen wird komplett erneuert und umgestaltet. Zusätzlich soll es künftig ein behindertengerechtes Klo geben.

Zahlreiche Interessierte waren gestern Abend auf der Bürgerversammlung im Rottacher Seeforum.
Zahlreiche Interessierte waren gestern Abend auf der Bürgerversammlung im Rottacher Seeforum – Bürgeranfragen gab es aber keine.

Doch Diskussionen gibt es bei der Bürgerversammlung trotz der zahlreichen Aufreger-Themen kaum. Der kurze Schlagabtausch zwischen Köck und einem Bürger aus Ellmösl, der sich über teilweise fehlerhafte Informationspolitik bezüglich der Baumaßnahmen im Rottacher Ortsteil beschwerte,bildete die Ausnahme. Der Bürgermeister wischte das Thema relativ schnell vom Tisch: „Unsere Türen stehen jederzeit offen, aber da es keine Anfrage im Voraus gab, fehlen mir nun die nötigen Details“, erklärte Köck. Da mache es jetzt keinen Sinn, eine Diskussion zu führen.

Eine ältere Bürgerin spricht ein Thema an, das zuletzt viele Einheimische beschäftigte: „Ich habe vor einigen Wochen mit ziemlicher Bestürzung der Zeitung entnommen, dass unser wunderbares Kino Ostern schließt.“ Da sich dieses aber im Kreuther Ortsteil Weissach befinde, habe die Rottacher Gemeinde darauf wenig Einfluss, so Köck. Dennoch griff er die Angelegenheit auf und sprach das Verhalten von Betreiberin Julia Strelow an:

Mein Bürgermeisterkollege und ich mussten uns damals den Vorwurf gefallen lassen, sie würde bei uns vor Wände laufen und wir würden sich ihrer nicht annehmen.

Doch private Unternehmen mit öffentlichen Geldern zu fördern sei schwierig. „Und was damals passiert ist, ist leider hausgemacht.“ Vorbetreiber Bernward Schlinker habe dort über viele Jahre vor sich hingewirtschaftet, sei leider sehr schwer erkrankt, habe das Ganze veräußert und „dann musste man das für teures Geld wieder zurück pachten.“ Diese Umstände hätten es äußerst schwer gemacht für die engagierte und enthusiastische Strelow.

„Wir müssen uns da an unserer eigenen Nase packen und uns fragen wie oft wir in letzter Zeit im Kino waren“, stellte Köck fest. Das liege auch unter anderem an dem speziellen Kinoprogramm, das Strelow anbot. „Und was ich persönlich sehr schade finde: Ich habe ihr einen hochkarätigen Kontakt hergestellt zu Weimar Kinowerbung aus Hamburg.“ Sie habe dann aber das Angebot nicht angenommen. Außerdem sei er sich sicher, dass seitens der Eigentümer des Gebäudes das Kino fast nicht mehr erwünscht sei.

Bei seinem Rückblick verkündete der Bürgermeister außerdem eine weitere Veränderung, die für Sportliebhaber interessant ist: Das Mountain-Bike-Festival, das in den vergangenen Jahren am Birkenmoos in Enter-Rottach statt gefunden hat, wird künftig in der Ortsmitte seine Zelte aufschlagen. Das läge unter anderem daran, dass sich „Standbesitzer da hinten verloren fühlen und aufgrund der Asylthemtik zu wenig Platz da ist.“ Am 4. und 5. Juli findet das Festival dann auf dem Zentralparkplatz statt:

Das Mountain-Bike-Festival ist enorm wichtig für das Tegernseer Tal, die gastronomischen Betriebe und den Einzelhandel. Solch große Veranstaltungen sollten dann auch im Ortszentrum stattfinden.

Natürlich kam das Asyl-Thema auf der gestrigen Bürgerversammlung ebenfalls zur Sprache und bildete einen wichtigen Teil in Köck’s Rückblick. Zwar machte er deutlich, dass er keine politische Diskussion an diesem Abend führen wolle, dennoch nahm er klar Stellung zur Flüchtlingsdebatte in seiner Gemeinde. Dazu folgt auf der TS ein weiterer, ausführlicher Artikel.

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