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Wiesseer Kinderbuchautorin zu Besuch bei Viertklässlern

Sabine und „das kleine Volk“

Von Nicole Kleim

Wow. Was für eine Begrüßung. Als die Wiesseer Autorin Sabine Guillon ihr Kinderbuch in einer Grundschule vorstellt, stehen die Schüler auf und raunen im Chor: „Guten Morgen.“ Was folgt ist alles andere als Schulalltag.

Die Wiesseer Kinderbuchautorin Sabine Guillon zu Besuch in einer Grundschule. / Foto: N. Klem

Die zehnjährige Hannah lernt im Wald auf außergewöhnliche Art und Weise die Göttin Dana und ihr Kleines Volk kennen. So beginnt die Inhaltsangabe zu dem gleichnamigen Buch, das die 41-jährige Wiesseer Autorin Sabine Guillon geschrieben hat (wir berichteten).

Die Klassen 4a und 4d der Grundschule Lenggries lernen die Kinderbuchautorin auf ebenso außergewöhnliche Art und Weise kennen. Was man aber auch umgekehrt sagen kann. Höflich stehen die etwa 50 Schüler auf, als Guillon den Klassenraum betritt. Mit einem im Chor gesprochenen „Guten Morgen“ wird sie begrüßt.

Guillons Flucht in die Fantasiewelt

„Wer bin ich?“ fragt Sabine Guillon die Kinder gleich zu Beginn der etwa einstündigen Buchvorstellung am vergangenen Dienstag. „Eine Autorin“, so die kurze und knappe Antwort aus den Stuhlreihen. „Ich bin da, weil Ihr unsere Zukunft seid“, erklärt die 41-Jährige den Schülern und erntet ein erstauntes Raunen.

Sie sei schon immer eine Leseratte gewesen, macht Guillon den Viertklässlern ihre eigene Berufung schmackhaft. Als Älteste von vier Kindern ständig von den Eltern zum Babysitter verdonnert worden, habe sie aus ihrer Not eine Tugend gemacht, sich verkrümelt sich und gelesen, erzählt sie.

Die Gefühle sind frei

Dann nimmt die Autorin ein Stück Kreide, schreibt ihren Namen ganz klein an die Tafel und fragt: „Was passiert, wenn ich schüchtern bin, nehmt Ihr mich dann wahr?“ Die Kinder schütteln den Kopf. Sabine Guillon fordert sie auf, den eigenen Namen erst ganz leise und dann in einer aggressiven Stimmung ganz laut zu sagen. „Hat man was verstanden?“ will Guillon anschließend von den Kindern wissen. Erneutes Kopfschütteln.

„Es gibt eine leise, schüchterne Sabine und eine laute, aggressive“, fährt sie fort, „und dann gibt es eine Sabine, die versucht, normal zu sein.“ Normal sein bedeute, in der eigenen Mitte zu sein und Gefühle zuzulassen. Stille im Raum. Und genau darum gehe es in ihrem Buch, so Guillon. Um Dinge, die man nicht mit den Augen sehen, sondern fühlen kann. Um Orte, an denen man sich wohlfühlt, ohne zu wissen warum.

Sabine Guillon hat ihren Traum, ein Buch zu schreiben, wahr werden lassen. / Foto: N. Kleim

So wie Guillon sich als Kind an einen Ort flüchtete, wo sie für einen Moment der Realität entkommen konnte. Wenn ihre Fantasie mit ihr durchging, träumte sie davon, eines Tages ein Kinderbuch zu schreiben. Die „abartigsten und verrücktesten Träume“ habe sie damals gehabt, erzählt Guillon den Kindern mit einem Augenzwinkern. Und dann gibt sie ihnen folgende Empfehlung mit auf den Weg: „Passt auf Eure Träume auf und versucht sie zu leben“.

Wie schön, wenn man Freunde hat

Hoffnung. Das ist es, was die in Österreich aufgewachsene Sabine Guillon mit ihrem ersten Kinderbuch „Dana und das kleine Volk“ vermitteln will. Die jungen Leser werden in eine Fantasiewelt mitgenommen, in der die bedrohte Mutter Erde von einer Zehnjährigen gerettet wird. Guillon stellt ihrer weiblichen Hauptfigur Gefährten zur Seite, die ihr bei dieser großen Aufgabe helfen und sie beschützen. Die Welt wieder auf den richtigen Pfad zu bringen, das ist für die 41-Jährige eine Herzensangelegenheit.

Statt auf Energieräuber wie Computerspiele, Fernseher und Handy setzt Sabine Guillon auf Liebe und Aufmerksamkeit. So wie das kleine Volk in Guillons Buch nur von der zehnjährigen Hannah wahrgenommen wird und für alle anderen unsichtbar ist, so würden viele Menschen Tür an Tür leben, ohne sich wirklich zu sehen, sagt die gelernte Touristikkauffrau.

Träume wollen gelebt werden

„Lasst Euch von niemandem auslachen oder von Euren Herzenswünschen abbringen“, wiederholt Guillon. „Es ist Euer Leben“. Sie selbst habe immer Grundschullehrerin werden wollen, sagt sie, sei dafür aber ausgelacht worden. So landete sie in einer großen Firma, reiste um die Welt und war dennoch nicht glücklich. Heute ist sie „sesshaft“. Zusammen mit ihrem Mann und den zwei Kindern lebt sie in Bad Wiessee.

Die Träume der Lenggrieser Grundschüler warten noch darauf, gelebt zu werden: Vom Eishockeyspieler, Zahnarzt, Fußballprofi oder Schauspieler bis hin zur Teilnahme an einer Olympiade flattern diese Begriffe durch die Köpfe der Viertklässler wie erste Flügelschläge. Bis eines Tages der Moment und der Mut für die Kinder kommt, die Flügel ganz auszubreiten.

Vielleicht erinnern sie sich dann an Sabine Guillon und die zehnjährige Hannah und erfahren, wie es sich „anfühlt“, wenn man seinen Traum gelebt hat. P.S.: Laut Guillon soll das Kinderbuch Dana und das kleine Volk“ noch in diesem Schuljahr den vierten Klassen in Bad Wiessee vorgestellt werden.


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