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Schafft Bad Wiessee die Wende?

Jodschwefel-Areal – was bisher passiert ist

Wie berichtet, könnte das Engagement der Investorengruppe SME den Ort Bad Wiessee aus seinem jahrelangen Dornröschenschlaf erwecken. Nämlich dann, wenn das Landratsamt demnächst die Baugenehmigung für den Hotelneubau erteilt. Dann sind auch die Bauherren aus der Schweiz in der Pflicht.

Im Herbst soll mit dem Abriss des alten Jodbads in Wiessee begonnen werden.

Gut vierzig Jahre ist es her, da boomte der Badeort noch. Die Wiesseer Gastgeber freuten sich über mehr als eine Millionen Übernachtungen. Mit der Gesundheitsreform 1989 rutschte die gute Stimmung allerdings schlagartig in den Keller. Die Krankenkassen bewilligten nur noch sehr sparsam Kuren. Noch im gleichen Jahr halbierte sich die Zahl der Gäste im Jodschwefelbad. Die goldenen Zeiten waren endgültig vorbei.

Damit schwand auch die Lust der holländischen Eigentümer am Erhalt ihrer Kureinrichtung. Doch diese wollte die Gemeinde unbedingt erhalten. Dafür verschuldete sie sich enorm, als dann Ende 2011 der Entschluss reifte, das 100.000 Quadratmeter große Grundstück für 12 Millionen Euro zu erwerben. Jahre des Ringens um einen Investor folgten. Die würden „Schlange stehen“, prophezeite zwei Jahre später die Wiener Consultingfirma PKF.

Innsbrucker Firma Bauherr in Bad Wiessee

Es waren dann wohl auch laut Bürgermeister Peter Höß im Januar 2014 an die 15 Interessenten. Doch sie sprangen reihenweise ab, weil die Gemeinde das Areal zunächst nur in Erbpacht vergeben wollte. Bis ein Sinneswandel folgte und 20.000 Quadratmeter für einen Hotelkomplex zum Kauf angeboten wurden. Dafür interessierte sich dann Anfang 2015 die Sports Medicine Excellence AG (SME) aus Rehetobel in der Schweiz. Als Protagonisten traten Dr. Andreas Bänzinger (55) und vor allem Dr. Florian Kamelger (41), ein italienischer Staatsbürger, in Erscheinung.

Zwei Jahre dauerten Ihre Überplanungen der Entwürfe von Architekt Matteo Thun, bis dann Anfang Mai der große Wurf präsentiert wurde: ein „Aktivitätshotel“ (zuvor hieß es noch Sportsclinic) mit 119 Zimmern und Suiten über drei Etagen, sowie ein medizinisches Funktionsgebäude mit einem ambulanten Operationszentrum. Die Planungen für diesen Millionenkomplex sind nun offenbar auf der Zielgeraden.

Selbst das Landratsamt als Genehmigungsbehörde rechnet nicht mehr mit einer „signifikanten Verzögerung“. Erteilt sie das Baurecht, so werden laut Höß etwa 7,5 Millionen Euro für das Grundstück fällig. Abgewickelt wird das Projekt über die „SCA Immo GmbH“ in Innsbruck. Auch hier werden Kamelger und Bänziger als Geschäftsführer aufgelistet. Gehalten wird die Innsbrucker Firma von der „AF Immo AG“ im schweizerischen Rehetobel, eine Holding, unter deren Dach auch die Rennsportaktivitäten der Hotel-Investoren und ihr Aston Martin-Autosalon in St. Gallen vereint sind.

Kostet der Abriss eine Million Euro?

Sollten ihre 7,5 Millionen Euro dann im Oktober für das Wiesseer Areal fließen, so komme diese Summe nicht ausschließlich der Schuldentilgung zugute, wie Höß jüngst der Tegernseer Stimme erklärte. Denn abzuziehen sind davon noch die Kosten für den Abbruch des alten Gebäudes, man spricht von 1 Million Euro. Auf Anfrage bestätigt Kemelger, “dass die Gemeinde die Rückbaukosten (einschließlich der Entsorgung für die zurückgebauten Materialen) trägt, wir übernehmen die darüberhinaus gehenden möglichen Altlasten”.

Eine unbekannte Größe seien laut Höß auch noch die Steuern auf den Verkaufserlös für das Areal. Summa summarum dürften es also etwas mehr als 5 Millionen Euro sein, die Höß zur Schuldentilgung des seinerzeitigen Kredits zum Erwerb des Jodbad-Areals zur Verfügung stehen.

Lassen sich die 12 Millionen Euro jemals reinvestieren?

Wie erwähnt, hatten die 100.000 Quadratmeter der Gemeinde damals 12 Millionen Euro gekostet. Doch mit einem möglichen Verkaufserlös von 7,5 Millionen an SME könne man nicht daraus schließen, so Höß vor genau zwei Jahren gegenüber der TS, dass die Gemeinde dadurch einen Verlust von knapp 5 Millionen Euro in den Büchern stehen habe.

Denn weite Teile des Areals würden weiterhin im Besitz der Gemeinde bleiben: die gesamte Fläche des Tennisplatzes mit 10.000 Quadratmetern, weiterhin 15.000 Quadratmeter am See nördlich des Lederer-Areals, sowie der ganze Bereich mit dem Hochmoor westlich der Wandelhalle. Außerdem würden noch kleine aber wertvolle Flächen im südlichen Bereich des Jodbad-Areals dazugehören, die von der künftigen Bebauung nicht betroffen seien.

Hier könnte man eine „ganze Menge mehr Geld mit Eigentumswohnungen machen“, so Höß, doch dies „wollen wir nicht“. Er will Rahmenbedingungen, „dass der Gesundheitsstandort weiterentwickelt wird“. Den Anfang könnte nun SME im Oktober machen.


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