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Faszination am Karteln - ob in der Sauna oder am Stammtisch

Schafkopfen: das Kartenspiel der Tegernseer

Von Christopher Horn

Schafkopfen gehört zu den beliebtesten Kartenspielen im Tegernseer Tal. Während es noch vor einigen Jahrhunderten als “Spiel der Bauern” verschrien war, spielen es heute junge und ältere Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft.

Das man mit Schafkopfen auch richtig was gewinnen kann, hat der Tegernseer Walter Marcher gezeigt. Für ihn gabs ein Auto als Belohnung für den Sieg bei einem Schafkopfturnier in Miesbach. Doch was macht die Faszination dieses Spiels aus? Wir sind dem mal auf den Grund gegangen.

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Schafkopfen ist zwar bayerische Tradition, wurde aber nicht bei uns erfunden.

“I dad”, “mit der Oidn” oder “I hob an Wenz” sind Ausdrücke die man immer wieder an Stammtischen, in Wirtshäusern oder überall wo gespielt wird, hört. Da wo diese Wörter fallen, sind Kartenspieler meist nicht weit. Das Spiel heißt Schafkopfen und erfreut sich im Tegernseer Tal und in ganz Bayern besonderer Beliebtheit.

Doch eine schreckliche Nachricht vorneweg: der Ursprung dieses Spiels liegt nicht in Bayern, sondern in Sachsen. Dort wurde es erstmals im Jahr 1782 in einem Bußgeldkatalog erwähnt. Traurig aber wahr, die spezifisch bayerische Variante entstand erst mit der Einführung des so gennanten Rufspiels in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – offenbar in Franken: Die erstmalige Erwähnung eines definitiv nach bayerischen Regeln gespielten Schafkopfspiels datiert aus dem Jahr 1849.

Die ältesten schriftlich fixierten Regeln zum Bayerischen Schafkopf finden sich im Schafkopf-Büchlein eines Amberger Kleinverlages aus dem Jahr 1895. Offiziell festgelegt wurden die Spielregeln erst beim 1. Bayerischen Schafkopf-Kongress am 17. Dezember 1989 im Münchner Hofbräuhaus durch den Bayerischen Schafkopf-Verein.

Die Regeln in Kürze

Zum Schafkopfen werden vier Spieler benötigt. Das Rufspiel, das Farbsolo und der Wenz bilden das Grundgerüst des Schafkopfens. Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl weiterer Varianten, die mehr oder weniger stark verbreitet sind. Beim Rufspiel – auch Sau- oder Partnerspiel – spielen jeweils zwei Spieler gegen die beiden Anderen.

Hier repräsentieren die vier Ober und danach folgend die vier Unter in der genannten Reihenfolge (absteigend) der Farben Eichel, Gras, Herz und Schellen die höchsten Trümpfe; weiterhin gelten die restlichen Herzkarten in der Reihenfolge Ass/Sau, Zehn, König, Neun, Acht, Sieben als Trümpfe, insgesamt gibt es somit deren 14. Alle anderen Karten werden als Farben bezeichnet.

Beim Wenz und Farbsolo spielt ein Alleinspieler gegen die drei Mitspieler. Beim Wenz gibt es lediglich vier Trümpfe, alle Unter. Beim Farb-Solo sind nach wie vor die Ober und Unter in der genannten Reihenfolge die höchsten Trümpfe; der Solospieler sagt nun bei der Spielansage eine Farbe seiner Wahl an, die die restlichen Trümpfe in der Reihenfolge Ass bis Sieben festlegt

Ziel des Spiels ist es, durch Stechen eine gewisse Punktzahl zu erreichen. Normalerweise gilt ein Spiel für die Spielerpartei mit 61 Augen (Punkten) als gewonnen. Die unterschiedlichen Karten haben dabei bestimmte Werte. Wer mehr zum Regelwerk wissen will, kann es hier nachlesen.

Faszination Schafkopf?

Nun aber genug mit den faden Bestimmungen und zurück zur Faszination, die dieses Spiel auf Jung und Alt im Tegernseer Tal ausübt. Was diese genau ist, lässt sich nicht pauschal sagen, deshalb haben wir einfach ein paar Stimmen eingeholt.

“Schafkopfen ist ein Spiel, bei dem man ständig mitrechnen muss, mit unglaublich vielen Varianten, das finde ich super,” so der 25-Jährige Rottacher Andreas. Er selbst spielt regelmäßig mit Freunden und hat auch zu Schulzeiten in der Pause immer die Karten zur Hand gehabt.

Eine andere Einschätzung gibt uns der 60-Jährige Sepp:

Schafkopfen ist einfach ein Stück bayerische Tradition, ich selbst spiele es seit 40 Jahren und es war nie langweilig.

Der Kreuther spielt mindestens einmal pro Woche am Stammtisch und ist auch sonst bei jeder spontanen Runde dabei.

Neben diesen beiden teilen aber noch viele andere Talbewohner die Leidenschaft fürs Schafkopfen. Regelmäßig veranstalten diverse Vereine vom Fußballclub bis zum Trachtenverein Schafkopfturniere. Auch am Gmunder Volksfest gibt es jedes Jahr eines und die CSU nutzt Schafkopfturniere gern um Bürgernähe zu demonstrieren.

Ein Auto als Hauptgewinn

Dass es bei diesen Turnieren neben dem Ruhm des Sieges unter Umständen auch richtig wertvolle Sachpreise zu gewinnen gibt, zeigt die Geschichte eines Tegernseer “Schafkopfers”. Die Rede ist von Walter Marcher, hauptberuflich Hausmeister des Gymnasiums Tegernsee und seit Jahren begeisterter Kartenspieler.

Marcher nahm über Jahre neben privaten Spielrunden auch an Turnieren teil. Vor rund zehn Jahren war es dann soweit, in der Miesbacher Oberlandhalle stieg der jährliche Schafkopfwettkampf. 1.200 Teilnehmer waren gemeldet und wollten zeigen, wer der beste Spieler unter ihnen ist. Man versammelte sich an Vierertischen und los ging es. Zur Halbzeit wurden neue Zusammensetzungen ausgelost.

Helmut Marcher spielt mittlerweile fast kein Schafkopf mehr

Marcher startete solide und war im Mittelfeld dabei. “Am Anfang habe ich gar keine so guten Karten gehabt, gesteht der Tegernseer. Doch er hielt durch, verlor nicht die Lust und wurde belohnt. “Plötzlich hatte ich ein Solo nach dem Anderen, ich war auf der Siegerstraße, erinnert sich Marcher. Er hätte sich unterdessen keine besseren Tag aussuchen können, den als ersten Preis für den Sieger gabs ein Auto!

Genauer gesagt einen Fiat Cinquecento. Und Marcher machte dann auch tatsächlich das Rennen und dürfte das italienische Gefährt mitnehmen. “Das Auto habe ich dann meiner Tochter gegeben”, erzählt Marcher. Auf die Frage was genau für ihn die Faszination dieses Spiels ausmacht, hat er unterdessen keine konkrete Antwort parat. “Tradition. Varientenreichtum. Vielfältigkeit.” Das sind für Marcher die entscheidenden Aspekte.

In letzter Zeit spielt er unterdessen immer seltener, was aber keineswegs an der mangelden Begeisterng liegt. “Es geht einfach nixmehr zamm,” so Marchers Erklärung. Dagegen hat sich sein “Spieltrieb” auf das Internet verlagert. “Dort kann man auch gut Schafkopfen und Spass machts auch,” so Marcher.

Das Saunaschiff in der Seesauna ist auch Ort für gesellige Schafkopfrunden / Quelle: Dirk Hols

Vielleicht animiert ja das gegenwärtige Angebot der Seesauna in Tegernee Marcher und seine Kartenkumpels wieder gemeinsam zu spielen. Unter dem Motto “Schafkopf im Schiff” kann man dort in der Sauna Schafkopfen, dazu gibts zwei kühle Bier und eine Brotzeit.

Aber die Hautsache für jeden “Kopfer” ist eh das Kartenspiel. Egal wo und egal wann.

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